IT-Konsolidierung Standardisierung der IT-Infrastruktur legt Basis für weiteres Unternehmenswachstum
Zweistellige Wachstumsraten sind seit Jahren Kennzeichen der Wittenstein AG. Allerdings war die EDV des Antriebstechnik-Spezialisten der Expansion nicht mehr gewachsen. So entschloss man sich, das Mischsystem auf eine einheitliche Microsoft-Plattform und Active Directory umzustellen. Dadurch konnten die Administrationskosten gesenkt und neue Reserven geschaffen werden.
Anbieter zum Thema
Mit mehr als 48 Mio. Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2006/2007 und rund 1250 Mitarbeitern ist die Wittenstein AG äußerst erfolgreich. Das Unternehmen produziert spielarme Planetengetriebe, elektromechanische Antriebssysteme sowie AC-Servosysteme und -motoren. In den letzten Jahren ist die Gruppe rasant gewachsen und musste aus Platzgründen mehrfach erweitern.
Ein so starkes Wachstum, wie es Wittenstein in den vergangenen Jahren vorgelegt hat, erfordert eine flexible, gut skalierbare IT-Infrastruktur. Darin bestand die Herausforderung, denn bei Wittenstein waren mehrere Systeme parallel im Einsatz.
Unterschiedliche Software-Systeme im Unternehmen
Das Dateisystem lief unter Novell Netware 5.1. Dazu verfügte das Unternnehmen über ein Mailsystem, das auf dem Suse-Linux E-Mail-Server 3.1 basierte. Gleichzeitig gab es noch eine eigene Groupware-Lösung für den Vorstand des Igersheimer Antriebstechnik-Spezialisten.
Auf den Client-PCs wiederum waren teilweise ältere Windows-Versionen aus der 9x-Zeit installiert, die verwendeten Office-Versionen variierten von Microsoft Office 97 bis Office 2003.
Für Steffen Grünewald, Teamleiter IT-Clientmanagement, und die etwa 25 Mitarbeiter starke EDV-Abteilung von Wittenstein bedeutete dieser Mix einen enormen Aufwand bei Administration, Betrieb und Support der Systeme. Die zusammengewürfelten IT-Strukturen trugen nicht mehr zum Unternehmenswachstum bei. Mit dem vorhandenen Mischsystem waren die Geschäftsziele für die kommenden fünf bis sieben Jahre nicht zu erreichen.
Gemeinsam mit der CSS GmbH, einem Microsoft Gold Certified Partner aus der Region, entwickelte die IT-Abteilung eine Lösungsstrategie. Die EDV-Experten kamen einhellig zu dem Schluss, dass eine Homogenisierung der IT-Landschaft mit Microsoft-Technologien sowie der Einsatz von Active Directory Service erforderlich seien, damit die EDV das Firmenwachstum auch weiterhin effizient begleiten könnte.
Verzeichnisdienst verwaltet Ressourcen im Netzwerk
Active Directory ist seit Microsoft Windows 2000 Server Bestandteil der Serverbetriebssysteme von Microsoft. Der Verzeichnisdienst verwaltet in seiner Datenbank die Benutzer, Computer und anderen Objekte in einem Netzwerk. Mit Active Directory ist es möglich, sämtliche Ressourcen im Netz zentral zu administrieren und beispielsweise auch eine einheitliche Benutzerverwaltung zu schaffen.
Auf diese Weise gibt es für die Administratoren nur eine einheitliche Verwaltungsumgebung, in der sie alle wichtigen Vorgänge in ihrem Netzwerk überwachen und steuern können. Das ist deutlich effektiver als die Administration mehrerer parallel laufender Insellösungen.
Die Mischumgebung aus Windows, Novell und Linux hatte bei Wittenstein jedoch auch andere Probleme verursacht, die der EDV-Abteilung und den Benutzern das Leben schwer machten. So lief die Anmeldung am System über den Windows-Client von Novell. Das hatte den Nachteil, dass die User bei verschiedenen Log-ins vier oder fünf Mal ihre Daten eingeben mussten.
Der Netzwerk-Software von Novell fehlten die erforderlichen Schnittstellen
Zudem hat man bei Wittenstein vorausschauend geplant und mittelfristig als Ziel angepeilt, eine zentrale EDV-Verwaltung für alle weltweiten Standorte zu schaffen. Die Mitarbeiter sollen damit von überall auf zentrale Ressourcen wie Microsoft Sharepoint Server zugreifen können. In Novell Netware waren die dafür erforderlichen Schnittstellen jedoch nicht vorhanden.
Um die Probleme mit den konkurrierenden E-Mail- und Groupware-Systemen zu lösen, implementierte Wittenstein den Microsoft Exchange Server 2003 im Sinne einer einheitlichen Plattformstrategie. Nach Berechnungen der Wittenstein-EDV-Abteilung hat sich die Investition in die Microsoft-Technologie innerhalb etwa eines Jahres bezahlt gemacht.
Die Überlegung, die EDV bei der Wittenstein AG auf einer einheitlichen Novell-Plattform aufzubauen, wurde rasch verworfen. Abgesehen von fehlenden Schnittstellen, gab es noch weitere Herausforderungen: So sind gute Spezialisten für Novell rar, ist man bei CSS überzeugt, wo die strategischen Novell-Betätigungen bereits seit Längerem eingestellt und nicht weiterentwickelt wurden.
Rund 300 Computer komplett ausgetauscht
Die Planung für die Migration von Novell auf Windows nahm etwa drei bis vier Monate in Anspruch. Die Umsetzung selbst geschah mit Unterstützung von CSS innerhalb eines Monats. Um die umfangreichen Datenbestände auf den Novell-Servern – 1,5 Terabyte mit über 6000 Gruppenberechtigungen – auf Microsoft Windows Server 2003 zu migrieren, entwickelte CSS in Zusammenarbeit mit dem EVD-Bereich von Wittenstein VBS-Skripts. Diese Skripts bildeten die vorhandene Ordnerstruktur mit ihren Berechtigungen in Active Directory nach.
Zudem wurden im Zuge der Umstellung circa 300 PCs komplett ausgetauscht und sämtliche Clients auf Windows XP Professional und Microsoft Office 2003 umgestellt. Nach Abschluss des Projekts hat Microsoft Consulting die Lösung überprüft und abgenommen.
Die Investitionen haben sich innerhalb kürzester Zeit amortisiert, denn die Homogenisierung bringt beträchtliche Vorteile. Laut Wittenstein-IT hat sich die Investition innerhalb etwa eines Jahres bezahlt gemacht.
Administrations-Aufwand der IT um 70% reduziert
Wichtiger als die finanziellen Vorteile war jedoch, dass die EDV-Abteilung die Basis für das weitere Wachstum des Unternehmens gelegt hat. So ist die IT-Abteilung heute in der Lage, mit den vorhandenen Mitarbeitern mehr Arbeitsplätze zu betreuen. Der administrative Aufwand hat sich um etwa 70% reduziert. Zurückzuführen ist das vor allem auf die Benutzerverwaltung in Active Directory, die mit ihrem Gruppenkonzept dem Novell-System überlegen ist.
Gleichzeitig ergaben sich durch die verbesserte Redundanzauslegung des Microsoft-Systems Vorteile für die Datensicherung und -speicherung. Und statt sich für die Nutzung der verschiedenen internen Netzwerkdienste jedes Mal wieder neu zu authentifizieren, können die Mitarbeiter nun nach einer einzigen Anmeldung an Active Directory auf sämtliche für sie freigegebenen Netzwerkressourcen zugreifen. Derzeit plant man bei Wittenstein bereits den nächsten Schritt: die Umstellung auf Microsoft Windows Server 2008, Windows Vista und 2007 Microsoft Office System.
Andreas Hartl ist Leiter Plattform-Strategie bei der Microsoft Deutschland GmbH; Roland Freist ist freier Autor in München.
Artikelfiles und Artikellinks
(ID:242343)