Allianz Trade Studie Zahlungsmoral von Unternehmen unter Niveau von 2008

Quelle: Pressemitteilung von Allianz Trade 2 min Lesedauer

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Die weltweite Zahlungsmoral beträgt mittlerweile 59 Tage – ein plus von drei Tagen im Vorjahresvergleich. Sinkende Rentabilität und neue EU-Verordnung könnten den Trend noch stärken.

Die Zahlungsmoral vieler Unternehmen weltweit ist im vergangenen Jahr gesunken. Unternehmen benötigen durchschnittlich 59 Tage, um eine Rechnung zu begleichen.(Bild:  Marco Scisetti - stock.adobe.com)
Die Zahlungsmoral vieler Unternehmen weltweit ist im vergangenen Jahr gesunken. Unternehmen benötigen durchschnittlich 59 Tage, um eine Rechnung zu begleichen.
(Bild: Marco Scisetti - stock.adobe.com)

Seit 2008 hat es keinen derartigen Anstieg der „Days of Sales Outstanding“ (DSO), also der Tage, die ein Unternehmen benötigt, um offene Rechnungen zu begleichen, gegeben. Um drei Tage sind die DSO auf 59 Tage angestiegen, dieser Anstieg ist fast doppelt so hoch wie 2022. Dies geht aus den Ergebnissen einer Studie der Allianz Trade hervor. Auch in Deutschland und Europa hat sich die Zahlungsmoral verschlechtert, jedoch nicht ganz so stark wie in anderen Regionen der Welt. Deutsche Unternehmen begleichen ihre Rechnungen im Schnitt nach 54 Tagen. Auch Firmen in den Niederlanden oder Skandinavien zahlen schneller als der weltweite Schnitt. In Frankreich, Italien und Spanien sowie im asiatischen Raum werden die Rechnungen im Durchschnitt deutlich später bezahlt.

Zahlungsmoral könnte weiter sinken

Doch in Deutschland droht ein Rückgang der Rentabilität. Dieser wirkt sich stark auf das Zahlungsverhalten von Unternehmen aus, stärker noch als die Finanzierung oder der Konjunkturzyklus. Eine verlangsamte globale Nachfrage im Jahr 2024 könnte dabei die Zahlungsbereitschaft weiter verschlechtern. Hohe Betriebskosten könnten diesen Effekt – insbesondere in Europa – zusätzlich verschärfen.

Ano Kuhanathan, Head of Corporate Research der Allianz Trade, schätzt, dass bei einem Rückgang der Rentabilität um einen Prozentpunkt die Zahlungsfristen um 7 Tage verlängert werden könnten. „Angesichts der drohenden Rentabilitätseinbußen im Jahr 2024 sollten sich europäische Unternehmen auf längere Zahlungsfristen einstellen", so Kuhanathan. Die Gefahr für den Cashflow und damit drohende Insolvenzen sieht auch Milo Bogaerts, CEO der Allianz Trade: „Wir erwarten, dass die Insolvenzen in der Bundesrepublik im Jahr 2024 um 13 Prozent steigen werden.“

Neue EU-Verordnung würde wirtschaftliche Lage von Unternehmen verschärfen

Die EU plant eine Kürzung der Zahlumgsfristen von 60 Tagen auf 30 Tagen. Das geht aus einem Vorschlag der Europäischen Kommission hervor. Dies würde deutlich weniger Flexibilität für Unternehmen bedeuten. Das Europaparlament hat zwar eine Verlängerung auf 60 Tage ergänzt, wenn dies vertraglich vereinbart wurde, bei bestimmten Waren sogar auf 120 Tage. Für viele Unternehmen dürfte das jedoch nicht ausreichen und erhebliche wirtschaftliche Folgen haben. Zudem würde durch die geplante Verordnung zunächst einen zusätzlichen Kapitalbedarf bedeuten. Im vergangenen Jahr warteten 41 Prozent der europäischen Unternehmen über 60 Tage auf ihr Geld.

„Die europäischen Unternehmen bräuchten 2 Billionen Euro an zusätzlichen Finanzmitteln, um die Zahlungsfristen auf 30 Tage zu verkürzen“, sagt Ana Boata, Head of Macroeconomic Research bei Allianz Trade. Durch die derzeitigen Zinsen würde dies eine Zinslast von 100 Milliarden Euro bedeuten.

Sollten die Pläne der Europäischen Kommission umgesetzt werden, könnte sich die – noch vergleichsweise gute – Zahlungsmoral der deutschen Unternehmen spürbar verschlechtern. Insbesondere, falls auch die Rentabilität, wie von Experten prognostiziert, weiter sinken sollte.

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