Eine schwache Nachfrage in Kombination mit niedrigen Stahlpreisen haben das Ergebnis des Stahlkonzerns Thyssenkrupp in den Keller getreten.
Thyssenkrupp hat vor Kurzem zugegeben, Milliarden Euro Verluste gemacht zu haben. Konzernchef Miguel López redet mit Blick auf das kommende Jahr von einem Jahr der Entscheidungen. Lesen Sie hier, wie sich der Stahlkonzern die Zukunft vorstellt ...
(Bild: Thyssenkrupp)
Auf das sinkende Stahlgeschäft schrieb Thyssenkrupp rund eine Milliarde ab, heißt es jetzt von Seiten des Stahlriesen. Dazu belasteten Kosten für die Restrukturierung das Gesamtergebnis, wie es weiter heißt. Das Problemfeld dürfte auch so schnell nicht wieder zu fruchtbaren Ergebnissen führen. Das Management um Konzernchef Miguel López stimmte sich angesichts dieser Tatsachen auf ein weiteres Übergangsjahr ein, um die mittelfristigen Finanzziele zu erreichen. Strategisch rief er ein Jahr der Entscheidungen aus. Die seit längerer Zeit schwächelnde Aktie des Unternehmens setzte kurz darauf aber zu einer Erholung an. Der Kurs legte nach zeitweise noch höheren Gewinnen gegen Mittag noch um rund sechs Prozent zu. Die Aktie bewegt sich nun wieder auf dem Niveau von Ende Juli, hat seit Jahresbeginn aber mehr als 40 Prozent verloren. Ein Händler lobte den ausgewiesenen freien Barmittelfluss, merkte aber an, dass dieser im neuen Geschäftsjahr 2024/25 deutlich negativ sein dürfte. Analysten merken aber an, dass weiterhin Barmittel quasi verbrannt werden.
Betroffen sind vor allem Steel Europe und Marine Systems
Unter anderem strebt der Konzern eine bereinigte Ebit-Marge von vier bis sechs Prozent an. Doch wann diese erreicht werden soll, wollte Finanzchef Jens Schulte nicht sagen. Im aktuellen Marktumfeld sei dies nicht möglich. Im vergangenen Geschäftsjahr betrug die Marge 1,6 Prozent. Mit Blick auf die strategischen Leitthemen werde das laufende Geschäftsjahr ein Jahr der Weichenstellungen, was insbesondere für Steel Europe und Marine Systems gelte. Nach dem Ausstieg des Finanzinvestors Carlyle aus dem Bieterprozess hält Thyssenkrupp an einer Verselbstständigung der Marinesparte fest. Favorisiert wird nun ein Spin-off. Der Bereich bleibt aber den Angaben zufolge auch für industrielle Partnerschaften weiter offen. Darüber hinaus führt Thyssenkrupp weiterhin Gespräche mit der Bundesregierung zur Beteiligung des Staates. Ein dahingehend angepasster Geschäftsplan soll in ein bis zwei Monaten fertiggestellt werden. Um die Neuaufstellung war zuletzt ein heftiger Streit entbrannt, denn Teile des Vorstands und des Aufsichtsrats der Sparte warfen das Handtuch. Die Arbeitnehmerseite befürchtet den Abbau tausender Stellen. Der neue Chef heißt bekanntlich Dennis Grimm. Er hatte in einem Gespräch härtere Einschnitte angekündigt als bisher geplant. Thyssenkrupp will sich von dem schwankungsanfälligen Geschäft trennen und hat 20 Prozent an EPCG verkauft. Das ist die Gesellschaft des tschechischen Milliardärs Daniel Kretinsky. Angestrebt ist die Bildung eines gleichberechtigten Gemeinschaftsunternehmens.
Thyssenkrupp erwartet ab Juli 2025 Stabilisierungseffekte
Im vergangenen Geschäftsjahr musste Thyssenkrupp erneut hohe Summen auf die Stahlsparte abschreiben. Damit steht das Geschäft noch mit rund 2,4 Milliarden Euro in den Büchern. Dies war mitverantwortlich für einen Jahresverlust von 1,4 Milliarden Euro, nach einem Fehlbetrag von 2 Milliarden ein Jahr zuvor. Dennoch will Thyssenkrupp eine unveränderte Dividende von 15 Cent je Aktie zahlen. Eine sinkende Nachfrage und niedrigere Stahlpreise sorgten für einen Umsatzrückgang von sieben Prozent auf 35 Milliarden Euro. Der Auftragseingang nahm um elf Prozent auf 32,8 Milliarden Euro ab. Außer schwachen Geschäften der Stahl- sowie der Handelssparte leidet auch das Automotive-Geschäft an Rückgängen. Nur die Marinesparte konnte demnach zulegen. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel insgesamt um knapp ein Fünftel auf 567 Millionen Euro. Damit erreichte das Unternehmen seine (zuletzt gesenkte) Prognose. Der Umsatz verharrte im vierten Geschäftsquartal mit 8,8 Milliarden Euro auf dem Vorjahresniveau. Das bereinigte Ebit stieg um 72 Prozent auf 151 Millionen Euro. Mit Ausnahme des Stahlgeschäfts konnten alle Sektoren ihre Ergebnisse verbessern. Damit fielen die Zahlen besser aus als von Analysten erwartet. Positiv entwickelte sich auch der freie Mittelzufluss vor Übernahmen und Fusionen. Er erreichte rund eine Milliarde Euro, nachdem das Marinegeschäft vorzeitige Zahlungen von Kunden verbuchen konnte. Für das neue Geschäftsjahr zeigte sich das Unternehmen vorsichtig. Man geht dabei von einer Stabilisierung der Geschäfte im Stahl, Handel sowie in puncto Automotive in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres aus. Der Umsatz soll zumindest das Vorjahresniveau erreichen und gegebenenfalls um bis zu drei Prozent zulegen.
Stand: 08.12.2025
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