Porträt

500 Jahre Leonardo da Vinci

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Kombination einfacher Maschinenelemente

Der Ingenieur da Vinci entwirft Flugmaschinen, Kriegsgeräte, hydraulische Vorrichtungen, Arbeitsmaschinen, Bühnentechnik, Musikinstrumente und vieles mehr. Durch Variation, Modifikation und Kombination einfacher Maschinenelemente komplexe technische Geräte im Kopf entstehen lassen und diese visualisieren – das ist sein Wirken. Und wenn er ganze Kanonensysteme, eine Armbrust mit einer Bogenspannweite von 30 m, verschiedenste Flugapparate, ein Unterseeboot und den Vorläufer eines Hubschraubers zeichnet, so sind dies für ihn sicher technische Ideen, die utopischen Charakter haben, mit denen er bei Hofe beeindrucken möchte. In Rom konstruiert er sogar einen mechanischen Löwen, der sich zum Erstaunen aller Gäste des Papstes einige Schritte alleine fortbewegen kann. Vor allem jedoch sprechen die Ideen für seine Genialität. Mit seinem zeichnerischen Talent beeindruckt er mit Perspektive, spielt mit Licht und Schatten und schafft dadurch in der Zeichnung eine nie zuvor vorhandene Transparenz.

Ein besonderes Meisterwerk ist sein „Automobil“

Ein besonderes Meisterwerk seiner Ingenieurskunst ist dabei sein „Automobil“. Dabei handelt es sich nicht um ein Auto im heutigen Sinne, sondern um einen Wagen mit Eigenantrieb mit den Seitenlängen von jeweils einem Meter und einer Höhe von etwas weniger als einem Meter. Es besteht die Vermutung, dass das Gerät für die Bühne eines Theaters gedacht war. Dazu widmet sich der Italiener dem Antrieb durch Federn in einer Abhandlung über Maschinenelemente, kombiniert Springfedern, Zahnräder und Nocken zu einem Meisterwerk eines Motors und sieht nach neuesten Erkenntnissen sogar eine Bremse vor.

Sein Anliegen liegt wohl darin, die Dynamik einer Funktionsweise zu vermitteln und für Automatisierung zu begeistern. Dazu zeichnet er Bilder einzelner Teile und simuliert dadurch die Bewegung. Somit kann man Galluzzi sicher zustimmen, wenn er über da Vinci sagt: „Als Erster erkannte er die Notwendigkeit eines neuen Ansatzes in der Wiedergabe technischer Abläufe: Er verstand die technische Zeichnung als einen Wissenskomplex, der in der Lage ist, drei Aspekte visuell umzusetzen: das äußere Aussehen von Maschinen und Vorrichtungen, die mechanischen Prinzipien, nach denen sie funktionieren, und die analytische Bauweise ihrer Einzelteile.“ Leonardo da Vinci war ein genialer Ingenieur, exzellenter Maler und unermüdlicher Forscher und Denker. Selbst 500 Jahre nach seinem Tod entdecken Wissenschaftler immer wieder Neues auf seinen hinterlassenen Zeichnungen.

* Alexander Völkert ist Fachjournalist für Automatisierungstechnik in 12049 Berlin

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