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Porträt

500 Jahre Leonardo da Vinci

| Autor/ Redakteur: Alexander Völkert / Reinhold Schäfer

In Denkfabriken entwickeln im 21. Jahrhundert viele kluge Menschen Ideen und Szenarien für eine lebenswerte Zukunft. Vor einem halben Jahrtausend passierte das in Italien auch schon – der Unterschied dabei: Es geschah durch eine einzige Person. Anlässlich des 500. Todestages berichten wir über Leonardo da Vincis Können als Maschinenkonstrukteur.

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Leonardo da Vincis Ingenieurszeichnungen gehen vom Automobil (im Bild) über Unterseeboote und Kriegsgeräte bis hin zu Flugmaschinen.
Leonardo da Vincis Ingenieurszeichnungen gehen vom Automobil (im Bild) über Unterseeboote und Kriegsgeräte bis hin zu Flugmaschinen.
( Bild: ©janaka Dharmasena - stock.adobe.com )

Am 2. Mai 1519 stirbt der große italienische Universalgelehrte der Renaissance in Frankreich auf Schloss Clos Lucé, das ihm der 20-jährige König von Frankreich drei Jahre zuvor inklusive einer Pension auf Lebenszeit zur Verfügung stellte. Seine Majestät ist ein großer Verehrer des Meisters. 500 m trennen das königliche Schloss an der Loire von dem des greisen Italieners – ein unterirdischer Gang verschafft beiden jederzeit Zugang zum anderen. Als Leonardo da Vinci sich entschließt, seinen Lebensabend in Frankreich zu verbringen, hat er bereits viele Jahre für die Medici in Florenz, für den Herzog von Mailand, den Papst in Rom und den vorherigen französischen König gearbeitet. Seinem Lieblingsschüler Francesco Melzi hinterlässt er sein geistiges Erbe: Tausende von Skizzen, Zeichnungen und schriftlichen Aufzeichnungen – verfasst auf Papierbögen und in zahlreichen Notizbüchern. Auf Melzi wartet die Lebensaufgabe, den Nachlass zu ordnen. Eigens dafür stellt er zwei Sekretäre ein.

Wenngleich der Notar Piero da Vinci das Talent seines Sohnes erkennt und ihn mit 17 Jahren zu einem anerkannten Bildhauer nach Florenz schickt, ahnt er sicher nicht, dass sein Sprössling einer der größten Universalgelehrten der Menschheit werden wird. Leonardo da Vinci erfindet nicht nur neue Maltechniken und schafft mit der „Mona Lisa“ und dem „Abendmahl“ die sicher bekanntesten seiner Werke. Er studiert auch intensiv die Natur, beschäftigt sich mit Optik und der Anatomie. Bei all seinem Wissens- und Forscherdrang fasziniert ihn wohl der Gedanke, die Kraft des Menschen durch Maschinen zu verstärken. Geradezu versessen scheint er von der Idee zu sein, Prozesse zu automatisieren und zu optimieren, und ist damit seiner Zeit weit mehr als voraus.

Leonardo als Ingenieur – eine Denkfabrik der Technik

Unermüdlich untersucht, analysiert und notiert er seine Arbeit und ist neben seinem künstlerischen und naturwissenschaftlichen Wirken vor allem ein Ingenieur. Dabei ist er mit mehreren Dingen gleichzeitig beschäftigt, sodass er für seine Auftragsmalereien nie einen Liefertermin garantieren kann. Gerade dieses Multitasking ermutigt die einen zu der Annahme, dies sei wohl der Grund, warum er wohl keine seiner Konstruktionen in die Praxis umsetzte; ewig stehe er sich und seinen vielen Gedanken im Weg. Andere wiederum feiern in bisher erschienen Katalogen und Aufsätzen die „obsessive Wiederholung einer begrenzten Anzahl von Maschinen und preisen regelmäßig die Flugapparate, das Unterseeboot, den Hubschrauber, Panzerfahrzeuge, das Auto und neuerdings sogar das viel diskutierte Fahrrad“, klagt der Direktor des Museums für Wissenschaftsgeschichte Florenz, Paolo Galluzzi, im Vorwort des 2017 in deutscher Sprache erschienen Buches „Leonardos Maschinen“. Ganz sicher ist die Ideenvielfalt des Italieners zu bewundern. Leonardo ist eine technische Denkfabrik der Renaissance in einer Person. Ihn treibt ein laterales Denken. „Statt einer Frage geradlinig auf den Grund zu gehen, springt er von einer Assoziation zur nächsten“, schreibt der Geokompakt-Redakteur Rainer Harf in der Ausgabe 18 „Die 100 wichtigsten Erfindungen“.

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