Staplerkonstruktion Stapler-Produktionsprogramm verbindet Umweltschutz mit Wirtschaftlichkeit

Autor / Redakteur: Alexander Reising / Volker Unruh

Mit einem speziellen Produktionsprogramm soll der Schutz von Mensch und Umwelt mit einem wirtschaftlichen Staplereinsatz vereinigt werden. Und das nicht nur, weil eine saubere Umgebung und gesunde, motivierte Mitarbeiter im Interesse aller sind, sondern auch, weil der innerbetriebliche Materialfluss auf diese Weise effizienter werden kann.

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Mit dem Programm Puremotion startete der Flurförderzeughersteller Linde MH aus Aschaffenburg den Versuch, alle Aktivitäten des Unternehmens, die auf den Schutz von Mensch und Umwelt hinzielen, zusammenzutragen. Ob im Einkauf, in Fahrzeugentwicklung und -versuch, in der Produktion oder im Service – für alle Bereiche galt es zunächst, Fakten zu sammeln

Im Anschluss daran werden drei entscheidende Fragen beantwortet: Erstens, wie profitiert der Mensch davon? Zweitens, welcher Nutzen ergibt sich für die Umwelt? Und drittens, welche wirtschaftlichen Vorteile erzielt der Betreiber?

Ein Beispiel ist die Qualität. Nur wenn die Produkte den wachsenden Qualitätsanforderungen entsprechen, sind die Kunden zufrieden und investieren wieder in diese Marke.

Dabei kommt den Staplern und Lagertechnikfahrzeugen im innerbetrieblichen Materialfluss oft eine Schlüsselfunktion zu: Produktion oder Versand geraten leicht ins Stocken, wenn ein Stapler ausfällt. Mit qualitativ hochwertigen Fahrzeugen sichert sich der Betreiber hingegen einen zuverlässigen Betriebsablauf und geringere Betriebskosten.

Nur ein durchgängiger Prozess sichert Qualität

Doch wie wird höchstmögliche Qualität erreicht? Entscheidend ist, dass die Produktqualität nicht isoliert, sondern als durchgängiger Prozess verstanden wird, der von der Fahrzeugentwicklung über eine Null-Fehler-Produktion bis hin zur konsequenten Umsetzung von Rückmeldungen aus dem Markt verstanden wird. Das Qualitätsverständnis liegt allen Prozessen im Unternehmen zugrunde. In jedem Arbeitsschritt wird Qualität als höchstmögliche Annäherung an Perfektion verstanden.

Daher stellt Linde sicher, dass alle Glieder der Prozesskette zuverlässig erfasst werden. An jeder Stelle der Prozesskette wird die Produktqualität überprüft und so die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht.

Aber wie funktioniert die Qualitätssicherung bei Linde im Einzelnen? Ein Beispiel sind die sogenannten Quality Gates entlang der Fahrzeugmontage von Werk 2 in Aschaffenburg. Wurde ein fertig montiertes Fahrzeug früher erst nach dem vollständigen Zusammenbau an verschiedenen Prüfständen auf Herz und Nieren untersucht, befinden sich heute an allen drei Hauptmontagelinien – dies sind das Backend-Band, das Fahrerschutzdach/Rahmen-Band und das Hochzeitsband – Qualitätsprüfungen (Bild 1 – siehe Bildergalerie).

Stapler-Komponenten bei früher Qualitätskontrolle besser zugänglich

Dieses schrittweise Vorgehen hat den Vorteil, dass die Komponenten zum Kontrollzeitpunkt noch gut zugänglich sind (Bild 2). Eventuelle Qualitätsabweichungen lassen sich mit geringem Aufwand beheben.

Eine 100-prozentige Funktionsprüfung jedes Gabelstaplers am Ende der Montage gibt es aber nach wie vor. Die Qualitätsbestätigungen an den einzelnen Montagebändern folgen festen Prüfabläufen und -inhalten und profitieren von der räumlichen Nähe zum Band.

Ein Beispiel sind die Arbeitsscheinwerfer (Bild 3). Sie werden mit elektrischen Komponenten am Quality-Gate des Fahrerschutzdach/Rahmen-Bandes geprüft. Wird eine Abweichung festgestellt, wird diese sofort behoben und es erfolgt eine unverzügliche Kommunikation an die Kollegen am Band. So wird Qualität nicht geprüft, sondern produziert.

Gute Produktionsqualität minimiert Kinderkrankheiten der Stapler

Soweit die Fakten. Doch welche Vorteile ergeben sich dadurch für Mensch, Umwelt und Wirtschaftlichkeit? Für den Fahrer macht sich das Plus an Qualität durch geringere Ausfallzeiten des Staplers und eine längere Lebensdauer positiv bemerkbar.

Zudem wird eine hohe Right-First-Time-Quote realisiert. Das heißt, dass sogenannte Kinderkrankheiten der Stapler und Lagertechnikgeräte minimiert werden. Häufige Besuche des Servicetechnikers zu Beginn des Serienstarts sind daher nicht nötig.

Bessere Qualität heißt aber auch: besserer Schutz der Umwelt. Gibt es weniger Ausfälle und verschleißen die Bauteile langsamer, werden weniger Ersatzteile benötigt und der Ressourcenverbrauch sinkt.

Qualität macht Stapler wirtschaftlicher

Natürlich wirken sich alle genannten Effekte zugunsten eine höheren Wirtschaftlichkeit der Stapler aus. Häufige Staplerausfälle machen den vermeintlichen Vorteil eines günstige Anschaffungspreises schnell zunichte. Außerdem haben Qualitätsstapler einen höheren Wiederverkaufswert.

Außer dem Unternehmensbereich Qualität bildet die Staplerentwicklung einen Schwerpunkt im Puremotion-Programm. Denn Innovationen bilden die wichtigste Stellschraube bei der Zielsetzung, den Fahrer und die Umwelt so wenig wie möglich zu belasten.

Ein Beispiel für diese Verbesserungen ist die wartungsfreie, gekapselte Antriebsachse (Bild 4) der Linde-Elektrostapler E12 bis E20. In dem Kompaktantrieb sind alle wesentlichen Leistungsteile der Staplersteuerung sowie Fahr- und Hubmotoren integriert. Vorteil: Die kürzeren Zuleitungen reduzieren Energieverluste und sorgen für eine exzellente elektromagnetische Verträglichkeit.

Elektrostapler arbeiten energieeffizient

Um auch bei hohen Umgebungstemperaturen höchste Fahr- und Hubleistungen zu erbringen, verfügt die Achse über ein Kühlsystem mit vier Kühlmotoren, die bedarfsgesteuert arbeiten und einer Leistungsreduzierung sicher vorbeugen. Zusammen mit weiteren Verbesserungen wie der exakten Batterieentladeanzeige lassen sich zum Teil hohe Energieeinsparungen realisieren.

Mit der Entladeanzeige wird zudem erreicht, dass die Energie komplett genutzt werden kann. Das genaue Wissen über die Batterie verlängert ihre Lebensdauer.

Umweltschutz wird nicht durch Einzelmaßnahmen erreicht

Für den Aspekt Umweltschutz ergibt sich aus der neuen Konstruktion:

  • weniger Komponenten
  • geringerer Ressourcenverbrauch
  • weniger Energieverbrauch
  • längere Lebensdauer von Komponenten und Staplern

Doch auch den zweiten Puremotion-Aspekt bedient die Konstruktion: So wird der Fahrer durch den niedrigen Einstieg, die große Kopffreiheit, den vergrößerten Fußraum, die breite Kabine sowie intuitiv gestaltete Bedienelemente, wie beispielsweise die elektronische Ansteuerung des Hubmastes über leichtgängige Steuerhebel, spürbar entlastet. Zudem wird der Fahrer nicht durch Geräusche und Vibrationen der Motoren oder des Hydraulikantriebs gestört und negativ beeinflusst, da die Kompaktachse über eine elastische Lagerung vom Rahmen abgekoppelt ist.

Erleichterung verschaffen dem Bediener zudem insgesamt fünf verschiedene Optionen für den Batteriewechsel sowie ein Onboard-Lader, der für Unabhängigkeit von festen Ladestationen sorgt und Bedienungsfehlern wie der Wahl eines ungeeigneten Ladegerätes vorbeugt. Der rechenbare Nutzen für den Betreiber: Mehr Leistung, weniger Energieverbrauch, längere Lebensdauer – all dies trägt zu einer größeren Effizienz des Staplerbetriebes bei und macht sich durch geringere Betriebskosten und einen höheren Wiederverkaufswert auch monetär bemerkbar.

Und welches Ergebnis lässt sich aus den beiden Beispielen ableiten? Der Schutz von Mensch und Umwelt ist nicht durch wenige Einzelmaßnahmen zu erreichen, sondern erfordert im Unternehmen eine enge Vernetzung verschiedener Bereiche und aufeinander abgestimmte Prozesse, um zukunftsfähige, innovative Stapler unter bestmöglichen ökologischen und ökonomischen Gesichtspunkten zu produzieren. Außerdem zeigen die Beispiele, dass sich der Schutz der Umwelt und des Menschen und die Steigerung der Wirtschaftlichkeit nicht entgegenstehen, sondern dass sie im Idealfall in die gleiche Richtung wirken.

Alexander Reising ist Leiter Produktmarketing und Linde Akademie bei der Linde Material Handling GmbH in Aschaffenburg.

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