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Stanzen

Stanzteile-Abtransport einfach revolutioniert

| Autor / Redakteur: Maj-Britt Hahn / Stéphane Itasse

So einfach funktioniert Picsy: Drückt die obere Einheit auf die Zahnstange in der unteren Einheit, lässt dies eine an der unteren Einheit montierte Abfallrutsche nach vorne fahren.
So einfach funktioniert Picsy: Drückt die obere Einheit auf die Zahnstange in der unteren Einheit, lässt dies eine an der unteren Einheit montierte Abfallrutsche nach vorne fahren. (Bild: Dayton Progress)

Für einen effizienten Stanzprozess ist nicht nur das Trennen des Materials wichtig. Eine ähnlich wichtige Herausforderung ist es, Gutteile und Abfälle im Produktionstakt abzutransportieren. Ein neuartiges Transportsystem für diesen Zweck arbeitet verblüffend einfach und dadurch sehr zuverlässig.

Bei jedem Hub einer Presse greifen tausende kleiner und großer Komponenten ineinander. Viele einzelne, aufeinander abgestimmte Abläufe finden statt und alles muss reibungslos funktionieren. Einer dieser Abläufe ist der Abtransport von Stanzabfällen oder kleineren Gutteilen. Bei modernen Großraumpressen passiert dies mittels Abfallschächten, die unter der eigentlichen Werkhalle liegen.

Aber besonders bei älteren und kleinere Pressen besteht diese Möglichkeit nicht. Hier muss eine andere Lösung her. Diese sind durchaus zahlreich: beispielsweise Verblasen der Teile mittels Luftstrom oder pneumatisch beziehungsweise elektrisch angetriebene, rüttelnde Abfallrutschen. Sie alle haben jedoch eines gemeinsam: Immer wird externe Energie, Strom oder Luft benötigt. Hinzu kommt Platz für die Verkabelung oder Verschlauchung. Dies ist nicht nur wartungsintensiv, sondern einer der Faktoren, die einen Werkzeugwechsel zeitaufwendig und kompliziert machen.

Pressenbewegung bestimmt auch Geschwindigkeit des Abtransports

Nun stellt sich die Frage nach einer anderen Möglichkeit. Wie können Teile in derselben Geschwindigkeit abtransportiert werden, in der die Presse sie produziert, ohne die eben beschriebenen Nachteile? Die Antwort ist so einfach wie genial: man nutzt die Bewegung der Presse und überträgt sie auf eine eigene Apparatur. Genau dies tut Misumi mit ihrer Einheit Picsy. Das Produkt ist eine Neuheit auf dem europäischen Markt und steht für Press work of metal Innovation Conveyor System; was übersetzt so viel heißt wie „innovatives Fördersystem für gepresstes Metall“. Vorgestellt wurde Picsy erstmals in Stuttgart auf der Blechexpo 2015 von Dayton Progress und Misumi.

„Picsy ist eine durch das Stanzwerkzeug mitbetriebene Einheit zum Antrieb von Abfallrutschen.“ So lautet die offizielle Funktionsbeschreibung des Produktes. Fährt die Presse zu, wird diese vertikale Bewegung in die Horizontale konvertiert. Eine ähnliche Technik kennt man von Keilnormschiebern. Dabei drückt die obere Einheit auf das Ende einer Zahnstange in der unteren Einheit, die die vertikale Kraft über ein Zahnrad auf eine horizontale Zahnstange überträgt. Dies lässt eine an der unteren Einheit montierte Abfallrutsche nach vorne fahren. Am Totpunkt der Einheit wird ein Mechanismus gelöst und zwei starke Zugfedern lassen die horizontale Zahnstange samt Abfallrutsche zurückschnellen. Durch das Trägheitsprinzip, ähnlich einem schnell unter Gläsern weggezogenem Tischtuch, bleiben dabei die Abfall- oder Gutteile liegen und werden beim nächsten Zufahren der Presse um den jeweiligen Vorschub der Einheit weitertransportiert.

Transportsystem lässt sich auch nachträglich einbauen

Hier zeigt sich ein weiterer Vorteil von Picsy: durch die Hubfolge wandern die Teile nach und nach kontrolliert nach vorne. Somit reicht es, wenn die Rutsche eine Neigung von mindestens 5° aufweist.

Am einfachsten ist es natürlich, wenn Picsy von Beginn an mit einkonstruiert wird. Durch die kompakte Bauweise und den Wegfall externer Energiequellen ist eine nachträgliche Montage der Einheit aber auch möglich. Alle Ausführungen (Square M, Square L, S Type) bestehen aus einer oberen und einer unteren Einheit, sowie aus zwei Halterungen zur Befestigung der Abfallrutsche. Die obere Einheit wird an das Werkzeugoberteil montiert und die untere Einheit an das Werkzeugunterteil. Somit bewegt sich die obere Einheit beim Zusammenfahren der Presse nach unten und löst den Mechanismus aus.

Picsy kann bei allen Werkzeugtypen, ob Folgeverbund-, Transferwerkzeugen oder Stufensätzen sowie Fertigteilen aller Größen eingesetzt werden. Dabei besteht eine Limitierung lediglich bei Größe und Gewicht der abzutransportierenden Teile. Inklusive Rutsche darf es nicht mehr als 6 kg pro Einheit betragen Werden zwei oder mehr Einheiten parallel eingesetzt, summieren sich die Kräfte der Einheiten und verschieben diese Grenze proportional zur Anzahl nach oben. Picsy ist in vier Ausführungen erhältlich und je nach Ausführung ist ein Einsatz bei bis zu 70 mm Hub möglich.

* Maj-Britt Hahn ist Marketingleiterin bei der Dayton Progress GmbH in 61440 Oberursel

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