Umformtechnik Stanzteile exakt kalkuliert
Die Deckungsbeitragsrechnung als Rezept zur Gewinnoptimierung im Stanzbetrieb.
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Zahlreiche Betriebe der Stanz- und Umformtechnik leiden unter dem Preisdruck ihrer Kunden. Denn mehr und mehr verlangen diese eine Offenlegung der Kalkulationen, um direkte Preisvergleiche anstellen zu können oder nach den Möglichkeiten zur Kostensenkung zu forschen. Wer dabei als Zulieferer mithalten will, muss transparente Kalkulationsmethoden anwenden, die Aufschluss darüber geben, wie sich die Teilekosten zusammensetzen und welche Produkte letztendlich Gewinne oder Verluste abwerfen.„Warum sind wir immer zu teuer?“ Oder: „Können wir denn nun die vorgegebenen Preise akzeptieren, oder nicht?“ Mit diesen Fragen werden die Kalkulatoren zunehmend konfrontiert, denn kaum ein Zulieferbetrieb findet bei seinen Kunden in der ersten Angebotsphase die gewünschte Preisakzeptanz. In der Ära des „Global Sourcing“ ist dies auch nicht verwunderlich, da immer mehr Einkäufer ihre Anfragen weltweit streuen und daher nicht selten niedrige Angebotspreise einholen.Andererseits wenden die einzelnen Anbieter recht unterschiedliche Kalkulationsmethoden an, die ebenso zu teilweise erheblichen Preisunterschieden führen können.Diese Preisvielfalt hat die Einkaufsverantwortlichen dazu gebracht, mit Hilfe ausgefeilter Fragebogen die Angebote ihrer Zulieferer in Kostenblöcke zu zerlegen und diese genauestens zu analysieren.Kalkulationsmethodik ist oft entscheidendObwohl den Kalkulatoren der Anbieterseite längst bekannt sein dürfte, dass die althergebrachte „Zuschlagskalkulation auf Vollkostenbasis“ längst überholt ist, wird sie dennoch in zahlreichen Betrieben immer noch angewandt. Mit oft fatalen Folgen!So werden beispielsweise lukrative Aufträge abgelehnt, oder Produkte aus dem Lieferprogramm eliminiert, weil der nach der Zuschlagskalkulation ermittelte „Kalkulatorische Gewinn“ offensichtlich nicht ausreicht.Bei Anwendung der Deckungsbeitragskalkulation wären die Aufträge vielleicht als „gewinnsteigernd“ angenommen worden!Das in diesem Aufsatz vereinfacht dargestellte Schema verdeutlicht den unterschiedlichen Rechenansatz zwischen der klassischen Zuschlagskalkulation und der moderneren Deckungsbeitragsrechnung. Nach dem zuerst dargestellten Kalkulationsverfahren der Vollkostenkalkulation (Formel: Fixe + variable Kosten = Selbstkosten) scheint Produkt „B“ den höchsten „kalkulierten“ Gewinn zu bringen:Das nachfolgende Schema zeigt ein anderes Ergebnis: Nach dem Prinzip der Deckungsbeitragsrechnung (Formel: Verkaufspreis abzüglich variable Kosten) wird dagegen das Produkt „C“ als gewinnbringender eingestuft!Bei der Deckungsbeitragskalkulation kommt es entscheidend darauf an, in welchem Zeitraum die Deckungsbeiträge erwirtschaftet werden. Nachhaltiger Gewinn ist nur dann zu erzielen, wenn die Summe aller Deckungsbeiträge letztendlich die in der Zeitperiode anfallende Fixkostensumme übersteigt.TrumpfInfolgedessen muss der Kalkulator auch die Fertigungszeiten für den Auftrag berücksichtigen und innerhalb der Deckungsbeitragsrechnung als „Engpassfakor“ ansehen. Die relative Deckungsbeitragsrechnung kommt bei diesem Beispiel zu dem Ergebnis, dass in Relation zum Zeitaufwand der Artikel „A“ den höchsten Gewinnbeitrag erzielt .Das von der Peter Thielen Unternehmensberatung in Zusammenarbeit mit den Institut für Umformtechnik in Lüdenscheid entwickelte Kalkulationsprogramm Calcsta, das speziell auf die Stanz- und Umformtechnik zugeschnitten ist, ermöglicht die parallele Anwendung beider Kalkulationsmethoden. So werden darin in einer Spalte die Stückkosten nach der klassischen Zuschlagskalkulation zu Vollkosten dargestellt, in der Spalte direkt daneben nach dem Schema der Deckungsbeitragsrechnung die Stückkosten zu Teilkosten (Direktkosten) aufgeführt.Mit dem BAB Kostensätze ermittelnDie Anwendung der Zuschlagskalkulation eignet sich für eine erste Preisfindung, wenn dem Kalkulator kein Ziel- oder Marktpreis vorgegeben ist. Der in der Deckungsbeitragsrechnung erfahrene Kalkulator wird bei der Preisermittlung beide Kalkulationsverfahren dann ins Kalkül ziehen, wenn er unter Preisdruck steht und eine Entscheidung über die Annahme oder Ablehnung eines Auftrages fällen muss. In der Praxis hat sich in den letzten Jahren ein allgemein gültiges Schema entwickelt: die konsequente Trennung der auftragsunabhängigen von den auftragsbezogenen Kosten. Diese Kostenaufspaltung setzt jedoch eine grundlegende Kenntnis der betrieblichen Kostenstrukturen voraus. Zu den auftragsabhängigen Kosten werden in erster Linie die Materialkosten, die direkten Personalkosten, die Kosten für Energie, Verschleiß und Instandhaltung gerechnet. Die Kosten für Zinsen, kalkulatorische Abschreibungen, Raumkosten, Versicherungen und Verwaltungsaufwand werden dem auftragsunabhängigen Kostenblock, den Fixkosten, zugeordnet.Die für die verschiedenen Kalkulationsverfahren nötigen Stunden- und Zuschlagssätze können mit Hilfe eines Betriebsabrechnungsbogens (BAB) getrennt nach Vollkosten und beschäftigungsabhängigen Kosten (Direktkosten) ermittelt werden. Für die im BAB stattfindende innerbetriebliche Leistungsverrechnung müssen verursachungsgerechte Verrechnungsschlüssel für die Kostenumlage gebildet werden. Diese notwendige Prozedur verdeutlicht die Problematik einer absolut gerechten Vollkostenrechnung.Strukturierter Arbeitsplan als KalkulationsbasisGrundlage einer reproduzierbaren Kalkulation ist ein übersichtlich strukturierter Arbeitsplan, der außer der Arbeitsgangfolge auch die genauen Fertigungszeiten aufzeigt. Die durch den Arbeitsplan ermittelte Auftragszeit (T) dient auch als Äquivalent für die Ermittlung der zeitbezogenen Deckungsbeiträge, beispielsweise als Deckungsbeitrag pro Fertigungsstunde oder als Gesamtdeckungsbeitragsumme pro Jahr. Direkt neben den Arbeitsgängen werden die jeweiligen Voll- und die Direktkosten (variable Kosten) parallel nebeneinander gestellt (Bild 1).Der Anteil der Materialkosten kann bei fertig fallenden Teilen schnell 60 bis 80% des Verkaufpreises ausmachen. Derartig hohe Materialanteile setzen eine absolut präzise Ermittlung des Materialeinsatzes und der Verrechnung des Schrottanteils voraus. Das Kalkulationsprogramm Calcsta berücksichtigt automatisch auch den Bandabfall, der sich aus dem inneren und äußeren Ringdurchmesser berechnet.Zugekaufte Teile oder Arbeitsleistungen werden übersichtlich dargestellt und können mit differenzierten Gemeinkostenzuschlägen und direkten Bezugskosten beaufschlagt werden. Bei der in Calcsta angewandten Zuschlagskalkulation werden die Gemeinkosten bewusst auf die Fertigungs- und nicht auf die Herstellkosten aufgeschlagen, um ungerechtfertigte Preisverzerrungen bei schwankenden Materialpreisen zu vermeiden.Prozesskosten präzisieren KalkulationDie auf Microsoft-Access basierende Kalkulationsdatenbank Calcsta ermöglicht dem Kalkulator, anstelle der oft zur Preisverzerrung führenden Gemeinkostenzuschläge einfache „Prozesskosten-Pauschalen“ einzusetzen. Auf Knopfdruck können alle erstellten Kalkulationen nach verschiedenen Kriterien, wie zum Beispiel nach Umsatzgröße, Deckungsbeitrag pro Fertigungsstunde und Jahr, gefiltert werden.Das verschafft dem Kalkulator die notwendige Kostentransparenz für seine preispolitischen Entscheidungen in hart umkämpften Absatzmärkten. Insbesondere dann, wenn der Betrieb über freie Produktionskapazitäten verfügt, ist die Deckungsbeitragsrechnung der klassischen Zuschlagskalkulation vorzuziehen. Das ist eine wichtige Voraussetzung, soll der Unternehmensgewinn gesteigert werden.