Olé oder Oh weh? Wird Spanien zum EU-Wirtschaftswunder?

Quelle: dpa 2 min Lesedauer

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In Davos verwies Spaniens sozialistischer Regierungschef Pedro Sánchez stolz auf die starke Wirtschaft seines Landes, die so viel besser dasteht als die deutsche ...

Stolz blickt der spanische Stier in die Gegend. Er hat auch allen Grund dazu! Denn Spaniens Wirtschafttentwicklung scheint derzeit – wie ein wilder Stier – nicht zu bremsen zu sein, so die Berichte. Aber wird es auch so weitergehen? ... (Bild:  Spanickel)
Stolz blickt der spanische Stier in die Gegend. Er hat auch allen Grund dazu! Denn Spaniens Wirtschafttentwicklung scheint derzeit – wie ein wilder Stier – nicht zu bremsen zu sein, so die Berichte. Aber wird es auch so weitergehen? ...
(Bild: Spanickel)

Auf der großen Bühne des Weltwirtschaftsforums gibt sich Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez bescheiden. Doch den Unternehmenschefs und Politikern in Davos ist dennoch nicht entgangen, dass das südeuropäische Land derzeit wirtschaftlich hervorragend dasteht, wie die dpa erfahren hat. Während deutsche Topmanager ein drittes Rezessionsjahr in Folge fürchten müssen, könnten Spaniens Player zur Wachstumsmotor in Europa avancieren, so die Ansicht der dabei gewesenen Experten. Das belegen auch die Zahlen! Spaniens Wirtschaft wuchs 2024 nach Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 3,1 Prozent, wobei es sogar die USA überholt hat. Als eine Erklärung für den Erfolg nannte Sánchez die saubere Energie, mit der das Land arbeiten kann, weil es mit viel Sonnenschein gesegnet ist. Aber auch der boomende Tourismus und der nach der Dürre wiedererstarkte Agrarsektor trügen dazu bei. Er will nach eigenen Worten Spanien zur weltweit besten Wirtschaft verhelfen.

Warum hinkt Deutschland hinter Spanien her?

Der deutsche Wirtschaftsminister Robert Habeck sprach in Davos zur gleichen Zeit genau so auf wie der Spanier. Die Fragen an ihn waren aber deutlich unbequemer, sagt die dpa. Und das nicht ohne Grund. Deutschlands Wirtschaft ist bekanntlich zwei Jahre in Folge geschrumpft. Vielen Umfragen zufolge erwarten die meisten Führungskräfte, dass es auch in diesem Jahr nicht viel besser wird. Der IWF rechnet maximal mit einem Wachstum um 0,3 Prozent. Habeck gab zu, dass man sich angesichts der Corona- und der Energiekrise getäuscht hatte, wie es um die Erholungskraft der deutschen Wirtschaft bestellt ist. Man habe einfach übersehen, dass die Krisen keine kurzfristigen seien. Diese Fehleinschätzung trifft nun vor allem die deutsche Industrie: Maschinen- und Autobau produzieren deutlich weniger und Chemie- und Metallindustrie kämpfen mit hohen Strompreisen. Dazu schwächelt noch der Außenhandel. Und längst drücke die Krise auf die Verbraucherstimmung.

Wo viel Sonne scheint, gibt es auch Schattenbereiche

Bei all der tollen Wirtschaftsentwicklung in Spanien darf nicht übersehen werden, dass die Staatsverschuldung bei über 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt, wie Experten anmerken. Für Deutschland dagegen rechnete das Finanzministerium im Sommer mit einer Schuldenquote von nur rund 64 Prozent. Dazu kommen in Spanien immense staatliche Ausgaben, die das Wachstum automatisch kräftig anschieben. Wirtschaftsexperten befürchten deshalb, dass Spaniens Konjunkturentwicklung sozusagen auf tönernen Füßen steht und bei einem Stopp der Staatsgelder zusammenbrechen wird. Kritik kommt auch aus den eigenen Reihen: „Das Wachstum der spanischen Wirtschaft kommt einfach nicht bei den Menschen an“, warnte etwa Mertxe Aizpurua von der baskischen Partei EH Bildu. Die Unternehmensgewinne würden steigen, aber nicht die Gehälter.

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