Schutzbekleidung gibt Sicherheit bei elektrostatischer Aufladung
Elektrostatische Entladungen können Ursache von schweren Unfällen in der Arbeitswelt sein. Als Schutz davor kann eine antistatische Bekleidung dienen. Für das größte österreichische...
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Elektrostatische Entladungen können Ursache von schweren Unfällen in der Arbeitswelt sein. Als Schutz davor kann eine antistatische Bekleidung dienen. Für das größte österreichische Gasversorgungsunternehmen wurde ein neues Produkt dieser Art entwickelt. Es handelt sich dabei um eine antistatische Schutzbekleidung, die eine wasserdampfdurchlässige Nässeschutzmembrane hat.Der Energieversorgungsmarkt ist auch in Österreich im Wandel. Im Wettbewerb mit privaten Anbietern und internationalen Konzernen verändern sich aber nicht nur Konzernstrukturen und Gewinnsituationen. Ein Teilbereich des größten österreichischen Kommunalversorgers Wiener Stadtwerke Holding AG, das Unternehmen Wiengas, ging auch im Bereich Arbeitsschutzkleidung neue Wege.Gemeinsam mit dem Spezialisten für Membrantechnologie, der W. L. Gore & Associates GmbH in Putzbrunn bei München, und dem Salzburger Konfektionär Texport hat der größte österreichische Gasversorger ein den zukünftigen Anforderungen entsprechendes textiles Sicherheits-Spezialprodukt für seine Mitarbeiter entwickelt. Seit Anfang 2001 ist die neue, den aktuellen EU-Richtlinien entsprechende und das neue Unternehmensimage repräsentierende Generation des Wiengas-Outfits im Einsatz.Konfektionär in Entwicklung eingebundenDie Schutzkleidung, die man für die sicherheitskonforme Ausstattung der Mitarbeiter bei ihrer täglichen Arbeit im Dienste der Gasversorgung wollte und die der erst vor kurzem in Kraft getretenen EU-Richtlinie entspricht, gab es im Fachhandel vorher nicht. 1997 hat man sich deshalb entschlossen, profilierte Entwickler und Hersteller zu einer Kooperation für die Neuentwicklung einzuladen.Damit der neue Schutzanzug nicht nur von den funktionalen, technischen und textilen Voraussetzungen her passt, wurden auch Wiengas-Mitarbeiter für die Entwicklungsarbeit ins Boot geholt. Das Unternehmen steht für Sicherheit im Bereich Energietechnik und kundenorientierte, wettbewerbsfähige Dienstleistung. Das sollte auch in der Bekleidung für jeden Mitarbeiter zum Ausdruck kommen. Bei Gore hat man Verständnis für den Wunsch nach Erfüllung moderner technischer Prüfstandards und hochwertiger technischer Grundlagen in der Produktentwicklung gefunden. Und das Technologieunternehmen stimmte mit dem Gasversorger überein, was die hohen Anforderungen an das Bekleidungskonzept anging. Folgerichtig wurde deshalb bereits bei der Entwicklungsarbeit auch der Konfektionär Texport in Salzburg mit eingebunden.Bei einem Mitarbeiter-Workshop wurde ,,Zug um Zug" ein Träger-Wunschprofil für die neue Arbeitsbekleidung festgelegt. Gleichzeitig waren für die Unternehmensführung auch unternehmensinterne Vorteile durch Wirtschaftlichkeit relevant: Kosteneinsparung im Anschaffungs- und Lagerhaltungsbereich, die durch eine Produktvereinfachung erzielt werden sollte, sowie ein imagebildendes, optisch prägnantes Design - Kriterien, denen die rund zehn Jahre alten Wetterschutzjacken der knapp 1200 Mitarbeiter des Gasversorgers nicht mehr entsprachen.Oberste Priorität hatte die signifikante sicherheitstechnische Verbesserung. Die Bekleidung musste einen hohen antistatischen Schutz bieten. Mit dieser Forderung ist das Unternehmen als erstes in Österreich gewissermaßen sogar der neuen EU-Explosionsschutz-Richtlinie zuvorgekommen, in der für die entsprechenden Arbeitsbereiche erst ab 2003 verbindlich Bekleidung mit dieser Schutzfunktion vorgeschrieben wird. Außerdem sollte sich die neue Bekleidung im Gegensatz zur alten wirklich komfortabel tragen lassen. Abgesehen davon war auch der optische Auftritt der Mitarbeiter beim Kunden für ein modernes, privatwirtschaftlich geführtes Dienstleistungsunternehmen nicht mehr adäquat.Anforderungskatalog ist entstandenZug um Zug erfolgten dann die nächsten Schritte: Der Sicherheitstechnische Präventivdienst des Unternehmens entschloss sich zur Gründung eines eigenen Ausschusses für Arbeitsschutzbekleidung. Innerhalb weniger Wochen entstand gemeinsam mit den Mitarbeitern ein detaillierter Anforderungskatalog an die neue Schutzkleidung, der auch den zukünftigen EU-Richtlinien und ÖNormen bereits entsprechen musste:- maximaler Schutz gegen elektrostatische Aufladung (laut EN 1149-3), - optimaler Schutz gegen Hitze und Flammen (laut EN 533 Index 3 und EN 531), - Chemikalienschutz Typ 6 (laut PrEN 13034), - Schweißerschutzbekleidung (laut EN 470/1), - Störlichtbogenschutzbekleidung, - Ganzjahresanwendbarkeit durch abtrennbares Thermofutter (laut EN 343), - Tragekomfort trotz Schutz gegen schlechtes Wetter (laut EN 343), - imagefördernde Optik mit hohem Wiedererkennungswert.Elektrostatische Entladungen können Ursache von schweren Unfällen in der Arbeitswelt sein. Besonders tückisch ist dieses Phänomen, weil die Existenz statischer Elektrizität dem Menschen verborgen bleibt. Abgesehen von dem Funken an der Türklinke, registriert man elektrostatische Aufladung erst ab 3000 V. In der Nähe von zünd- und explosionsfähigen Stoffen, insbesondere Luft-Gas-Gemischen, werden Funken als Folge elektrostatischer Entladungen dann besonders im Bereich der Energieversorgung zur tödlichen Gefahr. Die gefährliche Dimension statischer Elektrizität stand deshalb bei der Produktentwicklung für das Wiener Unternehmen an oberster Stelle.Anzahl der Ladungen ist unterschiedlichStatische Elektrizität, ein physikalisches Oberflächenphänomen, bezeichnet das Ungleichgewicht positiver und negativer Ladungen, das entsteht, wenn an der Kontaktstelle zweier Objekte Ladungsträger, zum Beispiel Elektronen, wandern, um das elektrische Gleichgewicht herzustellen. Trennt man die Objekte rasch, ist die Anzahl der Ladungen auf beiden Oberflächen unterschiedlich. Sie sind dann elektrostatisch aufgeladen. Wird ein auf diese Weise elektrostatisch aufgeladenes Objekt in die Nähe eines nicht aufgeladenen oder eines entgegengesetzt aufgeladenen Objektes gebracht, so wird automatisch das Gleichgewicht wiederhergestellt: Die überschüssigen Elektronen wandern eben so lange zum neutralen beziehungsweise positiv geladenen Objekt, bis das Verhältnis wieder ausgeglichen ist. Effekt ist ein sogenannter Ladungsaustausch beziehungsweise die Entladung des aufgeladenen Objektes.Ob es zu einer elektrostatischen Aufladung von Objekten kommt, hängt im Wesentlichen davon ab, ob und wie schnell die unterschiedliche Ladung von der Oberfläche ,,abfließen" kann. Leitfähige Materialien fördern die schnelle Ableitung der Ladungsträger. Luftfeuchtigkeit mit Werten unter 40%, wie sie in Mitteleuropa häufig registriert wird, führt dann zur elektrostatischen Aufladung.Zurzeit werden europaweit einheitliche Messgrößen für antistatische Schutzbekleidung durch die sechs Jahre alte EU-Norm DIN EN 1149-1 definiert. Das Europäische Normungskomitee CEN TC 162 arbeitet allerdings an der Festlegung eines modernen geeigneten Messverfahrens für die EU-Richtlinie 2002. Ein derartiges ,,Normungsumfeld" stellte für die Projektpartner eine besondere Herausforderung dar.Die neue Schutzkleidung der Mitarbeiter des Gasversorgers, so die Ziele der Arbeitsgruppe im Unternehmen, sollte nicht nur dauerhaft Wetterschutz mit antistatischem Schutz verbinden, sondern darüber hinaus noch zusätzliche Schutzfunktionen, wie Hitze- und Flammschutz, beinhalten. Dabei kamen den Wienern das textiltechnische Know-how, die Kenntnis elektrostatischer Phänomene und die Tradition partnerschaftlichen Projektmanagements von Gore zugute.Denn feste Bestandteile einer Produktentwicklung bei dem Unternehmen sind die in Abstimmung mit dem Kunden erarbeitete Erfassung der Anwendungsbereiche, die Erstellung des darauf abgestellten technischen Funktionsstandards des Textils und die nutzerangepasste Bekleidungskonstruktion. Dahinter steht der Anspruch, nicht nur das eigene Produkt (= Funktionstextil), sondern das gesamte System aus Träger, Umfeld und Endprodukt (= Bekleidung) einzubeziehen. Zusammengefasst heißt das, Funktionstextilien zu entwickeln und zu vermarkten, die ,,fit for use" sind.Antistatischer Schutz nach innen verlagertBei der rund zweijährigen Entwicklungsarbeit an der neuen Schutzbekleidung für Wiengas konnte Gore zwar auf eigene Erfahrungen mit antistatischer Feuerwehrkleidung zurückgreifen, entschied sich aber in der Auswahlphase der geeigneten Materialien vor allem für eine textiltechnische Innovation: Der antistatische Schutz wurde nach innen in die Funktionsschicht der Bekleidung verlagert.Gore-Tex Workwear anti-static ist ein spezielles 2-Lagen-Laminat, in das zwischen einem Obermaterial aus Modacryl-Baumwolle und dem Innenfutter eine antistatische Gore-Tex-Membran aus PTFE (Polytetrafluorethylen) eingebettet wird. Die Produktneuheit vereint die für eine zukunftsorientierte antistatische Schutzkleidung notwendigen Schutzfunktionen. An erster Stelle steht der vollflächige Schutz gegen elektrostatische Aufladung. Direkt in der antistatischen Membran sind leitfähige, mikroskopisch feine Nano-Carbon-Partikel verteilt. Sie sind elektrisch verbunden und bilden ein 10 000-fach dichteres Netz als die herkömmlichen leitfähigen Gitterstrukturen. Weil die Ladungen permanent in alle Richtungen abfließen, treten keine lokalen Spannungsspitzen auf.Auch bei der Bekleidungskonstruktion und den verwendeten Applikationsmaterialien wurde auf Wunsch der Wiengas GmbH die Zielsetzung vollflächiger antistatischer Schutz über das gesamte Bekleidungsteil konsequent umgesetzt durch speziell neu entwickelte Reißverschlüsse und Druckknöpfe aus Kunststoff sowie durch antistatisches Material an Innenkragen, Saum, Kapuze und Frontverschluss. Antistatischer Schutz muss auch dauerhaft sein. Dieser Anforderung kommt entgegen, dass die leitfähigen Nano-Carbon-Partikel fest in die Membran eingebaut sind, die ihrerseits wiederum geschützt unter dem Oberstoff liegt. Auf diese Weise ist die Antistatikfunktion vor Beeinträchtigungen durch mechanische Einflüsse oder Umwelteinwirkungen robust geschützt und stabil gegenüber Wäschen und chemischer Reinigung.Unbeeinträchtigt von der Antistatikfunktion macht die Membran in bewährter Gore-Tex-Weise die Schutzkleidung wasserdicht und zugleich hoch atmungsaktiv. Schließlich gewährleistet das Hightechtextil auch einen zuverlässigen Hitze- und Flammschutz. Das Obermaterial besteht aus einer Modacryl-Baumwollmischung, die den höchsten Anforderungen der DIN EN 533/3 und EN 1149/3 entspricht. Es wurde durch ein akkreditiertes Prüfinstitut, das Sächsische Textilforschungsinstitut e.V. in Chemnitz, in Anlehnung an die Antistatiknorm DIN EN 1149-1 zertifiziert. Außerdem erfüllt das neue antistatische Funktionsmaterial die Kriterien der europäischen Normen für hitzeexponierte Industriearbeiter (DIN EN 531) und für Schweißerschutz (DIN EN 470-1).Trageversuche fanden in der Praxis stattErprobt werden Prototypen von Gore-Tex-Bekleidung vor ihrer Freigabe immer bei Trageversuchen in der Praxis. Damit ist sichergestellt, dass die später von lizensierten Partnerkonfektionären in Serie gefertigte Bekleidung ihre Funktionalität und ihren Tragekomfort bei der jeweils spezifischen Tätigkeit behält. Deshalb wurden auch bei dem Gasversorger Feldtests in den relevanten Arbeitsgebieten durchgeführt, an denen 20 Mitarbeiter rund ein Jahr lang teilnahmen. Sie erprobten die ,,maßgeschneiderte" Schutzkleidung in der täglichen Anwendung und zahlreichen Extremsituationen. Sogar private sportliche Freizeitaktivitäten der Mitarbeiter, wie etwa am Gletscher, flossen mit ein.Die Ergebnisse der Trageversuche unterstrichen das hohe Leistungsprofil der neuen Bekleidung: Alle Träger beurteilten sie als wasserdicht. Sie empfanden die Teile bei Regen und Schneefall als behaglich und fühlten sich bei körperlicher Anstrengung und extremen Wettersituationen trocken. Schließlich bewerteten die Träger das System als anwendungsgerecht und optisch ansprechend. Mehrere Verbesserungsvorschläge wurden bei der Serienfertigung berücksichtigt. Die nachträgliche Prüfung der Testteile auf Antistatik im Labor bestätigte die unveränderten Schutzeigenschaften des neuen Produktes.Alltagstauglichkeit vielfach bewiesenEnde September 1999 wurde das neue Outfit den Mitarbeitern der Wiener Stadtwerke Holding AG präsentiert und Anfang 2001 wurden die ersten Teile ausgeliefert. Zwischenzeitlich haben die neue Schutzjacke und -hose ihre Alltagstauglichkeit schon vielfach bewiesen. Sie bestehen aus 2-Lagen-Laminat mit schwer entflammbarem, wasserdichtem Reißverschluss und Druckknöpfen, sind ohne Metallteile und haben eine wasserdampfdurchlässige Nässeschutzmembrane in schwer entflammbarer, antistatischer Ausführung. Die Jacke hat ein auszippbares Thermosteppfutter und eine abnehmbare Kapuze.