Cluster Sensorik Vorreiterrolle ausbauen

Autor / Redakteur: Walter Frick / Bernhard Kuttkat

Das Cluster Sensorik hat sich eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Sensorik-Industrie zum Ziel gesetzt. Dabei wird die „klar definierte Vision“ verfolgt, Bayerns Vorreiterrolle in der Sensorik weltweit auszubauen.

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Die Sensorik ist eine Schlüsseltechnologie für die elektronische Prüfung, Überwachung und Automatisierung. Dabei finden sich Sensor- und Messsysteme in Produktionsmitteln - Maschinen, Anlagen und Werkzeugen – und auch in den Endprodukten selbst: Vom Automobil bis zur Raumstation, von der Sicherheitstechnik im privaten Bereich bis zur Überwachung von Kraftwerken.

Deutschland hält in der Sensorik einen Weltmarktanteil von 30% und ist damit unbestrittener Weltmarktführer. Bayern wiederum ist die Nummer 1 in Deutschland – sowohl in Bezug auf den Umsatz als auch auf die Anzahl der Unternehmen: Fast ein Viertel der deutschen Sensorik-Firmen kommt aus Bayern.

Die bayerischen Sensorhersteller sind zum grossen Teil Mittelständler. Rund 300 kleine und mittelgroße Unternehmen haben sich auf Sensorik spezialisiert. Hinzu kommen einige große Unternehmen wie Siemens. Schwerpunkte der Forschung und Industrie liegen in den Regionen München, Nürnberg und Regensburg.

Das Cluster Sensorik hat sich eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der bayerischen Sensorik-Industrie zum Ziel gesetzt. Clusterplattform ist die Strategische Partnerschaft Sensorik e.V., Regensburg. „Mit der Aufnahme des operativen Geschäfts zum Jahresbeginn 2007 verfolgt das Cluster Sensorik eine klar definierte Vision, nämlich Bayerns Technologie- und Marktführerschaft in der Sensorik zu sichern und weltweit auszubauen“, erklärt Clustergeschäftsführer Dr. Hubert Steigerwald.

Starke Partner sind gefragt

Um diese Vision zu realisieren, brauche man starke Partner. Dabei setzt das Cluster Sensorik auf das bereits bestehende regionale Regensburger Sensorik-Netzwerk, wie Steigerwald sagt: „Die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit erreichen wir durch die Umsetzung einer Reihe von klar definierten Maßnahmen, die mit Hilfe der Strategischen Partnerschaft Sensorik e.V. schon angelaufen sind.“

Zu diesen Maßnahmen zählen: Vernetzung der Untenehmen, Steigerung der Innovationskraft, Ausbau der Kompetenzen, Qualifizierung von Fachkräften und Erhöhung der Bekanntheit. Gezielte Instrumente und Projekte innerhalb dieser Maßnahmen sind bereits angelaufen.

Schwerpunktmäßig setzt das Cluster in den Bereichen Unternehmensvernetzung, Innovationsförderung und Fachkräftequalifizierung an. „Dass sich der Realisierungsprozess dieser Maßnahmen zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit“, so Steigerwald, „auf einem erfolgreichen Weg befindet, zeigen bereits erste Ergebnisse“.

Derzeit arbeitet das Team um Steigerwald an mehreren Kooperationsvereinbarungen zwischen Partnern aus der Industrie und Wissenschaft, die in gemeinsame Verbundprojekte münden werden. Das Engagement der beteiligten Akteure zeige, dass sie von den Vorteilen des Netzwerkes profitieren und dadurch ihre wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit stärken. Des weiteren sieht das Cluster seine Kompetenz in der Gestaltung und Umsetzung von Förderanträgen. Auch hier habe man bereits konkrete Aktionsfelder eruiert.

Applikationszentrum Sensorik

Zu den Projekten mit messbaren Erfolgen – in unterschiedlichen Entwicklungsstadien – zählt der Clustergeschäftsführer das Applikationszentrum Sensorik; dort wurden die beteiligten Partner bereits zusammengeführt, ein gemeinsamer Förderantrag erarbeitet und fertig gestellt, der dem Bayerischen Wirtschaftsministerium zur Prüfung vorliegt.

Auch für das Vorhaben „Neigungssensor“ wurden bereits die passenden Partner ermittelt und zusammengeführt. Die Beteiligten haben ihre Beiträge für eine erfolgreiche Zusammenarbeit geleistet, so dass eine Antragstellung noch im April erfolgen wird. Im Anfangstadium befindet sich das Projekt Reinigungssensor, wobei bereits schon eine Zusammenführung der Partner erfolgt ist und nun weitere Arbeitsziele definiert und spezifiziert werden.

Kooperationen zwischen Großunternehmen, Hochschulen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) sollen vor allem dem Mittelstand zu Gute kommen. Knapp die Hälfte der bestehenden Mitglieder im Cluster Sensorik, erläutert Steigerwald, „sind Start Ups, also kleine oder mittelständische Unternehmen.“

Außer der Repräsentanz in den verschiedenen Gremien des Clusters gehöre ein nicht unbedeutender Teil dieser Unternehmensgruppe den angesprochenen Kooperationsvereinbarungen an und werde sich am geplanten Applikationszentrum Sensorik beteiligen. Von dieser Einrichtung sollen gerade KMU profitieren.

Ein Teil der Maßnahmenpakete befinde sich schon jetzt konkret in der Umsetzungsphase. Das Pooling und die Vermittlung von Arbeitskräften, der Aufbau eines Applikationszentrums Sensorik sowie die Veranstaltung von Workshops und Kolloquien zur Weiterbildung sind Aktivitäten, die nachhaltigen Erfolg sichern. Ergänzend betreibe das Cluster Sensorik eine aktive Öffentlichkeits- und Marketingarbeit.

Dazu gehöre unter anderem der Auftritt auf der Hannover Messe sowie die Cluster-Präsentationen bei den Industrie- und Handelskammern in Passau und Regensburg. Außerdem erfolgten bereits Veröffentlichungen in verschiedenen Tages- und Fachmedien.

Aktive Mitarbeit bringt Nutzen

Ziele des Clusters Sensorik sind sowohl die stärkere Verzahnung von Unternehmen und Hochschulen mit der schnellen Umsetzung wissenschaftlicher Ergebnisse in die Praxis als auch die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Bayerischen Sensorik-Industrie. Dass diese Vorstellungen keine leeren Worthülsen sind, hat die Micro-Epsilon Messtechnik GmbH & Co. KG, Ortenburg, am Beispiel konkreter Entwicklungsprojekte bereits selbst erfahren.

Dr.-Ing. Martin Sellen, Entwicklungsleiter Sensoren: „Nach unseren bisherigen durchweg positiven Erfahrungen liegt der größte Nutzen in der Bündelung des reichlich vorhandenen spezifischen Know-hows für gemeinsame vorwettbewerbliche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.“

Gerade dieser Bereich ist in Deutschland sehr teuer geworden. Und längst hat die Globalisierung und der daraus resultierende weltweite Wettbewerb auch die Entwicklungsabteilungen erreicht. Vor diesem Hintergrund ist es sehr wichtig, das Wissen und die Erfahrung der Unternehmen und Hochschulen, speziell im Segment Sensorik, zu bündeln und zielgerichtet einzusetzen, um unnötige und kostspielige Fehlschläge und Redundanzen, insbesondere in der Entwicklung, zu vermeiden.

„Für uns hat sich die Zusammenarbeit mit dem Cluster konkret in mehreren Entwicklungsprojekten positiv ausgewirkt“, so Sensorik-Experte Sellen. Dazu zählen beispielsweise die Entwicklung eines integrierten Sensors zur Bestimmung der Durchschlagsfestigkeit in Ölen von Hochspannungsschaltern sowie die Entwicklung eines Prototypen für die Energierückgewinnung durch piezoelektrische Paddel in strömenden Medien. Derzeit ist ein weiteres Kooperationsprojekt in Vorbereitung, das sich mit der Entwicklung eines neuen magnetischen Positionssensors mit sehr hoher Auflösung beschäftigt.

Darüber hinaus, betont Martin Sellen, müsse man hervorheben, dass die aktive Mitarbeit im Cluster schon zu sehr vielen neuen und interessanten Kontakten und Ansätzen geführt habe, die sich in Zukunft sicherlich auch in wirtschaftlichen Erfolg umwandeln lassen.

Für Dr. Robertus Vingerhoeds, Leiter weltweite Vorentwicklung Sensoren der Siemens VDO Automotive, Regensburg, ist das Cluster Sensorik „eine hervorragende Initiative, an der sich Forschungseinrichtungen, kleine und mittelständische Unternehmen ebenso beteiligen wie Großunternehmen – ein Netzwerk der innovativen Forschung und Entwicklung.“ Aus der gemeinsamen Realisierung von Vorentwicklungsprojekten entwickeln sich Synergien, die für alle Teilnehmer von Vorteil sind.

Als Gründungsmitglied beteiligt sich Siemens VDO in vielfältiger Weise an der Clusterarbeit, wobei die Zusammenarbeit exzellente Möglichkeiten des Know-how-Aufbaus darstellt. „Aus Sicht von Siemens VDO“, so Vingerhoeds, „sollte das Cluster Sensorik auch als vollwertiger Partner in europäischen Projekten eine Rolle spielen.“

Der Nutzen der Clusterbeteiligung für sein Unternehmen liegt laut Vingerhoeds darin, dass Sensorkonzepte auf Gebieten realisiert werden, deren Technologie sich noch im Forschungsstadium befindet. Das können beispielsweise Technologien sein, die erst im Auto von übermorgen Platz finden.

Aktuelle Schwerpunkte aus der Automobilsensorik sind: Fahrerassistenzsysteme, Gassensoren, Sensoren zur CO2-Reduktion und Schadstoffreduzierung. „Das deckt sich mit den Innovationsschwerpunkten von Siemens VDO und ist deshalb eine exzellente Gelegenheit für gemeinsame Entwicklungsprojekte“, meint Vingerhoeds.MM

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