Für die Herstellung geschmeidiger Ziegel wird ein Mix aus Ton und Steinen im Kollergang gemahlen. Anschließend mit Metallwalzen zerquetscht. Damit diese nicht vorzeitig verschleißen, müssen sie mit Metallhülsen geschützt werden. Diese Walzenmäntel dreht die Walzengießerei Quedlinburg auf einer neuen CNC-Drehmaschine.
Geliefert wurde die neue Maschine nicht in einem Stück, sondern in Einzelteilen.
(Bild: Weber Werkzeugmaschinen)
Ziegel wurden bereits in der Jungsteinzeit (6.000 bis 8.000 v. Chr.) gebrannt. Was bis heute gilt: Die Masse, aus denen die braunen Baustoffe gebrannt werden, muss geschmeidig sein und die Inhaltsstoffe, meist ein Mix aus Ton und Steinen, entsprechend fein zerkleinert. Heute werden Ziegel nicht nur neu hergestellt, sondern auch recycelt, wofür sie ebenfalls entsprechend zerkleinert werden müssen. Das geschieht einmal im Kollergang, in dem die Materialien gemahlen werden und im nächsten Schritt in Walzwerken, in denen die Ziegelstücke millimeterklein mit sehr schweren Metallwalzen zerquetscht werden. In der Jungsteinzeit war das mit den bescheidenen Werkzeugen noch sehr mühsam, dafür kannten die Menschen in dieser Zeit kein Corona. Heute gibt es dafür ausgefeilte Recyclingtechnologien – aber eben auch dieses Virus, das die Anschaffung entsprechender Technologien zu einem besonderen Hürdenlauf machen kann.
Hülsen aus Metalllegierungen schützen Walzen vor vorzeitigem Veschleiß
Um am Ende des Prozesses feines Ziegelpulver zu erhalten, neuen Ziegelbrei rühren zu können und gleichzeitig die Prozesskosten beim Recycling so gering wie möglich zu halten, stülpt man den eigentlichen Walzen Hülsen aus sehr zähen und verschleißfesten Metalllegierungen – sogenannte Walzenmäntel – über, da die Walzen durch den Bearbeitungsprozess vorschnell verschleißen würden.
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Die Walzengießerei Quedlinburg ist unter anderem auf die Herstellung solcher Walzenmäntel spezialisiert und produziert diese Hülsen jetzt auf einer nagelneuen CNC-Drehmaschine von M.C.M. Gebaut wurde die Maschine in Norditalien. Dass sie jetzt in Quedlinburg steht, verdankt das Unternehmen der Firma Weber Werkzeugmaschinen aus Mindelheim.
Wir haben uns 2019 auf einer Messe für diese Neuanschaffung entschieden – und dann kam Corona.
Dr. Martin Schrumpf, Walzengießerei Quedlinburg
Der Maschinenpark des Unternehmens umfasst das gesamte Spektrum: Konventionelle, NC- und CNC-Drehmaschinen in der Vor- und Endbearbeitung, Fräs-, Nutenzieh- und Erodiermaschinen, Schleifmaschinen und Sägen. Die Vielfalt braucht es auch, denn der Bearbeitungsfokus liegt auf harten bis sehr harten und zähen Eisenwerkstoffen bei nahezu 100 Prozent Fertigungstiefe. Von 30 Kilogramm bis sechs Tonnen Metall werden hier pro Werkstück mit hoher Präzision geschmolzen, gegossen und weiterverarbeitet.
Dr. Schrumpf lernte Stephan Weber auf der EMO Hannover über M.C.M. kennen, deren Generalvertreter für Deutschland die Weber Werkzeugmaschinen sind.
Die Bereitstellung einer so großen Maschine ist natürlich etwas Besonderes. Zwar sind die Abläufe in diesem Zusammenhang bei kleineren und großen Maschinen ähnlich, und doch ist bis zur erfolgreichen Inbetriebnahme im Detail spezielles Equipment und Fachwissen nötig. Tendenziell wächst mit der Größe einer Maschine das Risiko, dass etwas Unvorhergesehenes passiert.
Stephan Weber, geschäftsführender Gesellschafter Weber Werkzeugmaschinen GbR
Neben den technischen Aspekten mussten nach dem Kauf weitere Abstimmungen mit Zubehör-Lieferanten hinsichtlich der zeitlichen Planungssicherheit durchgeführt und nachverfolgt werden. Hinzu kamen die Lockdowns in Deutschland und Italien. „Es war herausfordernd, denn wir konnten nicht vor Ort in Italien sein und mussten die Verhandlungen und Koordination online durchführen“, beschreibt der Allgäuer Geschäftsführer den Prozess. Das war auch aufgrund der Maschinengröße und der Beschaffung der benötigten Sonderausstattung nicht immer einfach.
Walzenmäntel mit einer Länge bis zu 5.000 Millimetern produzieren
Die CNC-Maschine von M.C.M. ist mit elf Metern Länge und einem Gewicht von rund 21.000 Kilogramm gewaltig groß. Diese Dimensionen sind auch notwendig, da auf ihr Walzen und Walzenmäntel mit einer Länge von bis zu 5.000 Millimetern produziert werden. Die Maschine kann aufgrund ihrer großen Masse die starken Schwingungen, die bei der Bearbeitung hochlegierter Werkstoffe auftreten können, sehr gut minimieren. Sie steht felsenfest auf ihrem eigens für sie geschaffenen Fundaments in der Halle des Quedlinburger Traditionsunternehmen.
Von Vorteil ist auch die dritte Führungsbahn des CNC-Kolosses: Diese Lösung garantiert eine hohe Steifigkeit der X-Achse bei der Bearbeitung großer Durchmesser. Das Gewicht von Querschlitten und Revolver sowie die Schnittkräfte werden durch diese zusätzliche Führungsschiene besser abgestützt, um eine hohe Stabilität des Querschlittens sowie eine hohe Genauigkeit zu gewährleisten. Die CNC-Drehmaschine ermöglicht es, Werkstücke mit einem Durchmesser von bis zu 1.400 Millimeter zu bearbeiten. „Wir haben natürlich unterschiedliche Maschinengrößen im Programm, mit und ohne CNC-Steuerung.“ so Stephan Weber. Je nach Anforderungsprofil und Einsatzzweck wird hierzu von den Weber Werkzeugmaschinen individuell beraten.
„Die Zusammenarbeit war ein Segen, denn trotz aller Widrigkeiten hat uns Herr Weber nicht nur die für unsere Bedürfnisse passende Maschine vermittelt, 2019 konnten wir im Vorfeld der Beschaffung sogar eine ähnliche Maschine im Werk begutachten und ausführlich testen“, betont Dr. Martin Schrumpf.
Stand: 08.12.2025
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Online-Abnahme der Maschine
Viele Besprechungen fanden online via Videokonferenz statt, sodass alle Informationen schnell und unkompliziert geklärt werden konnten. Nach dem Kauf dauerte es rund zehn Monate, bis die Maschine das italienische Werk verlassen konnte. Abgenommen hat sie Dr. Schrumpf online. „Das ging nicht anders, denn wir konnten nicht länger warten und eine Auslandsreise war aufgrund der Lockdowns in Italien und Deutschland nicht möglich“, berichtet er.
Den Transport meisterte der Geschäftsführer von Weber Werkzeugmaschinen mit seinem erfahrenen Team innerhalb von zwei Tagen völlig problemlos. „Geliefert wurden die Maschine natürlich nicht in einem Stück, sondern in Einzelteilen“, sagt Weber. Sie wurde vor Ort von ihm und seinem Team aus Fachleuten installiert, montiert und in Betrieb genommen.
Die Weber Werkzeugmaschinen haben als Vertriebspartner verschiedener Markenhersteller in den Bereichen Werkzeugmaschinen und Zubehör stets eine große Maschinenauswahl auf Lager, sodass neue Standardmaschinen sehr kurzfristig geliefert werden können. Auch gebrauchte Maschinen hat das Unternehmen im Angebot, die teilweise überholt und voll funktionsfähig sein Unternehmen verlassen. „Wir liefern nur Maschinen aus, die vorab für unsere Kunden zur Probe gelaufen sind“, sagt Stephan Weber und verweist auf die rund 200 Gebrauchtmaschinen, die in allen gängigen Größen und Modellen in dem, mehrere Hallen umfassenden, Lager stehen. Auch Ersatzteile und Zubehör gehören zum Portfolio des Familienunternehmens.
Jetzt läuft die M.C.M. in Quedlinburg wie am Schnürchen und sorgt für perfekte Walzenmäntel, denen man nie anmerken wird, dass Corona auch ihr Werden zumindest beeinflusst hat. Die Ziegelbrenner der Jungsteinzeit konnten von solchen Produktionsbedingungen nur träumen.
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Victoria Sonnenberg, Redakteurin Ressort Produktion & Fertigung