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Widia wird zum Synonym für Hartmetallwerkzeuge
Dann kommt der Zweite Weltkrieg. Während viele Unternehmen zerstört sind oder aufgelöst werden müssen, hat das Hartmetallunternehmen eine ausreichende Menge des Rohstoffs Wolfram gehortet. Da der Konzern weiterhin das Patent über den Verbundwerkstoff innehat, der ein wichtiger Bestandteil für den Wiederaufbau der deutschen Automobilproduktion und des Bergbaus ist, darf Widia mit Erlaubnis der britischen Besatzungsmacht weiter fertigen. Das Unternehmen ist in den Nachkriegsjahren einer der bedeutendsten deutschen Hersteller von Werkzeugen. Durch die weite Verbreitung der Produkte, auch aufgrund von Änderungen in der Bautechnologie, setzt sich der Markenname stetig als Synonym für die Hartmetallwerkzeuge in der Industrie durch.
Danach weitet sich das Portfolio des Werkzeugherstellers aus: Die Magnettechnik nimmt mit Dauermagneten eine eigene Produktionssparte ein, ab 1958 folgen Legierungen für die Zahnheilkunde und biokompatible Werkstoffe für die chirurgische Implantattechnik. Die Marke wird weltweit produziert: Mitte der 80er-Jahre setzt sich das Unternehmen aus 17 Tochtergesellschaften in 14 Ländern zusammen.
Die Marke wird 2003 von der amerikanischen Kennametal-Gruppe übernommen
Trotz des Erfolges verkauft Krupp das Unternehmen in den 90er-Jahren an den Werkzeughersteller Cincinnati Milacron. Um die Jahrtausendwende herrscht eine Umbruchphase bei Herstellern von Werkzeugmaschinen wie auch bei Werkzeugherstellern. Der Konkurrenzkonzern Kennametal erwirbt so 2003 die deutsche Marke.
Das ändert einiges: Das Produktportfolio ist nun ausschließlich über Vertriebspartner im Werkzeugfachhandel erhältlich. „Durch ein eigenständiges Produktmanagement bieten wir dem Kunden geografisch nahe Vertriebspartner. Die Vertriebspartner werden regelmäßig von uns geschult und treffen sich in Foren zum Erfahrungsaustausch. Außerdem haben wir qualifizierte Anwendungstechniker, die den Endkunden bei technischen Fragen und Problemen unterstützen“, erklärt Thomas Hertl, Vertriebsleiter Zentraleuropa Nord bei Widia.
Widia wird zur Leitmarke von Kennametal
Der amerikanische Konzern baut Widia zur Leitmarke aus und führt das Portfolio mit den Kennametal-eigenen Marken Hanita und Greenfield Tap & Die zusammen. So wird das Werkzeugportfolio aufgestockt. Heute umfasst das Produktportfolio der deutschen Werkzeugmarke auch Vollhartmetall-Fräser und Gewindewerkzeuge und bleibt im Urumfeld der Hartmetallwerkzeuge.
Der Kauf durch die amerikanische Gruppe hat die deutsche Marke gestärkt. Nach wie vor besteht Widia als eigenständige Marke im Konzern – und kommt gut bei den Kunden in der Industrie an. Widia übertraf das Marktwachstum in den vergangenen drei Jahren, betont Alexander Brötz, Vertriebsdirektor Europa, Mittlerer Osten und Afrika bei Widia. Die urdeutsche Marke wird 2014 für die Zukunft im Hinblick auf Industrie 4.0 gerüstet: Mit dem Prozessplanungsassistenten Novo können Anwender Daten, Produkte und Dienstleistungen über die Cloud abrufen. Das Werkzeugauswahlsystem schlägt zudem proaktiv Lösungen für Problemstellungen vor. Auch künftig bleibt die Fertigung von Industriewerkzeugen, die hart wie ein Diamant sind, im Fokus.
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