Die taiwanesische Industrie hat in den letzten Wochen eine beispiellose Leistung vollbracht. Der Inselstaat stellt mittlerweile täglich 10 Millionen medizinische Schutzmasken her, unterstützt durch das „National Team“ der taiwanesischen Werkzeugmaschinenindustrie.
In kürzester Zeit hat Taiwans Industrie genug Kapazitäten geschaffen, um 10 Mio. Atemschutzmasken am Tag zu produzieren.
(Bild: Taitra)
Im Angesicht der Coronaepidemie ist das Tragen von Schutzmasken eine der wichtigsten Maßnahmen zum Schutz des medizinischen Fachpersonals vor einer Infektion. In den Kliniken kommen zum einen einfache OP-Masken aus Vlies zum Einsatz, die die Patienten etwa bei einer Operation schützen sollen. Zum anderen sind dies sogenannte FFP-Schutzmasken, die bei der Arbeit mit infizierten Patienten dem Selbstschutz des Personals dienen. Aber auch „normale Bürger“ greifen immer häufiger zu den Schutzmasken, um sich im Alltag oder bei der Arbeit vor einer Infektion zu schützen und die Ansteckungsgefahr so niedrig wie möglich zu halten. So hat sich die Nachfrage nach Schutzmasken seit dem Ausbruch des Coronavirus massiv erhöht und viele Hersteller können nicht mehr liefern – auch weil ein Großteil der Masken in China produziert wird. Wir stehen also vor einem weltweiten Versorgungsengpass.
Aufgrund der geografischen Nähe zu China ist auch Taiwan mit rund 23 Mio. Einwohnern besorgt und die Angst vor einem Überspringen der Viruserkrankung vom Festland ist groß, zumal Tausende Taiwaner in der Volksrepublik arbeiten und studieren. Dies hat zur Folge, dass sich der Erwerb von Schutzmasken zunehmend schwierig gestaltet. Doch wie deckt Taiwan diesen Bedarf? Die Antwort: Mit der Power der taiwanesischen Maschinenindustrie und der Gründung einer Taskforce als sogenannter „Nationalmannschaft“. Sie versetzt Taiwan in die Lage die erforderlichen Schutzmasken im eigenen Land zu produzieren. Dazu billigte das Kabinett Ende Januar einen Vorschlag zum Bau von 60 Fließbändern zur Herstellung von 6 Mio. Masken pro Tag. Das Ziel: die Erhöhung der Produktion auf 10 Mio. Stück pro Tag.
Bildergalerie
Die Nationalmannschaft ebnete den Weg
Eine rasche Erhöhung der Maskenproduktion erwies sich jedoch als alles andere als einfach. Denn ein Großteil der Maskenindustrie in Taiwan wurde aufgrund ihrer Unwirtschaftlichkeit vor mehr als 20 Jahren in andere Regionen der Welt, beispielsweise nach China, verlagert. Taiwans verbleibende Produzenten in diesem Segment sind rar, sodass bis zu sechs Monate erforderlich gewesen wären, um 60 Produktionslinien zu errichten. Das Regierungsziel rückte damit in weite Ferne.
In Anbetracht dieser Situation war klar, dass es einer besonderen Anstrengung bedurfte, um das von der Regierung ausgegebene Ziel zu erreichen. Am 6. Februar 2020 ermutigte Wen-Hsien Hsu, der Vorsitzende der Taiwan Machine Tool & Accessory Builders' Association (TMBA), sämtliche Mitglieder, sich freiwillig zu melden und dem Land zu helfen. In nur fünf Tagen hatte sich die erste Truppe aufgestellt und die „Nationalmannschaft“ war geboren. Kurz danach schlossen sich weitere Unternehmen dieser Initiative an.
Insgesamt kamen etwa 140 Personen aus 29 Unternehmen und drei Forschungsinstituten, aus der Werkzeugmaschinenindustrie sowie aus Instituten und Entwicklungszentren zusammen. Dazu zählten Manager, Direktoren und leitende Techniker mit vielen Jahren Erfahrung, unter anderem von Tongtai Machine & Tool, Hiwin Technologies Corp., Goodway Machine Corp., Yinsh Precision Industrial, Fair Friend Enterprise sowie das Metal Industries Research & Development Centre und das Industrial Technology Research Institute.
Nun kam es auf Teamarbeit an. Mit ihrer 30- bis 40-jährigen Expertise in Produktion und Fertigung unterstützten erfahrene Werkzeugmaschinen-Hersteller die Produzenten von Anlagen für Masken, sodass sie ihre Produktionszeit deutlich verkürzen konnten. Dazu wurden zuerst die Maschinen demontiert, anschließend die Maschinenteile klassifiziert und eine Standard Operating Procedure des Arbeitsablaufs bei der Montage der Maskenausrüstung festgelegt. Danach entwickelten sie modulare Produktionslinien und beauftragten verschiedene Werkzeugmaschinen-Hersteller mit der Bereitstellung von Arbeitszellen. Somit konnte sich jeder auf seinen Prozess und auf seine Komponente konzentrieren, was wiederum zur Erhöhung der Effizienz und gleichzeitig zur Reduktion der Produktionszeit führte. Damit konnten 60 Produktionslinien, deren Fertigstellung normalerweise vier bis sechs Monate dauert, in nur 25 Tagen eingerichtet werden. Durch die Erreichung dieses ambitionierten Ziels können auf den 60 Produktionslinien mittlerweile 10 Mio. Masken am Tag hergestellt werden.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Die Teamarbeit von Privatunternehmen, Wirtschaftsverbänden und der Regierung sowie der mit ihnen verbundenen Forschungs- und Entwicklungsinstitute hatte das Unmögliche möglich gemacht. Das Besondere und noch viel Wertvollere dabei war, dass diese Unternehmen, die jahrzehntelang im Wettbewerb miteinander standen, gemeinsam ein Ziel verfolgten, bei dem es um das Wohl der Gesellschaft ging und nicht um Profit.
Das Ergebnis von harter Arbeit, Engagement und Solidarität
Winston Tai, Präsident der Taiwan Takisawa Ltd, Co. und stellvertretender Direktor der „Nationalmannschaft“ vor Ort, erklärte seine Motivation, derart umfassend technische Unterstützung zu leisten. Er selbst war 2003 mit dem Verdacht, an dem schweren akuten Atemwegssyndrom (SARS) erkrankt zu sein, neun Tage im Krankenhaus. „Ich habe damals viel Stress und Panik aushalten müssen, sodass ich einen direkten Bezug zur Epidemie habe. Ich weiß, was es bedeutet, wenn man Angst um sein Leben hat. Ich möchte deshalb mit all meinen Kräften, Fähigkeiten und mit meinem Wissen sowohl die Industrie als auch die Regierung in der Bekämpfung der aktuellen Pandemie unterstützen.“
„Panik ist schlimmer als das Virus selbst“, ergänzt Claire Kuo, Chairman & CEO von Shieh Yih Machinery Industry Co., Ltd (SEYI). „Zunächst wollten wir uns nur dem Maskenteam anschließen, um eine öffentliche Panik zu verhindern. Jedoch wurde uns sehr schnell klar, dass wir hier viel mehr gefordert waren. Mit Einigkeit, Anstrengung und viel Energie unserer gut ausgebildeten Mitarbeiter haben wir diese Krise gemeistert. Die Arbeit im Maskenteam erforderte von allen Mitarbeitern 200 % ihrer Energie. Kaum vorstellbar, doch anstatt erschöpft zu sein, sind sie heute glücklich und fühlen sich geehrt“, so Claire Kuo. Absolut bemerkenswert ist auch, dass die Investitionen in die Nationalmannschaft wie Gehälter, zusätzliche Stundenhonorare, Verpflegung, Transport, Unterkunft und Werkzeuge von rund 167.000 Dollar von TMBA und den Werkzeugmaschinenherstellern selbst geleistet wurden.
Auch Tim Chung, General President der Kaoming Machinery Industrial Co. weiß, dass es ohne die Erfahrung der taiwanesischen Maschinenhersteller sehr schwierig gewesen wäre, 60 Maskenproduktionslinien in dieser kurzen Zeit zu realisieren. „Der Schlüssel zu dieser Höchstleistung lag in der klar und schlank organisierten Lieferkette, die die benötigte Komponenten und Systeme schnellstmöglich an Ort und Stelle gebracht haben. Ohne sie hätten wir die Maskenproduktionslinien niemals so schnell realisieren können“, erklärt Tim Chung im Gespräch.
Diese Leistung ist kein Wunder, sondern das Ergebnis von Einigkeit und harter Arbeit. Der taiwanesische Präsident Tsai Ing-wen lobte die „Nationalmannschaft“ dafür, dass sie den taiwanesischen Geist widerspiegele, und bekräftigte: „Werden Taiwaner mit Herausforderungen konfrontiert, spielt der Wettbewerbsgedanke keine Rolle mehr – sie arbeiten gemeinsam an einem Ziel, überzeugt und engagiert.“
Aufgrund steigender Infektionen auf der ganzen Welt und in Vorbereitung auf eine mögliche Ausbreitung der Krankheit in Taiwan plant das Wirtschaftsministerium mittlerweile den Bau von weiteren 32 Maskenproduktionslinien. Die Vorbereitungen dazu haben bereits am 6. März begonnen. Am 20. März wurden 32 Produktionslinien für Masken vorzeitig fertiggestellt, der Lauftest der Maschinen wurde ebenfalls vorzeitig am 24. März beendet. Mit 92 Produktionslinien könnte die Maskenproduktion Anfang April bis zu 13 Mio. Masken pro Tag herstellen.
„Werkzeugmaschinenhersteller aus Japan und Europa fragten mich jetzt sogar, wie es für die Nationalmannschaft Taiwans überhaupt möglich ist, das zu schaffen“, erklärt Wen-Hsien Hsu, der Vorsitzende von TMBA, voller Stolz auf das Projekt.