Zeichnungsteile im Internet: Prozesskostenvorteile locken
Zwar schwächelt sie momentan ein wenig, die New Economy ,,und für viele Internet-Luftschlösser wird die Luft zunehmend dünner", meint Dietmar Schmidt, IT-Stratege der Frankfurter BHF Bank, nicht ohne...
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Zwar schwächelt sie momentan ein wenig, die New Economy ,,und für viele Internet-Luftschlösser wird die Luft zunehmend dünner", meint Dietmar Schmidt, IT-Stratege der Frankfurter BHF Bank, nicht ohne Süffisanz. Für Angebote mit erkennbarem Kundennutzen bestünden jedoch weiterhin gute Chancen. Dazu müssen wohl auch die Internetplattformen für Fertigungskapazitäten und Zeichnungsteile gezählt werden, die mittlerweile wie Pilze aus dem Boden schießen.Das Interesse an diesen Plattformen ist erstaunlich. So konnte beispielsweise die Münchener Online-Kapazitätenbörse www.techpilot.net seit ihrem Going Live im Dezember 2000 mehr als 800 Nutzer anlocken - obwohl sich dieser Marktplatz ausschließlich an die Metall verarbeitende Industrie wendet. Auch www.manufacturing-trade.com, ein firmenneutraler Internet-Marktplatz für Zeichnungsteile, Baugruppen und Kapazitäten ging mit einem ganzen ,,Sack" illustrer Kunden - darunter SMS Demag und J.M , Voith - an den Start.Dabei ist die Idee, Fertigungskapazitäten über das Internet zu handeln nicht einmal sonderlich neu. Bereits vor einigen Jahren hatten mutige Gründer am Konstanzer Technologiezentrum an einer solchen Datenbank ,,gebastelt" - wenngleich ohne durchschlagenden wirtschaftlichen Erfolg. Wahrscheinlich war die Zeit dafür einfach noch nicht reif. Für die umworbene Klientel - mittelständische Maschinenbauer und Lohnfertiger - waren Internet und E-Commerce vielfach noch ,,spanische Dörfer". Zwischenzeitlich haben sich die Rahmenbedingungen radikal geändert. Mehr als 80% der deutschen Maschinenbauunternehmen nutzen heute das Internet zur Informationsbeschaffung, haben die Analysten von TechConsult herausgefunden. 56% aller Unternehmen im deutschsprachigen Raum, so eine Studie von Consulting Partners, verfügen über eine eigene Website, ein weiteres Drittel plant eine solche für das erste Halbjahr 2001. Outsourcing wird zum ErfolgsfaktorNach Schätzungen von IBM-Deutschland-Matermind Erwin Staudt werden spätestens im Jahr 2005 alle Industrien auf mehr als 10000 E-Marketplaces handeln und zwischen 30 und 40% des gesamten E-Commerce-Umsatzes erwirtschaften. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil daran dürfte der Maschinenbau haben. Mehr als 100000 Maschinenbauunternehmen gibt es in Europa und die Zeichen stehen - trotz der momentanen eher flauen Ordertätigkeit - unverändert auf Wachstum.Die Margen ber, das weiß auch Techpilot-Geschäftsführer Frank Sattler, ,,sind eng", der Trend zum Outsourcing ist folglich ungebrochen. Bis zu 80% des Wertes einer neuen Maschine entfallen mittlerweile auf zugekaufte Komponenten und Leistungen. Folglich sei der Einkauf fremdgefertigter Teile zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für den Maschinenbau geworden, meint Paul de La Rochefoucauld, CEO des Genfer Zeichnungsteilepioniers SourcingParts SA. Das Marktvolumen allein bei Engineered Components beziffert Christian Schäfer, Geschäftsfürer der Collaborating-Plattform ec4ec auf mehr als 400 Mrd. Euro.Weil aber die Preisspielräume im Outsourcing vielfach ausgereizt sind, müssen die Gewinne anderswo entstehen. Reserven gibt es noch auf der Prozesskostenseite. Und genau dort lokalisiert denn auch Techpilot-Manager Sattler die Vorteile des Internethandels mit Lohnaufträgen: ,,Ausschreibungen waren bisher mit zei- und kostenintensiven Einzelanfragen und Nachverhandlungen per Telefon, Fax und Post verbunden." Umgekehrt stünden, so Sattler, viele mittelständische Fertigungsunternehmen vor dem kaum lösbaren Problem, ihre freien Kapazitäten mit vernünftigem Aufwand am Markt anzubieten. Techpilot schaffe hier die nötige Transparenz und erleichtere die Auswahl geeigneter Partner: ,,Der Einkäufer findet schnell und kostengünstig qualifizierte Zulieferer und kann effizient Angebote einholen und Aufträge vergeben. Der Zulieferer hat durch techopilot.net eine ständige Vertriebspräsenz, ohne Investitionen tätigen zu müssen." Um 30 bis 40% niedrigere Handlingkosten im Outsourcingbereich stellt Techpilot-Geschäftsführer Sattler in Aussicht. Handeln ohne Zeitverzögerung verspricht dagegen Techpilot-Konkurrent www.emporum.com. Teuere Anzeigenschaltungen könne sich der Nutzer des ,,ersten provisionsfreien Marktplatzes für den Maschinenbau,, (O-Ton) schenken und Verzögerungen bei der Geschäftsanbahnung sollen endgültig der Vergangenheit angehören.Doch wie funktioniert das Ganze in der Praxis?Bei Techpilot etwa ,,stellt das einkaufende Unternehmen sein bestehendes Netzwerk an Zulieferunternehmen auf der Plattform dar, was bedeutet, dass sein Lieferantenstamm mit den vorhandenen Maschinen und den damit verbundenen Fertigungstechnologien für Ausschreibungen zur Verfügung steht", erläutert Sattler. Jedoch anders als früher ,,findet die gesamte Verwaltung des Beschaffungsprozesses auf der Plattform statt. Das vereinfacht die Administration und Kommunikation." Neben den geschlossenen Nutzerkreisen, gibt es bei Techpilot noch den ,,offenen Markt". Hier können Einkäufer neue Beschaffungsquellen recherchierenm, freie Ausschreibungen tätigen und neue Geschäftsbeziehungen knüpfen. Ausschreibungsraster verbessert MatchingBei www.sourcingparts.com, dem ,,multifunktionellen Marktplatz für sondegefertigte Maschinenteile", liegen die Rationalisierungsvorteile ebenfalls im besseren Matching von Angebot und Nachfrage sowie der optimierten Kommunikation zwischen Einkäufer und Lierferant, Der Einkäufer von Maschinenteilen schreibt hier seinen Bedarf anhand eines standardisierten Fertigungsdatenrasters aus. Missverständnisse, die langwieriges ,,Hinterhertelefonieren" oder Nachverhandeln nötig machen würden, sind damit weitgehend ausgeschlossen. Seit dem Relaunch im September 2000 hat die Website nicht nur in optischer Hinsicht zugelegt. So können Ausschreibungen jetzt auch mit 3D-CAD-Dateien versehen werden. Außerdem hat sich die Leistungspalette durch die Kopperation mit dem französischen Katalogspezialisten Industry-Suppliers um industrielle Standardkomponenten erweitert.Als Nummer 1 bei Zeichnungsteilen sieht sich First Index, 1992 gegründet. Mehr als 7000 haben allein im vergangenen Jahr mehr 28000 Ausschreibungen auf www.firstindex.com platziert Das Transaktionsvolumen liegt nach Aussagen von Michael Bennett, Mitglied des Managementboards, bei mehreren Mrd. DM - ein Volumen, das ,,nur wenige B-to-B-Marktplätze erreichen". Newcomer ec4ec (www.ec4ec.com) sieht darin offenbar kein Problem: 6,5Mrd. Euro per annum will das im Februar dieses Jahres ,,ins Netz" gegangene globale Internet-Portal für den Maschinen- und Anlagebau bis spätestens 2003 über den Marktplatz bewegen. Neben technischen Infos für den Maschinenbau und Ausschreibungen setzt die neue Plattform auf Collaborative Engineering. Kernstück ist die geschützte ,,Private Area", wo Angebote abgegeben, Anfragen platziert oder Auktionen gestartet werden können. Hier findet auch die Collaboration statt, bei der Unternehmen Entwicklung- und Konstruktionsdaten austauschen und komplette Engineering-Projekte über das Web managen können. Selbst komplexeste Maschinen und Anlagen ließen sich so online beschaffen, hob Babcock-Vorstand Gisbert Rühl bei der First User Session im Februar hervor. Zwar wird ec4ec zunächst einmal primär von der Gründern (Babcock Borsig, mg technologies, VA technologies) als Sourcing-Plattform genutzt, doch seien so ec4ec-Geschäftsführer Christian Schäfer, Unternehmen aller Größenordnungen eingeladen, sich an dem neuen Branchenforum aktiv zu beteiligen und damit in neue Dimension des E-Business zu starten.