Instandhaltung VDI-Richtlinie für das Obsoleszenzmanagement

Redakteur: Beate Christmann

Was tun, wenn Maschinen so alt sind, dass Ersatzteile nicht mehr lieferbar sind? Unternehmen sollten sich frühzeitig auf solche Fälle vorbereiten. Die neue Richtlinie VDI 2882 Obsoleszenzmanagement der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) will als Anleitung zur Erarbeitung geeigneter Konzepte zur Nutzung von Systemen dienen, die länger als 20 Jahre im Einsatz sind.

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Neue Richtlinie der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) für das Obsoleszenzmanagement von Maschinen- und Anlagenersatzteilen.
Neue Richtlinie der VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) für das Obsoleszenzmanagement von Maschinen- und Anlagenersatzteilen.
(Bild: VDI)

Egal, wie schnelllebig die Zeit auch sein mag, in der wir momentan leben – viele Produktionsmaschinen und -anlagen sind länger als 20 Jahre im Einsatz. Das hat allerdings zur Folge, dass Ersatzteile in vielen Fällen irgendwann einfach nicht mehr lieferbar sind. Diese Tatsache wird als Obsoleszenz bezeichnet.

Um dennoch eine erfolgreiche Instandhaltung betreiben zu können, müssen sich sowohl Betreiber als auch Lieferanten idealerweise bereits zum Zeitpunkt der Beschaffung gemeinsam darüber Gedanken machen, wie der Betrieb und die Ersatzteilversorgung auch nach vielen Einsatzjahren noch sichergestellt werden kann.

Zu diesem Zweck hat die VDI-Gesellschaft Produktion und Logistik (VDI-GPL) nun die Richtlinie VDI 2882 Obsoleszenzmanagement veröffentlicht. Sie soll als Anleitung dienen, um Konzepte zur Sicherstellung der Nutzung von Systemen beziehungsweise Komponenten zu erarbeiten, die 20 Jahre oder länger genutzt werden.

Langfristige Strategien anstelle kurzfristiger Handlungsanweisungen

Solche Konzepte dürfen nicht allein auf eine schnelle Beschaffung von Ersatzteilen und Support im Schadensfall reduziert sein. Idealerweise zeigen sie mit großer Vorlaufzeit eine Strategie auf.

Das sogenannte Obsoleszenzmanagement ist Teil des Risikomanagements. Richtig durchgeführt dient es der Vermeidung und Reduzierung von Produktions- oder Dienstleistungsausfällen aufgrund veralteter oder nicht mehr verfügbarer Prozesse, Materialien, Software oder Produktionseinrichtungen. Es beschreibt zudem Wege, wie Unternehmen mit einer drohenden oder bereits eingetretenen Obsoleszenz umgehen können.

Zusätzlich werden in VDI 2882 die Auslöser von Obsoleszenz erläutert und verschiedene Lösungen hierzu beschrieben. Das Obsoleszenzmanagement sollte organisatorisch an die bestehenden Unternehmensstrukturen angepasst werden, weil technisches und kaufmännisches Know-how gleichermaßen gefordert sind. Es wird zudem erläutert, anhand welcher Kriterien eine Anlage und ihre Komponenten klassifiziert und wie mithilfe einer Checkliste schnell eine Priorisierung erarbeitet werden kann.

Maschinenbetreiber als Zielgruppe

Die Richtlinie beschreibt das Obsoleszenzmanagement aus Sicht der Betreiber und leitet durch die gesamten Abläufe. Sie richtet sich also an Betreiber von Produktions- oder Prozessanlagen, an Asset-Management- sowie an Instandhaltungsdienstleister. Sie adressiert auch Hersteller von Produktions- und Anlagentechnik, die sich gemeinsam mit dem Kunden dieses Themas annehmen wollen.

Die Richtlinie ist im August 2016 als Gründruck in deutscher und englischer Sprache erschienen. Die Möglichkeit zur Mitgestaltung der Richtlinie durch Stellungnahmen besteht durch Nutzung des elektronischen Einspruchsportals oder durch schriftliche Mitteilung an die herausgebende Gesellschaft. Die Einspruchsfrist endet am 31. Januar 2017. Die Richtlinie kann zum Preis von 103,40 Euro beim Beuth-Verlag in Berlin bestellt werden.

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