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Auslandsmärkte

Tschechien bietet gute Gründe für ein Engagement

| Autor: Stéphane Itasse

Tschechiens Wirtschaft brummt, so erweitert zum Beispiel Skoda sein Werk in Kvasiny. Davon profitiert auch der Maschinenbau.
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Tschechiens Wirtschaft brummt, so erweitert zum Beispiel Skoda sein Werk in Kvasiny. Davon profitiert auch der Maschinenbau. (Bild: Skoda/andreas pohlmann)

Tschechien verfügt nicht nur über viele Standortvorteile, sondern auch über eine starke Maschinenbaubranche. Weshalb sich ein Blick auf das östliche Nachbarland lohnt, erläutert Dr. Martin Partl, Leiter der Vertretung des Investitionsförderers Czechinvest in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Gleich sechs Gründe nennt Martin Partl für einen Standort in Tschechien: Eine strategische Lage in Ostmitteleuropa mit direktem Transportzugang zum EU-Markt, hoch qualifizierte Arbeitskräfte, Grundstücke mit guter Infrastruktur, eine gut ausgebaute Transportinfrastruktur und die modernste Telekommunikationsinfrastruktur innerhalb der Ost- und Mitteleuropa, eine gut entwickelte Lieferantenbasis sowie ein breites Spektrum von lokalen Fördermöglichkeiten – EU-Fonds und Investitionsanreize.

Daneben bietet der Staat ein solides Umfeld für Investitionen. „Die Staatsverschuldung ist 2014 um mehr als zwei Prozentpunkte auf 42,6 % des BIP gesunken. Das Haushaltsdefizit betrug 2 %. Ein ähnliches Niveau wird für 2015 erwartet“, berichtet Partl. Hinzu kämen kräftige Investitionen. „Dank steigender Produktion investieren viele Unternehmen in neue Kapazitäten. Nach einem Plus von 4,5 % 2014 sollen die Bruttoanlageinvestitionen in diesem Jahr um über 5 % zulegen“, erläutert der Leiter der Czechinvest-Vertretung.

Tschechien bietet Unternehmen viele Investitionsanreize

Für solche Investitionen gibt es auch eine ganze Reihe von Anreizen. So ist nach Angaben von Partl eine Körperschaftsteuerbefreiung für bis zu zehn Jahre möglich. In begünstigten Industriezonen komme eine Befreiung von der Grundsteuer für fünf Jahre hinzu. An Subventionen seien für die Schaffung von Arbeitsplätzen bis zu 300.000 Tschechische Kronen (umgerechnet etwas mehr als 11.000 Euro) möglich, für Ausbildungs- und Umschulungsmaßnahmen bis zu 50 % der Ausbildungskosten. Schließlich können im Fall von strategischen Investitionen die Unternehmen materielle Subventionen für die Anschaffung von Sachanlagen erhalten. Hinzu kommt Unterstützung aus Brüssel. „Das neue Förderprogramm der EU für den Zeitraum von 2014 bis 2020 bietet ebenso Chancen. Die ersten Aufrufe für Projekte liegen in den Bereichen Umweltschutz, Energieeffizienz und Forschung. Der Tschechischen Republik stehen bis zu 24 Mrd. Euro zur Verfügung. Es werden Projekte auf dem Gebiet der Tschechischen Republik, außer in Prag, gefördert“, berichtet Partl.

Hinzu kommt ein starker Maschinenbau. Der Leiter der Czechinvest-Vertretung erläutert: „Der Maschinenbau in der Tschechischen Republik knüpft an eine mehr als 100-jährige Tradition an.“ Damit gebe es hoch gebildete und qualifizierte Arbeitskräfte, jedes Jahr machten mehr als 20.000 Absolventen der technischen Hochschulen ihre Abschlüsse. Mit den steigenden Investitionen würden zudem Forschung und Entwicklung im Sektor stark gefördert.

Maschinenbau in Tschechien auch für die Beschaffung interessant

„Mit mehr als 6700 Betrieben ist der tschechische Maschinenbau ein interessanter Beschaffungsmarkt für die meisten Branchen der verarbeitenden Industrie und andere Sektoren, wie Landwirtschaft, Verkehr, Metallproduktion, Metallurgie, Bergbau, Textil-, Papier- und Lebensmittelindustrie sowie Bauwesen“, meint Partl weiter. Der Sektor sei stark exportorientiert, circa 80 % der Produktion würden exportiert. Zudem weise die Branche über mehr als zehn Jahre eine positive Handelsbilanz auf, im Jahr 2013 seien es 21,4 Mrd. Euro gewesen. „Nach Berechnungen von Germany Trade & Invest stieg das Marktvolumen 2014 um fast 13 % auf über 5,5 Mrd. Euro“, berichtet der Leiter der Czechinvest-Vertretung.

Grund für die steigende Nachfrage sei die Konjunktur: Nach einem Zuwachs des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2 % im Jahr 2014 legte die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2015 um 4,2 % im Jahresvergleich zu (siehe MM 45/2015). „Damit war Tschechien zusammen mit Rumänien Spitzenreiter in Europa“, erläutert Partl.

Interessante Absatzchancen biete ebenso die tschechische Automobilindustrie. Der Ausbau der Produktionskapazitäten hält nach Auskunft von Partl an. Skoda zum Beispiel erweitere sein Werk in Kvasiny und wolle dort ab 2018 jährlich 280.000 Gelände- und Sportwagen fertigen. Im Zulieferbereich der Branche habe Czechinvest im Vorjahr 46 neue Investitionsprojekte vermittelt. Zuletzt habe es Projektankündigungen von Simoldes Plasticos, Saargummi, KV Final, Gumotex, Benteler und Röchling gegeben.

Impulse für die Maschinennachfrage kämen auch aus der Energiebranche. Ein zunehmender Bedarf an Maschinen bestehe in der Land- und Forstwirtschaft sowie der Bauwirtschaft. Geplant seien vor allem größere Investitionsprojekte im Ausbau der Infrastruktur.

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