EBM-Papst

Produzieren in Deutschland lohnt sich

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MM: Sie weihen am 17. Juli ein neues Werk ein. Was ist besonders an diesem Werk?

Beilke: An unserem Standort hier in Mulfingen ist alles sehr zerklüftet. Wir haben die angesammelten Hallen zusammengefügt, wie es eben organisch gewachsen ist. Mit der Aufnahme der Produktion der großen Ventilatoren hatten wir ein Problem; denn unsere Einrichtungen hier waren alle nur für die Kleinen geplant. Und wenn man früher auf eine Palette 800 Stück bekommen hat und heute nur fünf, ist das ein Riesenproblem, weil sie auch von einem Stockwerk ins andere transportiert werden müssen.

Deswegen haben wir eine neue Halle mit einer hochautomatisierten Produktion gebaut. Dort läuft alles auf einer Ebene und der Warenfluss ist optimal. Hinzu kommt, dass das Werk wenig Energiekosten hat, weil wir auf der gesamten Dachfläche Solarzellen angebracht haben und den Strom für die Wärme und Kälte selbst generieren.

MM: Sie wachsen derzeit viel stärker im Ausland als im Inland. Wieso interessieren Sie sich überhaupt für einen Produktionsstandort in Deutschland?

Beilke: Es war eine schwere Entscheidung. Der erste Grund war, dass wir uns um eine neue Produktpalette gekümmert haben, nämlich die großen Ventilatoren, und das wollten wir gerne in unserer Nähe machen. Zweitens haben wir das Ziel, in der Unternehmensgruppe bis zum Jahr 2015 2 Mrd. Euro Umsatz zu generieren, und dazu braucht man auf jeden Fall auch in Deutschland Platz. Grund Nummer drei war, dass es in den bestehenden Räumlichkeiten schwierig war, die großen Produkte herzustellen.

Und jetzt kommt die ganze Latte von Gründen, warum man überhaupt in Deutschland produziert. Wir haben uns in den letzten vier bis fünf Jahren in Deutschland verbessert. Es gab eine Zurückhaltung bei den Gewerkschaften, die Lohnkosten sind nicht so enorm gestiegen, wir haben eine gute Infrastruktur in Deutschland, viel besser als in Indien zum Beispiel oder in China. Wir haben hier immer Strom. All diese Dinge waren ausschlaggebend.

MM: Wie viele neue Arbeitsplätze sind dadurch entstanden?

Beilke: Es sind vorerst keine neuen entstanden. Kapazitäten gibt es aber für 200 Menschen. Im Augenblick sind die Arbeitskräfte noch von unserem Standort hier in Mulfingen nach Hollenbach genommen worden. Das neue Werk ist ja nur ein paar Kilometer entfernt. Wir werden aber auch unseren Standort hier in Mulfingen weiter ausbauen.

MM: Wie viel von den angestrebten 2 Mrd. Euro wird organisches Wachstum sein. Wie viel wird durch Fremdzukäufe erreicht?

Beilke: Etwa 10% werden mindestens die aktiven Preissteigerungen sein. 70% wird organisches Wachstum sein. Und ungefähr 20% stellen wir uns vor durch Akquise von Unternehmen, die gut bei uns reinpassen.

MM: Welche weiteren Ziele haben Sie jetzt persönlich in Ihrer Laufbahn als Geschäftsführer bei EBM-Papst?

Beilke: Mein Ziel ist es, den Umsatz des Unternehmens zu verdoppeln, aber immer mit einer guten Rendite. Denn Wachstum alleine reicht nicht. Wir wollen Geld dabei verdienen. Es ist einfach mein persönlicher Ehrgeiz, das fortzuführen, was andere aufgebaut haben. Es ist eine spannende Aufgabe, wenn Sie ein Unternehmen verantworten, welches aufgrund seiner damaligen Größe anders operiert hat, als es jetzt operieren muss.

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