Verbindungstechnik Vier vor, zwei zurück und halten
Bei der Alufelgen-Montage sind kontrolliertes Lösen und dynamisches Halten ebenso wichtig wie kontrolliertes Anziehen.
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Wehe, wenn sich ein Rad am Auto löst. Die Automobilwerke versuchen alles, um das zu verhindern. Besonders schwierig wird es, wenn sich die Paarung Schraube/Felge erst noch finden, sprich einarbeiten, muss. Das kann vor allem bei Aluminiumfelgen der Fall sein. Deren Material ist weniger elastisch als die Radschraube, die noch dazu einen konischen Kopfkragen hat. Einfaches Anziehen, und sei es noch so drehmomentgenau, reicht da nicht aus. Das Problem sind Klemmkraftverluste durch starke Setzerscheinungen. Denn die Verbindung gibt so lange nach, das heißt, sie setzt sich, bis sich der Konus der Radschraube passgenau in die Felgenbohrung eingearbeitet hat. Darum müssen alle Radschrauben mehrfach nachgezogen werden. Erst wenn der Schraubenkopf vollständig formschlüssig sitzt, bleibt die aufgebrachte Klemmkraft erhalten und verkraften die Radschrauben hohe Anfahrmomente und das Stop-and-go der ABS-Bremse, ohne sich zu lockern.Bei der Radmontage von Hand empfähle sich also, die Radschrauben erst einmal vor-anzuziehen und dann per Drehmomentschlüssel in mehreren Schritten mit immer höherem Drehmoment (über Kreuz) bis zum Endmoment zu verschrauben. Doch in wie vielen Schritten müsste das geschehen? Und wie oft müsste man per Drehmomentschlüssel nachmessen, um sicher zu sein, dass sich die Verbindung nun nicht mehr setzt, also an Klemmkraft verliert? Diese Vorgehensweise bedeutet zumindest einen erheblichen Aufwand an Zeit und Kraft und ist bestimmt nicht, wie in den meisten Werkstätten üblich, per Schlagschrauber und einmaligem Nachknicken zu schaffen. Ganz besonders schwierig aber wird es in diesem Fall im Werk, wenn die Radmontage automatisiert und binnen kürzester Taktzeiten erfolgen soll. Die Kompensation von Setzerscheinungen gehört zwar zur hohen Schule der Schraubtechnik. Aber mit mehrstufig kontrolliertem Anziehen, wie bei anderen Felgen und Schrauben, kommt man dieser Art von Setzerscheinungen nicht mehr zuverlässig bei. Vielmehr muss ein kontrolliertes Lösen hinzukommen, und zwar im Wechsel zum drehmoment-/drehwinkel-kontrollierten Anziehen. Fragt sich nur, wann man damit aufhören kann, also weiß, dass die Passung stimmt und die Klemmkraft erhalten bleibt. Wie sich gezeigt hat, geht das nur mit dem so genannten Dyna-Tork-Verfahren, wie es die Power-Macs-Schraubautomaten von Atlas Copco Tools bieten. Bei ihm wird die mehrstufig angezogene und drehwinkelgenau wieder gelöste Verbindung erneut auf Endmoment angezogen und dann eine programmierbare Zeit lang unter Last gehalten. Sollte die Verbindung in dieser Zeit an Drehmoment verlieren, wird es von den Schraubspindeln sofort wieder ausgeglichen. Nach Ablauf dieser Dyna-Tork-Phase folgt eine zweite. Sie ist gleich lang, und erst, wenn das Drehmoment auch in dieser Stufe nicht mehr nachzuregeln ist, kann man sicher sein, dass die aufgebrachte Klemmkraft in der Verbindung bleibt.
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Link: Atlas Copco Tools