Werkzeugmaschinen Ungleiche Partner ergänzen sich
Dort, wo beim Fertigen von Werkzeugen und Formen das Fräsen an Grenzen stößt, spielt das Erodieren seine Stärke aus. Die Kombination von Fräs- und Erodiermaschinen via automatisierter Peripherie gewinnt an Bedeutung.
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Möglichst preiswert, in möglichst kurzer Zeit und natürlich mit hoher Qualität produziert – das lösen dieser Quadratur des Kreises gehört zu den tagtäglichen Aufgaben von Werkzeug- und Formenbauern. Die Mittel der Wahl sind leistungsfähige Maschinen. Hersteller von Fräs- und Erodiermaschinen stellen sich dieser Forderung. So hat die Kern Micro- und Feinwerktechnik GmbH & Co. KG in Murnau ihre Produktpalette erweitert. Auf der EMO Hannover wird die Fräsmaschine HSPC 3028 (High Speed Precision Cutting) präsentiert. Die neue Maschine ergänzt die HSPC-Baureihe. Sie hat nicht nur größere Verfahrwege in X und Y von 300 und 280 mm, sondern ein ganz neues Achssystem, das bei den größeren Verfahrwegen für mehr Stabilität sorgt. Außerdem sind die X-, Y- und Z-Achse direkt angetrieben. Kern-Geschäftsführer Burkhard K. Rother ergänzt: „Das Ergebnis ist eine noch bessere Beschleunigung mit abermals erhöhter Verfahrgeschwindigkeit.“ Ein Geheimnis macht Kern noch aus der neuesten Entwicklung, einer Fräsmaschine mit ungewöhnlicher Technik. Rother verrät nur: „Nach unseren Erwartungen könnte diese Maschine den Markt im Formenbau und in der Teilefertigung revolutionieren“. Das Ziel aller Entwicklungen ist das Erreichen maximaler Genauigkeit in der Zerspanung, das gilt auch für die Röders GmbH, Soltau, so Firmenchef Jürgen Röders. Bei Highend-Anwendungen setzt er auf hydrostatische Führungen im Verbund mit Linearmotoren: „Weil diese Kombination fast beliebige Genauigkeiten zulässt.“ Inzwischen gibt es bei Röders zwei Maschinen mit einem solchen Achsaufbau: RHP600 und RHP800. Die RHP600 wird auch ein Schwerpunkt auf der EMO Hannover sein. Die Maschinen sind als Portalmaschinen konzipiert und haben Linearmotoren und hydrostatische Führungen in allen Achsen. Röders weiter: „Dadurch ist die gesteuerte Bahngenauigkeit der Maschinen so hoch, dass außer HSC-Fräsen auch Koordinatenschleifen möglich ist“. Die Automationslösungen bei Röders sind modular aufgebaut und haben standardisierte Schnittstellen. Die Roboterlösungen bieten dabei die höchste Flexibilität, betont Röders: „Die Werkstücke werden so umgespannt, dass ohne zusätzliche Maschinenachsen eine 5-Seiten-Bearbeitung möglich ist“. Auch beim Erodieren spielt die Automation eine große Rolle. Peter Quennet, Geschäftsführer der Charmilles Technologies GmbH in Fellbach weiß schon länger: „Der Markt fordert nicht mehr nur reine Maschinenlieferanten, sondern Entwicklungspartner, die mit ihren Kunden ein Team bilden“. Produktivitätssteigerung werde nicht nur allein an der einzelnen Maschine erzielt, sondern vielmehr entlang des gesamten Fertigungsablaufs. Weiterhin bemerkt Quennet: „Die Kunden erwarten von einem Maschinenbauunternehmen heute nicht nur gute Maschinen, sondern ein umfassendes Dienstleistungsangebot für den gesamten Werkstattprozess“. Wolfgang Zernickel, Business Unit Manager Formenbautechnologie der Makino GmbH, sagt, „dass der wachsende Bedarf des Marktes und die Forderung nach immer kürzeren Durchlaufzeiten in der Senk- und Drahterosion sowie beim Hartfräsen zu einer großen Modellvielfalt für die unterschiedlichsten Bearbeitungsaufgaben in den verschiedensten Branchen geführt haben.“ Den hohen Standard beim Senk- und Drahterodieren auszubauen und die Produktivität für die Kunden weiter zu steigern, ist Zernickels Anliegen: „Dazu setzen wir auf innovative Entwicklungen, fortlaufende Automatisierungstechnik und ein effizientes Angebot personeller Schulungen.“Als „Keimzelle für Wachstum im Erodiergeschäft“ betrachtet die Zimmer + Kreim GmbH & Co. KG, Brensbach, ihre jüngste Entwicklung mit dem programmatischen Titel „Cocoon“: Es soll die kompakteste automatisierte Erodierzelle sein, die der Markt derzeit zu bieten hat. Die Zelle umfasst eine Erodiermaschine, ein Handlingsystem mit Magazin für rund 60 Elektroden und mindestens sechs Werkstückpaletten sowie zwei Wechselgreifer. „Cocoon ist beliebig ausbaubar und äußerst flexibel; das integrierte Handlingsystem ermögliche darüber hinaus die Anbindung an HSC-Fräsmaschinen“, erläutert Emert.Integration von HSC und EDM oder die „Synergie aus komplementären Technologien“ ist auch ein Thema für Rainer Jung, Geschäftsführer der OPS-Ingersoll Funkenerosion GmbH in Burbach. Das Produktprogramm besteht aus einer Linie von sechs Senkerosionsmaschinen in Gantrybauweise, berichtet Jung: „Dabei ist OPS-Ingersoll im Gegensatz zu den meisten Wettbewerbern in der Lage, von der kleinsten bis zur größten Senkerodiermaschine das komplette Produktprogramm anbieten zu können“. Im HSC-Bereich umfasst die Produktlinie vier Typen von der kleinsten bis zur mittelgroßen Maschine. Besonderes Augenmerk wird der Automation und Integration der beiden Techniken gewidmet. Diesbezüglich ist Jung klar, dass es die eine wirtschaftliche Lösung keinesfalls gibt: „Die richtige Kombination der Techniken Fräsen, HSC-Fräsen, Drahterodieren und Senkerodieren ist der Schlüssel zum Erfolg.“