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Entgraten

Spezielle Verfahren rücken auch schwierigen Graten zu Leibe

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Neben dem Entgraten kann man laut Matt das AFM-Verfahren auch zum Polieren und Kantenverrunden nutzen. Dadurch ließen sich Festigkeit und Performance der Werkstücke, beispielsweise hydraulischer Bauteile, erhöhen. Eine Weiterentwicklung des AFM-Verfahrens hat Kennametal Extrude Hone Microflow genannt: Der gleiche Prozess kann mit einem Medium geringerer Viskosität dazu dienen, bei hydraulischen Bauteilen einen definierten Durchflusswert einzustellen. Im Vergleich zum hydroerosiven Verrunden (HE-Verrunden) bietet das Microflow-Verfahren nach Angaben von Matt einige Vorteile, darunter eine gleichmäßigere Verrundung, ein tieferes Eindringen in das Lochinnere und ein geringeres Risiko für eine Konturdeformation. Dies liege daran, dass beim HE-Verrunden das Korn ungebunden und damit ohne Kraft im Medium sei – im Gegensatz zum Microflow-Verfahren.

Hochdruckwasserstrahlentgraten entfernt auch eingeklemmte Späne

Eine andere Möglichkeit, schwierigen Graten beizukommen, stellte Dieter Vincenz von Dürr Ecoclean in Monschau vor: das Hochdruckwasserstrahlentgraten. Es eigne sich für die Entgratung von Flittergraten, das heißt, wenn nur die Gratfahne, aber kein Wurzelgrat entfernt werden muss. Gut eigne es sich bei Bohrungsverschneidungen und wenn eingeklemmte Späne in Kanälen beziehungsweise Gewindebohrungen zu entfernen seien. Zum Zug komme das Hochdruckwasserstrahlentgraten, wenn andere Entgratverfahren wegen höherer Kosten ausschieden und wenn es klassifizierte Restschmutzanforderungen in µm gebe.

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Um zu prüfen, ob sich das Hochdruckwasserstrahlentgraten für eine bestimmte Aufgabe eignet, verwenden Vincenz und seine Kollegen einen einfachen Trick: „Wir setzen einen Druckbleistift bei einer ausgefahrenen Mine von 10 mm im Winkel von 30 bis 60°, so als ob man schreiben wolle, auf den entsprechenden Grat. Bricht der Grat, gilt er als leicht anhaftend und könnte somit zu Störungen führen. Bricht die Mine, wofür Scherkräfte im Bereich bis zu 5 N notwendig sind, wird der Grat als nicht leicht anhaftend angesehen.“

Die Stärken des Hochdruckwasserstrahlentgratens sieht Vincenz in der Möglichkeit zu einer universellen oder gezielten Bearbeitung, der Chance, auch eingeklemmte Späne zu entfernen, der Kreislaufführung des Prozessmediums, dem ausgeschalteten Risiko einer Werkstückverformung und der Möglichkeit, durch Additive im Wasserstrahl gleichzeitig für einen Korrosionsschutz zu sorgen.

Hochdruckwasserstrahlentgraten alleine sichert keine garantierte Bauteilsauberkeit

Ein Nachteil des Verfahrens sei, dass es keine garantierte Bauteilsauberkeit ohne Nachreinigung biete. Außerdem sei keine definierte Kantenverrundung möglich und es ließen sich immer nur Einzelwerkstücke bearbeiten. Ebenso sei der hohe Schallpegel störend. Auch die Energieintensität sei relativ hoch. „Allerdings konnte der Energieverbrauch durch Wärmerückgewinnung und bessere Prozesse in den vergangenen fünf bis acht Jahren auf ein Viertel reduziert werden“, berichtete Vincenz. Weitere Verbesserungspotenziale für die Energieeffizienz sieht er durch Hybriddüsen und pulsierende Werkzeuge. Nicht unerwähnt ließ er auch die Risiken des Hochdruckwasserstrahlentgratens: Schaumbildung, Bakterien sowie Werkzeug- und Pumpenverschleiß durch Kavitation und abrasive Partikel.

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