Wärmebehandlung 21-t-Zahnrad kommt zum Härten aus den USA nach Bochum

Redakteur: Stéphane Itasse

Mit Investitionen von insgesamt 23 Mio. Euro hat eine Bochumer Härterei eine neue Großofenanlage errichtet, die eine besonders verzugsarme Einsatzhärtung ermöglicht. Jetzt hat ein Kunde aus dem US-amerikanischen Cleveland die Möglichkeiten dieser Anlage erstmals für sich genutzt.

Anbieter zum Thema

Um dieses 21 t schwere Zahnrad zu härten, ohne das größere Nacharbeiten notwendig wurden, hat es sich gelohnt, es von Cleveland nach Bochum zu bringen.
Um dieses 21 t schwere Zahnrad zu härten, ohne das größere Nacharbeiten notwendig wurden, hat es sich gelohnt, es von Cleveland nach Bochum zu bringen.
(Bild: Härterei Reese/Holger_Seybold)

Horsburgh & Scott ist ein Getriebehersteller in Cleveland (USA) und produziert kundenspezifische Industriegetriebe und Getriebemotoren für über 400 Kunden in aller Welt, wie die Härterei Reese GmbH, Bochum, berichtet. Haupteinsatzgebiete seien Stahlindustrie, Bergbau, Windkraft, Zuckermühlen und Schienfahrzeuge. H&S gehöre zu den wenigen Getriebeherstellern, die in der Lage sind, Zahnräder mit einem Durchmesser von bis zu 25 m herzustellen.

Neues Härteverfahren macht Transport tonnenschwerer Bauteile lohnend

Die Geschäftsführung der Härterei Reese Bochum informierte das Management von H&S über ein härtetechnischer Verfahren, das eine neue Dimension für die Wärmebehandlung großer Bauteile eröffnet, wie es in der Mitteilung des Unternehmens heißt. Das erste Großzahnrad mit einem Gewicht von 21 t, einem Durchmesser von über 3 m und einer Zahnbreite von 781 mm sei aus dem 6470 km entfernten Cleveland auf dem Schiffsweg nach Hamburg gebracht worden. Vom Hamburger Hafen aus erreichte das Zahnrad auf einem Schwertransporter die Härterei in Bochum-Riemke.

Die Einsatzhärtung sei nach einem speziellen Vertikalverfahren erfolgt. Dank der neuen Bochumer Härtetechnik konnte es laut Mitteilung am H&S-Produktionsstandort Cleveland zu geringeren Kosten endberarbeitet werden. „Die Vorteile, die wir durch unsere neue Technologie bieten können, wiegen die Kosten der Logistik für große Getriebe- und Anlagenbauteile selbst über große Entfernungen auf“, erläutert Härterei-Geschäftsführer Gerhard Reese.

Neuer Großofen nimmt Bauteile bis 5000 mm Durchmesser und 50 t Gewicht auf

Schon 2012 hatte das Unternehmen eine komplett neue Härterei für große Bauteile auf seinem Betriebsgelände in Bochum gebaut. Die Technik sei mit drei modernen Öfen, einem Abschreckbecken, einer Strahlanlage und einem 50 t-Kransystem in einer neuen 4000-m²-Werkshalle realisiert worden. „Wir bieten der Getriebeindustrie und dem Anlagenbau die größte Anlage zum Schutzgashärten. In dieser Anlage können zum Beispiel Großzahnräder mit einem Durchmesser bis 5000 mm und einem Gewicht bis 50 t nicht nur horizontal, sondern auch vertikal einsatzgehärtet werden“ sagt der Geschäftsführer.

Durch die neue Anlage mit der speziellen Injektionstechnik und den neuen Chargiertechniken, wird laut Mitteilung die verzugsarme Einsatzhärtung von Großzahnrädern in einer reproduzierbaren Qualität ermöglicht, die bisher nicht angeboten werden konnte. Durch die vertikale Chargierung der Zahnräder gingen der wärmebehandlungsbedingte Planschlag und die Koniziät gegen Null. Auch die Ovalität könne stark reduziert werden. Reese erläutert dies an einem Beispiel: „Ein Härteverzug von 1 ‰ bei einem Zahnrad mit einem Durchmesser von 1000 mm beträgt 1 mm. 1 ‰ würde aber bei einem Durchmesser von 5000 mm zu 5 mm Härteverzug führen. Doch 5 mm beträgt meist die ganze Einsatzhärtungstiefe. Das würde bedeuten, dass praktisch die gesamte Härteschicht abgeschliffen werden müsste, um die Geometrie zu halten.“

(ID:42944802)