gesponsertAus Shanghai nach Nordenham Wie sich der chinesische Werkzeugmaschinenbauer TOPNC in Deutschland etablieren will

3 min Lesedauer

Gesponsert von

Chinesische Maschinenbauer gelten in der deutschen Industrie oft noch als Newcomer mit Fragezeichen. Ausgerechnet in der Luft- und Raumfahrt, einer der anspruchsvollsten Branchen überhaupt, hat sich das Unternehmen TOPNC aus Shanghai bereits einen Namen gemacht. Jetzt will der Hersteller von High-End-CNC-Werkzeugmaschinen auch den deutschen Markt erobern – und hat dafür eine Niederlassung direkt neben einem Airbus-Werk eröffnet.

Ausgerechnet in der Luft- und Raumfahrt, einer der anspruchsvollsten Branchen überhaupt, hat sich das Unternehmen TOPNC aus Shanghai bereits einen Namen gemacht.(Bild:  TOPNC)
Ausgerechnet in der Luft- und Raumfahrt, einer der anspruchsvollsten Branchen überhaupt, hat sich das Unternehmen TOPNC aus Shanghai bereits einen Namen gemacht.
(Bild: TOPNC)

Wer sich mit dem Angebot von TOPNC beschäftigt, sieht zunächst das, was man von den etablierten Portalmaschinenbauern kennt: große, fünfachsige Bearbeitungszentren für Luftfahrt- und Strukturbauteile. Der Unterschied steckt im Detail – oder genauer: in der Traverse. „Wir sind weltweit die Einzigen, die eine Portalmaschine mit einer kombinierten Carbon- und Wabenkern-Traverse bauen“, sagt Thomas Haurenherm, Head of Sales bei TOPNC in Deutschland. Statt der bei anderen Herstellern üblichen 4,8 Tonnen schweren Z-/Y-Achsen-Konstruktion komme man auf 1,8 Tonnen – bei deutlich höherer Steifigkeit. Das führt zu weniger Masse, weniger Energiebedarf, mehr Dynamik, weniger Wärmeeintrag und weniger aufwendigen Maschinenfundamenten.

Vom Hidden Champion in China zum Börsengänger in Hongkong

Gegründet wurde Shanghai Top Numerical Control Technology, wie das Unternehmen offiziell heißt, 2007 von Wang Yuhan, Professor an der Shanghai Jiao Tong University. In China hat sich TOPNC einen Marktanteil von rund 80 Prozent im Bereich hochpräziser Fünfachs-Bearbeitungszentren für die Luft- und Raumfahrt erarbeitet – Kunden sind unter anderem Zulieferer für das chinesische Großraumflugzeug C919 sowie für Komponenten der Trägerraketenfamilie Long March, etwa großformatige Tankstrukturen mit bis zu fünf Metern Durchmesser. In diesem Jahr ist das Unternehmen an die Börse in Hongkong gegangen – ein Schritt, der laut Firmenvertretern explizit der Internationalisierung dienen soll. „Wir sind bereits erfolgreich im hochwertigen Fünfachs-Segment in China positioniert und haben viel Erfahrung in Luftfahrt und Allgemeinindustrie gesammelt. Jetzt wollen wir global werden“, so Jane Gao, Director für Commercial & International Business.

Dass der Weg auf westliche Märkte nicht automatisch über offene Türen führt, gibt man bei TOPNC offen zu. Im Luftfahrtsegment etwa hätten große Tier-1-Zulieferer zunächst abgewunken. Der Zugang gelang nach Unternehmensangaben nicht über den Preis, sondern über konkrete technische Probleme, für die man Lösungen anbot.

Service statt reiner Preisstrategie

(Bild:  TOPNC)
(Bild: TOPNC)

Für deutsche Einkäufer dürfte weniger die Traversentechnik als die Frage nach Service und Ersatzteilversorgung entscheidend sein – erfahrungsgemäß die größte Hürde bei chinesischen Lieferanten. TOPNC hat darauf reagiert: Die Europazentrale sitzt in Nordenham – bewusst in unmittelbarer Nähe zu einem Airbus-Werk. In Deutschland, Österreich und der Schweiz sind mittlerweile rund zehn Servicetechniker unter Vertrag, es gibt ein Ersatzteillager und Showrooms im Norden und Süden Deutschlands. „Uns ist eine professionelle Partnerschaft mit unseren Kunden wichtig. Es geht nicht darum, eine Maschine zu verkaufen und sich dann aus dem Staub zu machen“, so Haurenherm. Auch sprachlich will man punkten: Die Hotline werde auf Deutsch bedient, nicht auf Englisch oder Chinesisch – ein Detail, das in der Praxis über Vertrauen entscheiden kann.

Nach dem Start in der DACH-Region plant TOPNC die Expansion nach Großbritannien, Skandinavien sowie nach Frankreich und Italien. Das erklärte Ziel: In fünf Jahren zu den fünf führenden Anbietern von Großportalmaschinen weltweit zu gehören.

Mittelständisch trotz Milliardenmarkt

Ein Aspekt, der im Gespräch immer wieder durchklingt, ist die Unternehmenskultur. Trotz Börsengang und wachsendem internationalem Geschäft beschreibt sich TOPNC als eigentümergeführt und entscheidungsschnell. „Ich habe gestern eine Stunde mit dem Chef gesprochen, wir haben alle Probleme gelöst. Nicht zehn Meetings, keine ewige Diskussion“, sagt Gao. Für deutsche Mittelständler, die den direkten Kontakt zum Entscheider gewohnt sind, könnte das ein überraschend vertrautes Arbeitsmodell sein – näher an der Struktur eines deutschen Familienunternehmens als an dem Bild anonymer chinesischer Großkonzerne, das in Teilen der Industrie noch vorherrscht.

TOPFAB: Der kleine, KI-gestützte Ableger

Während die Portalmaschinen auf Großbauteile in der Luftfahrt zielen, adressiert die Tochtergesellschaft TOPFAB das andere Ende des Marktes: kompakte Fünfachs-Fräsmaschinen für Prototyping, Schulung und Kleinserien. Kernstück ist eine Desktop-Maschine mit rund 75 Kilogramm Gewicht, integrierter Kamera zur automatischen Materialerkennung und Kalibrierung, Messsystem und sechs Werkzeugplätzen. Bedient wird sie wahlweise über klassischen G-Code oder über ein KI-gestütztes Prompt-System: Nutzer fotografieren das Rohteil, geben eine Beschreibung ein, und die Software generiert daraus die Bearbeitungsstrategie – nutzbar auch vom Tablet oder Smartphone aus.

Zielgruppen sind laut TOPNC vor allem Ausbildungsstätten und CAD/CAM-Schulungen, aber auch Bereiche wie die Uhrenindustrie und Dentaltechnik, wo kleine, hochpräzise Bauteile in geringen Stückzahlen gefragt sind.

(ID:50983399)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung