Robotik Salamander-Roboter unterstützt Evolutionsforscher

Redakteur: Jürgen Schreier

Wie das Leben laufen lernte: Ein neuartiger Roboter hilft die Evolution der Fortbewegung zu verstehen. Untersucht werden die motorischen Fähigkeiten eines Rippenmolchweibchens der Gattung Pleurodeles waltl, deren Bewegungsmuster der Salamander-Roboter „Pleurobot“ bereits exakt imitieren kann.

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Salamanderdame „Lotte" wird von Nyakatura durch den Versuchsaufbau geführt. Röntgenvideos und Bodenreaktionskraftmessungen geben Einblick in die Biomechanik des Spreizgangs
Salamanderdame „Lotte" wird von Nyakatura durch den Versuchsaufbau geführt. Röntgenvideos und Bodenreaktionskraftmessungen geben Einblick in die Biomechanik des Spreizgangs
(Bild: Daimler und Benz Stiftung/Oestergaard)

Ein Blick, weit zurück in der Zeit: Der Thüringer Wald im Perm, lange bevor die ersten Dinosaurier auf der Bildfläche erscheinen. Im Uferbereich eines Gewässers hinterlässt eine rund einen Meter lange Echse ihre Fußabdrücke. Und damit einen Schatz für die Wissenschaft.

„Dass Fährten versteinern und sich über einen solch langen Zeitraum erhalten, ist an sich noch nichts Ungewöhnliches“, stellt der Zoologe und Evolutionsbiologe Dr. John A. Nyakatura fest. „Doch das wirklich Außergewöhnliche an dieser Spur ist: Wir können sie einem Skelettfund zuordnen. So wissen wir, wie jenes Tier aussah, das seine Fußabdrücke damals im Schlamm hinterließ.“

Biometrischer Roboter soll Fortbewegungsprofil einer Echse entschlüsseln

Jena, 300 Mio. Jahre später: Gefördert von der Daimler und Benz Stiftung macht sich Postdoktorand Nyakatura mit einem Team junger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern daran, das Bewegungsprinzip von Orobates pabsti, so der lateinische Name der Echse, zu entschlüsseln. „Mithilfe eines biometrischen Roboters können wir die Fortbewegung dieses Schlüsselfossils rekonstruieren. Die Verwendung einer neuartigen Laufmaschine liefert uns dabei nicht nur Erkenntnisse über das untersuchte Exemplar, sondern wir können aus unseren Forschungen auch allgemeingültige Prinzipien zur Evolution der Bewegung bei Landwirbeltieren ableiten.“

Ein Schlüsselfossil ist die thüringische Echse deshalb, weil sie noch vor der stammesgeschichtlichen Abzweigung von Dinosauriern, Schlangen, Schildkröten und Synapsiden (woraus sich schließlich die Säugetiere entwickelten) steht. Bislang diagnostizierten Paläontologen anhand von erkennbaren Muskelansatzstellen an Skeletten oder den Proportionen von Extremitäten ausgestorbener Tierarten, wie diese sich fortbewegten.

Hochgeschwindigkeits-Röntgenanlage macht feinste skelettale Bewegungen sichtbar

Doch derartige Einschätzungen besaßen oft subjektiven Charakter und waren durch Vorannahmen beeinflusst. Nyakaturas Team hingegen integriert bei seiner aktuellen Untersuchung mehrere neuartige methodische Ansätze. Zunächst unterziehen die Jenaer Forscher verschiedene heute lebende Tiere einer eingehenden Bewegungsanalyse. Mit Hilfe einer europaweit einzigartigen digitalen Hochgeschwindigkeits-Röntgenanlage am Institut für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie der Universität Jena werden dabei feinste skelettale Bewegungen sichtbar gemacht, die sonst unter Haut und Muskeln verborgen bleiben.

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