Emissionen Wie umweltfreundlich ist klimaneutral?

Autor: Gary Huck

Bis 2050 ist die Null das Ziel beim Klima. Aber keine Emissionen wird es nicht geben. Trotzdem ist es wichtig, gegen Null zu gehen.

Firmen zum Thema

Klimaneutralität ist das Ziel vieler Unternehmen. Aber nur weil ein Betrieb auf dem Papier bei „Null“ steht, heißt das nicht, dass er keine Emissionen produziert.
Klimaneutralität ist das Ziel vieler Unternehmen. Aber nur weil ein Betrieb auf dem Papier bei „Null“ steht, heißt das nicht, dass er keine Emissionen produziert.
(Bild: ©oxinoxi - stock.adobe.com)

Die Klimastrategie der Bundesregierung sieht vor, das Deutschland bis 2050 weitgehend klimaneutral sein soll. Aber was heißt das eigentlich genau? Werden 2050 dann keine Emissionen mehr ausgestoßen? Das ist nicht machbar, denn Emissionen entstehen fast überall. Egal wie nachhaltig wir uns aufstellen, wirklich klimaneutral werden wir nie Leben können. Was soll dann aber bis 2050 erreicht werden?

Klimaneutralität, die erreichbar werden soll, ist ein CO2- und CO2-Äquivalent-Nettoausstoß von Null. Das bedeutet: alle Emissionen, die produziert werden, werden an anderer Stelle wieder kompensiert. Für Unternehmen gibt es dafür zwei Möglichkeiten:

Aktive vs. Passive Einsparungen

Aktive Einsparung: Das Naheliegendste ist es, Prozesse zu verändern und darüber Emissionen zu reduzieren. Unternehmen haben dafür viele Möglichkeiten. Solarzellen auf Hallendächern können Grünen Strom für den Betrieb produzieren. Effizientere Maschinen und Geräte können den Stromverbrauch senken. Zum einen kann man darüber die Menge an fossilem erzeugtem Strom, den man braucht, verringern. Zum anderen kann so der selbst erzeugte grüne Strom für mehr Applikationen genutzt werden.

Auch Unternehmen, die keine physischen Waren produzieren, können etwas tun. Man kann Flotten von Dienstwägen mit Elektrofahrzeugen ausstatten oder Büroräume über smarte Steuerungen punktueller heizen oder beleuchten. Daneben gibt es noch unzählige weitere Ansätze.

Auch die besten Maßnahmen werden aber vermutlich nicht dafür sorgen, dass eine Firma keine Emissionen mehr ausstößt. Um klimaneutral zu sein reicht es aber schon aus, alle Emissionen die man produziert, mit Sparmaßnahmen, wie beispielsweise mit den soeben genannten, zu kompensieren.

Passive Einsparung: Firmen können auch Emissionen sparen, ohne selbst direkt tätig zu werden. Man kann sich von Emissionen auch „freikaufen“. Über Zertifikate ist es möglich, Klimaprojekte zu unterstützen. Die CO2 Einsparungen, die im Projekt mit dem vom Unternehmen gezahlten Geld erreicht werden, zählen dann als Einsparung für das Unternehmen selbst.

Nehmen wir an eine Firma stößt pro Tag 1 t CO2 oder CO2-Äquivalent aus. Um das zu kompensieren, müsste der Betrieb pro Jahr beispielsweise etwa 22.900 Bäume pflanzen lassen (80 neu gepflanzte Buchen binden pro Jahr etwa 1 t CO2). Natürlich kann man auch in andere Projekte zur CO2-Einsparung investieren.

So schlecht klingt das auch nicht, denn immerhin werden Emissionen reduziert. Aber dadurch wird das Problem nicht gelöst. Wenn wir das Klima schützen wollen, müssen wir primär vor der eigenen Haustür kehren. Denn sonst verschiebt sich das Problem in die Zukunft. Auf dem Papier mag man dann vielleicht „neutral“ sein, aber die Realität sieht doch anders aus. Hier geht es um Eigenverantwortung. Wenn Unternehmen aus unterschiedlichen Wirtschaftsräumen zumindest versuchen lokal ihre Emissionen zu reduzieren, ist schon viel erreicht.

Nicht freikaufen, sondern sich engagieren

Auch dabei können Zertifikate eine Rolle spielen. Keine Zertifikate, um sich von Emissionen freizukaufen, sondern eine Bestätigung des Engagements für den Klimaschutz. Der TÜV bietet so etwas zum Beispiel an.

Solche Zertifikate sind eine gute Möglichkeit, für Unternehmen zu zeigen, dass sie wirklich etwas für ihre Region tun. Die Effekte einer CO2-Einsparung sind nicht sofort sichtbar, ein Zertifikat macht sie greifbarer. Ein Betrieb kann dadurch außerdem ein beliebter Arbeitgeber für junge Fachkräfte werden. Die Generation, die gerade ihre Karriere startet, ist für das Thema Klimaschutz mehr und mehr sensibilisiert. Junge Fachkräfte legen bei der Berufswahl auch Wert darauf, was der Arbeitgeber im Bereich Nachhaltigkeit tut.

Wie bereits anfangs erwähnt, wird es eine echte Emissionsneutralität nie geben. Auch ohne den Menschen wäre das nicht möglich. Aber trotzdem ist es ein sinnvolles Ziel, Emissionen so weit wie möglich einzuschränken. Der technische Fortschritt trägt auch dazu bei, dass mehr Möglichkeiten hat CO2 und andere Treibhausgase zu reduzieren. Klimaschutz ist ein konstanter Prozess. Zielvereinbarungen und Verträge sind eine Möglichkeit, das Thema auf der Agenda zu halten.

(ID:47305311)

Über den Autor