Industriedesign 4. Ammerbucher Design Talk mit Porsche-Chefdesigner Michael Mauer
Ammerbuch (js) – Tiefe Einblicke in das Innenleben einer Design-Werkstatt hat Michael Mauer am 18. Oktober 2007 beim 4. Ammerbucher Design Talk gewährt. Unaufgeregt und authentisch zeigt der Chefdesigner von Porsche auf, wie 911er, Boxster oder aktuell der Panamera entstehen. „Für mich muss Design immer eine Verbesserung bringen, sonst lasse ich es bei der vorhandenen Form,“ so Mauer auf die Frage von SWR-Moderator Markus Brock, ob das Andere immer das Bessere sei.
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Gastgeber Jürgen R. Schmid relativiert die Antwort. Der 911er sei ein Klassiker, den man fortschreiben müsse, was schwer genug sei. Viele andere Produkte müssten aber erst zu Marken werden, was durch Differenzierung passiere. „Deshalb ist das total Andere per se besser,“ so Schmid. Einig sind sich die Talker, dass Porsche seine Autos nicht aggressiv gestalten muss. Gerade das Understatement der Marke mache den Reiz aus.
Wie er es schaffe, den Flitzern Emotion einzuhauchen, will Brock wissen. Der 45-jährige Gast, der schon für Mercedes-Benz in Japan und für Saab in Schweden gearbeitet hat, schmunzelt. Die Summe der Details mache den Erfolg, die komponiert werden müssen. Das reicht von der Optik der Kotflügel über die Anordnung der Komponenten und die Haptik bis zum Sound des Motors.
Die 50 exklusiven Gäste, darunter Homag-Vorstandsvorsitzender Achim Gauß oder der geschäftsführende Gesellschafter der Robert Bürkle GmbH, Hans-Joachim Bender, erleben viel Kurzweil. So schildert Mauer, wie bis zu 120 Modelleure, Visualisierer, Studioingenieure und Designer bei Latte Macchiato und Musik kooperieren, um in mehreren Schritten ein Auto von der Idee bis zum Produkt zu realisieren. „Dass die Menschen immer größer – und in manchen Ländern auch breiter – werden, ist ein Problem für uns Designer,“ sagt der agile Ästhet.
„Denn die drei wichtigsten Punkte im Automobildesign sind die Proportion, die Proportion und die Proportion,“ so das Credo Mauers, der in Begleitung seines Pressekollegen Eckhard Eybl kommt, damit er nicht allzu locker vom Hocker erzählt, wie die Zusammenarbeit mit Wendelin Wiedeking verläuft. Der Druck sei aber schon riesengroß. Nach gut einer Stunde und um viele Einsichten reicher, endet der Talk. Und die Führungskräfte und Chefdesigner der südwestdeutschen Industrie wie Hilti, Festo oder Heidelberger Druck bleiben beim Büfett von Edelgastronom Uwe Förster aus Reutlingen bis spät in die Nacht.
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