Instandhaltung Strategisches Outsourcing bringt Vorteile

Autor / Redakteur: Frank Fladerer / Jürgen Schreier

Prof. Dr.-Ing. Axel Kuhn gilt als einer der renommiertesten Instandhaltungsexperten in Deutschland. Wie sprachen mit dem Inhaber des Lehrstuhls für Fabrikorganisation der Technischen Universität Dortmund und Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik über Bedingungen und Stolperfallen für das erfolgreiche Outsourcing von Instandhaltungsleistungen.

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Herr Prof. Kuhn, welchen Anteil macht Outsourcing bei den Instandhaltungsleistungen aktuell etwa aus?

Kuhn: Der Anteil von Outsourcing bei den Instandhaltungsleistungen liegt in Mittel- und Osteuropa etwa bei 20, in West-Europa bei 30, in Großbritannien bei 40 und in den USA bei 60%. Die Unterschiede resultieren im Wesentlichen aus den verschiedenen Entwicklungsstadien der Länder beziehungsweise der Zurückhaltung bei Fragen des Outsourcings. Insbesondere viele deutsche Unternehmen sehen Instandhaltung als Kernkompetenz an oder können sich nicht vorstellen, dass es einen Dienstleister gibt, der den Anforderungen gerecht werden kann, das heißt über das notwendige Know-how und die Erfahrungen verfügt, die Produktivität und Verfügbarkeit der komplexen und vernetzten Systeme sicherzustellen.

Wie ist der aktuelle Trend?

Kuhn: Ein allgemeiner Trend ist nicht zu erkennen. In Zeiten einer Wirtschaftskrise machen die Unternehmen jedoch eher wieder mehr selbst, um kein eigenes Personal entlassen zu müssen und Kosten zu senken. Ich empfehle, genau jetzt über Outsourcing der Instandhaltung nachzudenken und dabei nicht die Instandhaltungskosten, sondern die Steigerung der Effektivität und Effizienz der Instandhaltung in den Mittelpunkt zu stellen. Dadurch würde die kurzfristige durch eine langfristig strategische Entscheidung ersetzt.

Was sollten Unternehmen vor dem Outsourcing von Leistungen beachten?

Kuhn: Outsourcing von Leistungen ist immer eine strategische Entscheidung, kurzfristiges Denken sollte daher keine Rolle spielen. Bei der Wahl eines Dienstleisters sollten neben den typischen Kriterien, wie Know-how und Erfahrung in der Kundenbranche und mit den eingesetzten Maschinen und Anlagen, ein breites Leistungsspektrum, Zuverlässigkeit, Flexibilität, räumliche Nähe und Finanzkraft, vor allem die Bereitschaft zur partnerschaftlichen Zusammenarbeit und das sogenannte kulturelle ‚Fit’ beachtet werden. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Bereitschaft zur gemeinsamen Weiterentwicklung der Instandhaltung und zur Risikoteilung in einer Win-Win-Partnerschaft realisiert werden kann.

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