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Industrie 4.0

Smartphones und Tablets als Fenster zur Produktion

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Stationäre Interaktion ist nicht ohne Weiteres „mobilisierbar“

Den Unterschied zwischen mobilen und stationären Kommunikationssystemen verdeutlichte Katharina Klobassa, Usability-Expertin bei der Abas Software AG in Karlsruhe. „Eine stationäre Interaktion kann nicht einfach auf die mobile Anwendung übertragen werden“, betonte sie. In einem stationären System sei der Benutzer an die Umgebung gebunden und bewege sich in einem statischen Umfeld – beispielsweise in einem Büro. Seine gesamte Aufmerksamkeit richte sich allein auf das System, weshalb die hier zu bewältigenden Aufgaben sehr komplex sein könnten – etwa das Erstellen und Erarbeiten von Dokumenten. Dagegen sei der Systembenutzer bei der mobilen Interaktion ortsunabhängig. Sie könne in voller Bewegung und damit weniger konzentriert in einer Dual-Tasking-Situation vollzogen werden. Das bedeute, dass die Aufgaben, die mit einer mobilen Lösung zu erfüllen sind, nicht sonderlich komplex sein dürften. Eine zielführende App-Strategie hat sich folglich mit der individuellen Erstellung von Smart Apps zu befassen. „Der Maschinenhersteller soll selbst befähigt werden, Apps zu erzeugen“, erklärte Norbert Sasse von der Bosch Rexroth AG in Lohr. Um diesen Prozess zu vereinfachen, hat sein Unternehmen das Open Core Engineering als Werkzeug entwickelt.

Entwickler sollten nicht auf ein einziges Betriebssystem setzen

Bei der Programmierung der Apps ist zu bedenken, dass die Plattformen für Tablet-Computer und Smartphones, die für Industrieprozesse unentbehrlich werden, aus dem Consumer-Bereich stammen und einem schnellen Wandel unterliegen können. Andy Walter, für die Macio GmbH in Karlsruhe als Niederlassungsleiter tätig, bestätigte diese Einschätzung: „Blackberry war mal der Platzhirsch, genauso wie Nokia mit Symbian. Innerhalb von wenigen Jahren sind die in die völlige Bedeutungslosigkeit verschwunden.“ Wenn man Zeiträume von mehr als fünf Jahren im Fokus habe, müsse man auf Wechsel vorbereitet sein. Um das abdecken zu können, sei es eine gute Strategie, möglichst unabhängig von einem einzigen Betriebssystem für mobile Geräte zu werden.

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Die heutigen Anwendungen und zukünftigen Einsatzmöglichkeiten von Smartphones, Tablets und Apps in der industriellen Produktion stehen für Dirk Gebert, Siemens AG Industry Sector, in gewissem Widerspruch zum Thema Industrial Security. „Ein Spannungsfeld stellt man dann fest, wenn es um einen konkreten Einsatz der Smart Devices im Produktionsumfeld geht.“ Die Promotoren der mobilen Geräte würden die neueste Technik zur Steuerung und Überwachung von Maschinen und Anlagen einsetzen wollen, während Skepsis bei den für die Maschinensicherheit Verantwortlichen herrsche. Gebert empfiehlt die Aktivierung mehrerer Maßnahmen, die sich als Schutzschichten um eine Anlage legten: eine Anlagen-Sicherheitsschicht, eine Netzwerk-Sicherheitsschicht und den Zugriffsschutz in den Geräten selbst. MM

* Ulrich W. Schamari ist freier Journalist in Frankfurt am Main

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