Selbstgestricktes hat keine Zukunft

Redakteur: Güney Dr.S.

Software für den Mittelstand gibt es in Hülle und Fülle. Doch welches Programm ist das richtige? Und welche Module benötigen Unternehmen der Fertigungsindustrie? Über diese und andere Fragen sprachen...

Anbieter zum Thema

Software für den Mittelstand gibt es in Hülle und Fülle. Doch welches Programm ist das richtige? Und welche Module benötigen Unternehmen der Fertigungsindustrie? Über diese und andere Fragen sprachen wir mit Martin Boll, Geschäftsführer der SAP-Tochter Steeb.MM: Seit gut einem Jahr ist SAP mit der Mittelstandssoftware Business One auf dem Markt. Das Produkt ist für kleine Dienstleistungs- und Handelsunternehmen ausgelegt. Steeb wendet sich als SAP-Partner auch an die Fertigungsindustrie. Wann darf diese Branche erste Zusatzentwicklungen von Business One erwarten?Boll: SAP Business One ist für einfache Geschäftsprozesse ausgelegt. Es ist nicht die Strategie der SAP, ähnlich komplexe Abwicklungsmöglichkeiten wie bei R/3 darstellen zu können. Für Fertigungsunternehmen ist Business One durchaus geeignet. Mit der Lösung sind einstufige Stücklisten und Fertigungsaufträge darstellbar. Zudem gibt es seit neuestem einen Zusatz für die Disposition.MM: Und für die Fertigung?Boll: Wir haben Anfragen im Bereich kleiner Fertigungen. Auch dort wird von Fertigungsaufträgen gesprochen, doch sie werden einfacher dargestellt und abgewickelt. So weiß zum Beispiel der Werkstattmeister, welcher Auftrag an welchem Arbeitsplatz liegt. Das muss nicht per EDV dargestellt werden. Deshalb ist Business One für kleine und kleinste Unternehmen mit einfacher Fertigungsstruktur absolut tauglich.MM: An welche Mitarbeiterzahl denken Sie, wenn Sie von kleinen und kleinsten Unternehmen sprechen?Boll: Um die 30 bis etwa 80 Mitarbeiter, wobei das nicht immer nur von der Userzahl abhängig ist, sondern von der Komplexität der Geschäftsprozesse.MM: Kann mit der neuen Software endgültig dem alten Makel, die SAP-Software sei für kleine und mittlere Unternehmen zu teuer, begegnet werden?Boll: Sicher, denn mit Business One bietet SAP eine kostengünstige Lösung für den Mittelstand an. Der Makel, den Sie ansprechen, ist doch uralt, er stammt noch aus der Mainframe-Zeit in den 80er Jahren. Seit es R/3 gibt, hat SAP mächtig in Customizing, in Hilfsmittel und Methoden investiert, um die Einführung einfacher und gefälliger zu machen.MM: Dennoch gab es auch bei R/3 immer wieder Klagen, dass die Software zu komplex und zu teuer sei.Boll: Das mag sein, ist aber meines Erachtens ein Relikt aus der Vergangenheit. Wir bei Steeb haben die Erfahrung gemacht, dass wir allein durch methodische Verbesserungen den Einführungsaufwand um bis zu 50% reduzieren können. Das reine Customizing, die kundenindividuelle Anpassung der Software, macht nur 5 bis 10% des gesamten Implementierungsaufwands aus. Was wirklich Zeit und Geld kostet, das ist die Anpassung der Geschäftsprozesse. Ich bin nun seit 23 Jahren im SAP-Geschäft und kann mich an Situationen erinnern, in denen wir zwei, drei Tage Diskussionen hatten über die Art, wie man einen Geschäftsprozess abwickelt. Das Customizing dazu ist dann aber in einer halben Stunde erledigt.MM: Wie wichtig sind für den Mittelstand Lösungen für das Kundenmanagement (CRM), für die Logistikketten (SCM) oder den Produktlebenszyklus (PLM)?Boll: Die Funktionalität, die in R/3 drin ist, reicht vielen Mittelständlern aus. Wir müssen doch realistisch bleiben. Es gibt diverse Studien, die aussagen, dass etwa bei 50% der mittelständischen Unternehmen noch „selbstgestrickte“ Software im Einsatz ist. Das hängt oft damit zusammen, dass der EDV-Leiter die Software geschrieben hat. Solange der da ist, wird das System weiterlaufen. Wenn er ausscheidet, muss erfahrungsgemäß auch die Software ersetzt werden, weil plötzlich der Experte fehlt. Diese Firmen lernen dann schnell die Vorteile von Standard-ERP-Systemen zu schätzen.