Vorsprung durch Wissen

Redakteur: Jürgen Schreier

Wissensbasierte Systeme sind für die Robotertechnik noch Neuland. Wir sprachen mit Peter Nagler, Vorstandsvorsitzender der imt robot AG in Fellbach, über die Möglichkeiten, die sich durch...

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Wissensbasierte Systeme sind für die Robotertechnik noch NeulandWir sprachen mit Peter Nagler, Vorstandsvorsitzender der imt robot AG in Fellbach, über die Möglichkeiten, die sich durch wissensbasierte Robotersysteme in der Handhabungstechnik ergeben.MM: Herr Nagler, imt beschäftigt sich mit wissensbasierten Robotersystemen. Was kann man darunter verstehen?Nagler: Unsere wissensbasierten Robotersysteme lösen als Gesamtsystem vor allem Sortier- und Verpackungsaufgaben. Der wesentliche Bestandteil wissensbasierter Technologie ist jedoch ein Softwarepaket, das unabhängig von einzelnen Robotern Handhabungsaufgaben löst. Dies geschieht nicht mit einer individuellen Programmierung, sondern mit Hilfe von Algorithmen, neuronalen Ansätzen und fuzzy logic. Somit arbeiten die imt-Systeme, die sich für alle Arten von Handhabungsaufgaben auf Fließbändern eignen, nicht mit festen Positionen und Kriterien für die zu greifenden Bauteile, sondern sie suchen intelligent die jeweils beste Lösung.Dabei werden Kriterien mit beachtet, die bisher undenkbar waren. Zum Beispiel: Bei Sortierprozessen werden Produkte, die zufällig richtig liegen, nur noch mit weiteren Produkten ergänzt, so dass eine Leistungsoptimierung durch intelligentes ,,Nichtstun" erzeugt wird. Je mehr Roboterarme dabei in die ,,Überlegungen" mit einbezogen werden, um so effektiver kann ein wissensbasiertes Robotersystem Produkte, Roboterarme, Puffer, Fließbänder und Übergabesituationen kombinieren und die optimale Performance entwickeln.MM: Wie kann man sich die Funktionsweise genau vorstellen?Nagler: Unsere Ulixes-Softwaremodule simulieren online die Aufgabe und die Lösungsmöglichkeiten. Die Produkte kommen über eine Zuführung auf ein Fließband. Eine Kamera nimmt die zufällige Lage der Produkte auf dem Band auf und übermittelt die Daten an die Ulixes-Software. Diese simuliert mit Hilfe von neuronalen Algorithmen und mittels fuzzy logic unterschiedlichste Lösungsmöglichkeiten. Die Ergebnisse der Berechnung nutzt die Software, um den Sortiervorgang und die Module - Sortier- und Einlege-Roboter, Zuführung, Förderband, Packmaschine - optimal zu steuern.MM: Wo liegen die Vorteile ihrer wissensbasierten Robotersysteme?Nagler: Wir bieten eine Basistechnik mit definierten Schnittstellen auf der Hardware- und Softwareseite für unterschiedlichste Sortier- und Kommissionier-Aufgaben. Unsere Software ist so aufgebaut, dass bei zusätzlichen Varianten oder neuen Produkten nur eine Anpassung der Parameter erforderlich ist, jedoch keine neue Programmierung. Somit sind unsere Anlagen keine Sonderlösungen mit eingeschränkter Flexibilität. Gerade dies ist ein wichtiges Argument, denn die Frage nach Flexibilität können in Zukunft nur wenige mit Mein beantworten - alleine schon wegen der enormen Preissicherheit.MM: Wie sieht es mit der Wirtschaftlichkeit der Ulixes-Systeme aus?Nagler: Unsere Ulixes-Systeme sind in der Anschaffung vergleichbar zu konventionellen Sonderlösungen. Schnellere Einsatzmöglichkeit, höhere Effektivität, ein erweitertes Anwendungsfeld und hohe Flexibilität gerade mit Blick auf Produktionsänderungen bieten zusätzliche Investitionssicherheit.MM: In welchen Branchen werden Ihre wissensbasierten Robotersysteme vorrangig eingesetzt?Nagler: Der Einstieg war für uns die Lebensmittelindustrie. Die Anforderungen sind hier enorm hoch, weil es aufgrund der Produkte dort quasi immer um Losgröße eins handelt. Dieses Segment ist mit einem Anteil von rund 70% auch unser größtes Betätigungsfeld, gefolgt von der Pharmaindustrie mit etwa 20%. Seit kurzem sind wir aber auch in der Kunststoffbranche sowie im Maschinenbau vertreten und ich gehe davon aus, dass sich in den nächsten fünf Jahren die Verhältnisse ausgleichen werden.MM: Sie bezeichnen sich als größten Anbieter von wissensbasierten Robotersystemen in Europa. An welchen konkreten Fakten machen Sie dies fest?Nagler: Wenn es um durchgängige Gesamtsysteme geht, hat imt eine Alleinstellung am Markt. Wir haben vor zehn Jahren mit wissensbasierter Technik angefangen und seit sechs Jahren Produkte auf dem Markt. Unser technischer Vorsprung wird stetig ausgebaut.MM: Herr Nagler, welches Volumen hat ist Ihrer Einschätzung nach der Markt für wissensbasierte Robotersysteme?Nagler: Wir stoßen mit unseren Ulixes-Anlagen in Bereiche vor, wo bislang manuell gefertigt wurde, weil man nicht automatisieren konnte. Deshalb ist es sehr schwer, den Markt von seinem Volumen her zu beziffern.MM: Wie beurteilen Sie ganz allgemein die Zukunftsaussichten von wissensbasierter Robotertechnik und welche Ziele haben Sie?Nagler: Wir stehen mit unseren wissensbasierten Robotersystemen erst am Anfang. Die Potenziale sind in allen Branchen sehr groß, vor allem dort, wo es um komplexe Sortieraufgaben bei einer fließenden Produktion geht und die Variantenzahl hoch ist. Für die kommenden fünf Jahre rechnen wir bei imt robot mit durchschnittlichen Steigerungen von 20%. Das Wachstum wird in Zukunft primär durch Ulixes-Technologie generiert.