Elektromobilität VDE eröffnet Batterietestzentrum

Redakteur: Stéphane Itasse

Das VDE-Institut nimmt in Offenbach am Main ein neues Batterie- und Umwelttestzentrum in Betrieb. Auf zum Teil in Deutschland einmaligen Einrichtungen können Lithium-Ionen-Akkus für Elektrofahrzeuge auf Sicherheit und Dauerfestigkeit getestet werden, wie der Verband mitteilt.

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Das neue Batterieprpüfzentrum des VDE ist mit vielen Geräten wie dieser Schwinganlage ausgestattet.
Das neue Batterieprpüfzentrum des VDE ist mit vielen Geräten wie dieser Schwinganlage ausgestattet.
(Bild: VDE)

Die Prüfstände sind so dimensioniert, dass sie auch Lkw-Batterien mit bis zu 400 kg Gewicht inklusive Befestigungsmaterial aufnehmen können, heißt es weiter. Das Zentrum stehe Automobilherstellern und Zulieferern, aber auch Forschungsinstitutionen und Behörden als Dienstleister zur Verfügung.

Verhalten der Batterien bei schweren Unfällen simulieren

Herz des neuen Batterieprüfzentrums ist eine Anlage, in der das Batterieverhalten bei besonders schweren Unfällen untersucht werden kann, wie der VDE berichtet. In einem 10 m hohen Fallturm würden die Akkus auf bis zu 50 km/h beschleunigt und prallten auf einen simulierten Laternenpfahl. In einem weiteren Gebäudeteil könnten Batterien mit definierten Kräften zerquetscht oder durch das Eindringen eines Metalldorns zerstört werden.

Auch die Langzeitstabilität von Traktionsbatterien untersucht der VDE nach eigenen Angaben in seinem neuen Testzentrum. Zum Einsatz kämen größtenteils speziell angefertigte Prüfstände, die extreme Umweltbedingungen wie hohe Luftfeuchtigkeit oder rasche Temperaturwechsel simulieren. Mechanische Belastungen, wie sie im Fahrzeug durch schlechte Straßen auftreten, würden mit einem großen Schwingungsprüfstand simuliert.

Die Batterie sei bei diesem Test Kräften von bis zu 120 kN (entspricht 12 t) ausgesetzt. Die meisten Prüfeinrichtungen seien so gestaltet, dass die Batterie während der Tests ge- und entladen werden kann. So könne auch die Wechselwirkung der chemischen Batteriealterung mit anderen Einflussgrößen wie Temperatur oder Luftfeuchtigkeit untersucht werden.

VDE will mit Testzentrum komplette Elektroauto-Wertschöpfungskette abdecken

Das neue Batterie- und Umwelttestzentrum ist laut Mitteilung nur ein Teil der Prüfeinrichtungen, mit denen der VDE die komplette Wertschöpfungskette der Elektromobilität abdecken will. Dazu gehörten das Testen der Funktionsfähigkeit und Sicherheit von Elektromotoren. Die Spezialisten des VDE arbeiteten bei der Typzulassung (Homologation) von Elektrofahrzeugen in einer strategischen Partnerschaft mit der GTÜ (Gesellschaft für Technische Überwachung) zusammen.

Darüber hinaus zertifiziere der VDE auch Einrichtungen der Ladeinfrastruktur, von der elektrischen Sicherheit bis hin zur Funktionsfähigkeit des Kommunikationsprotokolls (Interoperabilität). Zur Verfügung stehe auch ein Labor, in dem die elektromagnetische Verträglichkeit von Elektrofahrzeugen geprüft werden könne. In Planung befinde sich für die Erweiterung des Offenbacher Prüfzentrums eine befahrbare Klima-Prüfkammer, in der gesamte Fahrzeuge bis zur Größe eines Verteiler-Lkw auf Herz und Nieren untersucht werden sollen.

Auch wenn das Automobil im Mittelpunkt des neuen VDE-Testzentrums stehe, könnten auch die Traktionsbatterien für andere Elektrofahrzeuge wie Pedelecs (Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor) untersucht werden. Dieses Marktsegment wachse stark und sei noch weitgehend unreguliert. Darüber hinaus könnten auch Batterien und Akkus für viele weitere Anwendungsfälle, wie Energienetze oder Elektrowerkzeuge, geprüft werden.

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