Kampf dem Verderb! Soldatenfliegen machen aus Bioabfällen wertvolle Rohstoffe

Quelle: Fraunhofer-IGB 3 min Lesedauer

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Mit einer sogenannten Insektenbioraffinerie haben Fraunhofer-Forscher vom Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB) bewiesen, dass Insekten für die Kreislaufwirtschaft nutzbar sind.

Klein, schwarz, stark! Das ist die schwarze Soldatenfliege. Die kennt vielleicht kaum einer beim Namen, aber deren Larven fressen Bioabfälle und machen daraus wertvolle Rohstoffe für die Chemieindustrie. Hier erklären Forscher aus Stuttgart, was das bringen kann ...(Bild:  Fly Fan)
Klein, schwarz, stark! Das ist die schwarze Soldatenfliege. Die kennt vielleicht kaum einer beim Namen, aber deren Larven fressen Bioabfälle und machen daraus wertvolle Rohstoffe für die Chemieindustrie. Hier erklären Forscher aus Stuttgart, was das bringen kann ...
(Bild: Fly Fan)

Wohin mit überlagerten Lebensmitteln und Bioabfällen aus Gastronomie und Biotonne, fragten sich die Forscher vom IGB? Klar war, dass nicht alles einfach nur als Biomüll entsorgt und/oder kompostiert werden muss. Was für den Verzehr nicht mehr taugt, lässt sich nämlich trotzdem sinnvoll als Ressource nutzen, wie es heißt. Möglich machen es die Larven der Schwarzen Soldatenfliege. Denn sie vertilgen die Abfälle nicht einfach nur! Nein, sie produzieren bei ihrem Wachstum Wertstoffe, die für die Industrie interessant sind. Das sind etwa Proteine, Fette oder Chitin, aus denen Folgeprodukte hergestellt werden können. Am IGB in Stuttgart wurde im Rahmen des Projekts „InBiRa“ innnerhalb von drei Jahren erstmals eine Insektenbioraffinerie aufgebaut, um die Mast, Verarbeitung und Verwertung der Insekten im Pilotmaßstab zu erforschen.

Insektenfett stoppt Ausbeutung der Tropen

Am 21. Oktober 2024 luden die Stuttgarter dann endlich alle Projektpartner und Vertreter aus der Politik sowie potenzielle Anwender − etwa aus der Abfallwirtschaft − zur Abschlusskonferenz ein. Am Institut gabe es nicht nur einen Überblick über die Projekterfolge, sondern es war auch die Pilotanlage zu bestaunen. Das Fazit der Projektleiterin Dr.-Ing. Susanne Zibek: „Mit unserer Insektenbioraffinerie können wir überlagerte Lebensmittel und Bioabfälle als Rohstoff für hochwertige technische Produkte nutzen und damit erstmals eine heimische Quelle für kurzkettige Fette erschließen.“ Diese Fette können nach ihren Erkenntnissen dann in vielen Anwendungen Fettsorten aus den Tropen ersetzen.

So funktioniert eine Bioraffinerie mit Insekten:

Im Rahmen der Konferenz ging Zibek insbesondere auf die Komplexität der aufgebauten Pilotanlage ein. Grundsätzlich, erklärte sie, ähnelt das Prinzip einer Bioraffinerie dem einer klassischen Erdölraffinerie. Denn auch in der Bioraffinerie wird ein Rohstoff mit komplexer Zusammensetzung in seine einzelnen chemischen Bestandteile zerlegt. In der mit Soldatenfliegenlarven betriebenen Anlage werden, wie gesagt, alle benötigten Prozessschritte bisher im Pilotmaßstab abgebildet. Das beginnt bei der Mast der Larven (dem Farming), erstreckt sich über die Trennung der Fett- und Proteinfraktion (Primärraffination) und reicht bis zu deren Umwandlung zu den jeweils gewünschten Zwischenprodukten (Sekundärraffination).

Insektoide Mini-Chemiefabriken mit viel Potenzial

Konkret entstehen am Ende chemische Grundstoffe – sogenannte Plattformchemikalien. Diese können für Kraftstoffe, Kosmetika, Reinigungsmittel, Kunststoffe oder auch Pflanzendünger verwendet werden, wie es weiter heißt. Die Liste der möglichen Endanwendungen sei aber viel länger. Die Insektenbioraffinerie birgt also nach Ansicht der am Projekt beteiligten ein enormes Potenzial für die erfolgreiche Transformation hin zu einer kreislaufbasierten Bioökonomie, wie sie etwa in der Landesstrategie „Nachhaltige Bioökonomie Baden-Württemberg“ angestrebt wird. Das Umweltministerium Baden-Württemberg förderte deshalb nicht zuletzt den Aufbau der „InBiRa“-Anlage am Fraunhofer-IGB mit Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), die im Rahmen des EFRE-Programms „Bioökonomie – Bioraffinerien zur Gewinnung von Rohstoffen aus Abfall und Abwasser – Bio-Ab-Cycling“ vergeben wurden. Den Teilnehmern an der Abschlusskonferenz war demnach bald klar, dass so eine Art der Kreislaufwirtschaft schnell den Weg in die Praxis finden wird. Allerdings müssen auch noch regulatorische Aspekte diskutiert werden.

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