Betriebsrente

Wackelt die dritte Säule der Altersversorgung?

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Für den Mittelstand wird die Belastung von Jahr zu Jahr deutlicher: Denn der Referenzzins, der in der Bilanz der Mittelständler genutzte Durchschnittszins, passt sich nur schrittweise nach unten an. Lag der Referenzzins im Jahr 2008 noch bei 5,25 %, so ist er Ende 2014 auf 4,54 % gesunken. Das hat spürbare Auswirkungen: Insgesamt mussten kleine und mittlere Unternehmen seit 2008 zusätzliche Rückstellungen in Höhe von 1,2 Mrd. Euro bilden – davon 580 Mio. Euro allein im letzten Jahr, so der DIHK in Berlin.

Pensionsfonds enttäuschen

Nicht nur für Arbeitgeber, auch für Arbeitnehmer ist die betriebliche Altersvorsorge derzeit nicht das attraktivste Modell, um fürs Alter vorzusorgen: Abschlusskosten, Inflationsrate und Verwaltungskosten sorgen dafür, dass mit der klassischen betrieblichen Altersvorsorge kaum noch positive Renditen zu holen sind. Zu den meistverbreiteten Formen zählen neben Direktversicherungen und Direktzusagen die Pensionskassen. Aber auch dabei wirken sich die Niedrigzinsen negativ aus: Nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung schwächeln die rund 30 Pensionsfonds in Deutschland nahezu ausnahmslos (siehe Grafik).

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Nach Zahlen der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht haben die Fonds von 2006 bis 2010 im Schnitt gerade mal eine Rendite von 2,75 % erzielt. Günter Pochmann, Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes, der die Zahlen im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung auswertete, meint dazu: „Insgesamt muss das Ergebnis der Kapitalanlagen für Rechnung und Risiko der Arbeitnehmer und Arbeitgeber enttäuschen.“

Arbeitgeberwechsel ist keine gute Idee

Gerade bei der Generation Y dürfte das für einen bitteren Beigeschmack sorgen: Jobhopping, also das häufige Wechseln des Arbeitsplatzes, ist heute fester Bestandteil der Arbeitswelt junger Arbeitnehmer, kaum jemand bleibt sein Leben lang bei ein und demselben Arbeitgeber. Das Problem: Erworbene Ansprüche auf eine betriebliche Altersvorsorge greifen aktuell erst nach fünf Jahren Betriebszugehörigkeit. Wer früher geht, muss oft empfindliche Einbußen in Kauf nehmen. Denn oft bieten Unternehmen unterschiedliche Arten der Betriebsrente an, neue Verträge mit oft niedrigeren garantierten Zinsen müssen geschlossen werden. Zudem werden pro Vertrag Vermittlerprovisionen fällig. Zusätzlich steigt mit jedem Jobwechsel auch das Eintrittsalter und damit steigen die zu entrichtenden Beiträge.

Deutschland braucht die betriebliche Altersvorsorge, das diktiert allein schon der demografische Wandel. Das Ziel muss sein, ein attraktives Modell zu schaffen, das die dynamische Arbeitswelt junger Arbeitnehmer genauso berücksichtigt wie die Bedürfnisse der Arbeitgeber nach mehr Flexibilität und weniger Komplexität.

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