Solarenergie Solarpionier Wagner & Co. ist pleite

Redakteur: Stéphane Itasse

Nach 35 Jahren am Markt ist der Solarpionier Wagner & Co. Solartechnik GmbH, Cölbe, vorerst am Ende: Die Krise in der deutschen Solarindustrie hat jetzt auch dieses Unternehmen dazu gezwungen, Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens zu stellen, wie es in einer Mitteilung von Wagner heißt.

Anbieter zum Thema

Insbesondere bei Solarkollektoren hatte sich die Wagner & Co. Solartechnik eine führende Position erarbeitet – jetzt ist das Unternehmen insolvent.
Insbesondere bei Solarkollektoren hatte sich die Wagner & Co. Solartechnik eine führende Position erarbeitet – jetzt ist das Unternehmen insolvent.
(Bild: Wagner & Co./Sandra Christiansen)

Leider hat sich der Markt für Solarstrom- und –heizsysteme in den vergangenen Monaten nicht so positiv entwickelt, wie wir dies in unserem Sanierungskonzept angenommen hatten. Angesichts anhaltender Verluste konnte deshalb jetzt die weitere Finanzierung unseres Geschäftsbetriebs auf Basis der bestehenden Strukturen nicht mehr sichergestellt werden. Wir haben deshalb am Dienstag Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt, um die Sanierung mit den Möglichkeiten des deutschen Insolvenzrechts fortzusetzen“, begründet die Geschäftsführung den Schritt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmte das Amtsgericht Marburg laut Mitteilung den Sanierungsexperten Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner.

Zukunft von Wagner & Co. Solartechnik entscheidet sich bis Ende Juni

Plathner sei unmittelbar nach seiner Bestellung vor Ort gewesen, um erste Gespräche zu führen und sich ein Bild von der wirtschaftlichen Lage zu machen. „Die Rahmenbedingungen für eine dauerhafte Betriebsfortführung sind äußerst schwierig. Aber mit Blick auf die Produktpalette und die in der Vergangenheit bewiesene Leistungsfähigkeit von Wagner Solar gibt es auch gute Argumente, mit denen wir Geldgeber und potenzielle Investoren überzeugen können. Wir werden jedenfalls alles daran setzen, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Dazu brauchen wir jedoch vor allem die Unterstützung der Finanzierungspartner und Kunden“, fasste Plathner seine ersten Eindrücke zusammen.

Zudem seien die Mitarbeiter in einer Betriebsversammlung über die Situation informiert worden. Damit die rund 150 Mitarbeiter am Standort Cölbe keine Einkommensausfälle erleiden, habe der vorläufige Insolvenzverwalter auch bereits die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes auf den Weg gebracht. Damit seien Lohn- und Gehaltszahlungen zunächst bis Ende Juni gesichert. Bis dahin will Plathner laut Mitteilung Klarheit haben, ob und welche Möglichkeiten es gibt, Wagner Solar zu erhalten.

Die Wagner & Co. Solartechnik GmbH hatte sich bereits vor 35 Jahren daran gemacht, der Solarenergie mit Technik aus Leidenschaft zum Durchbruch zu verhelfen. Als Systemanbieter für Solaranlagen biete Wagner Solarsysteme für Privatanwender, öffentliche Einrichtungen und gewerbliche Nutzer gleichermaßen. Durch Tochterfirmen und Kooperationen sei Wagner Solar auch in Frankreich, Großbritannien, Italien, Spanien und Nordamerika aktiv. Im Bereich Solarwärme sei Wagner Solar sogar einer der führenden Kollektor-Hersteller in Europa.

Schlechtere Rahmenbedingungen und politische Unsicherheit treiben Wagner in die Pleite

Seit 2012 musste Wagner Solar jedoch wie die gesamte deutsche Solarindustrie mit einer rückläufigen Marktentwicklung vor allem bei der Photovoltaik kämpfen, wie es heißt. In der Folge seien wiederholt Sanierungsschritte unternommen worden, die auch mit Entlassungen verbunden waren. Zuletzt sei im Dezember 2013 angesichts der anhaltenden Verlustsituation ein neues Sanierungskonzept erstellt worden. Die darin festgehaltenen Parameter für die positive Fortführungsprognose seien jedoch durch die Marktentwicklung der letzten Monate und die tiefgreifende Verunsicherung bezüglich der politischen Rahmenbedingungen für die Solarstromerzeugung konterkariert worden.

„Wir sehen in einem Insolvenzverfahren mit einem erfahrenen Sanierer wie Dr. Plathner gute Chancen für einen Neustart. Ein Insolvenzverwalter hat in der gegenwärtigen Situation bessere Möglichkeiten, unser Unternehmen finanziell und strukturell neu aufzustellen als die Geschäftsführung allein. Wir sind zuversichtlich, mit ihm zusammen und mit Unterstützung unserer Kunden die aktuelle Krisensituation bewältigen zu können“, sagt Wagner-Geschäftsführer Andreas Knoch.

(ID:42662196)