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Porträt Ada Lovelace – Erfinderin der Software

| Autor/ Redakteur: Fabiane Hörmann / Simone Käfer

Software begann nicht mit Disketten oder dem „Hello World”-Programm. Sondern über 100 Jahre früher mit Ada Lovelace Mitte des 19. Jahrhunderts.

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Ada King, Gräfin von Lovelace, schrieb das erste Computerprogramm, lange bevor es Computer gab. Das Gemälde entstand 1840.
Ada King, Gräfin von Lovelace, schrieb das erste Computerprogramm, lange bevor es Computer gab. Das Gemälde entstand 1840.
(Bild: gemeinfrei (By Alfred Edward Chalon - Science & Society Picture Library, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28131684) / CC0)

Bereits vor 175 Jahren wurde der allererste Algorithmus geschrieben, ungefähr 100 Jahre bevor die ersten Computer gebaut wurden. Geschrieben hat diesen Algorithmus nicht etwa ein visionärer Universitätsprofessor – sondern eine Frau: die Mathematikerin Ada Lovelace. Ada King, Gräfin von Lovelace, geborene Byron, lernte 1833 bei einer Feier den Mathematiker und Erfinder Charles Babbage kennen. Babbage lud gerne Wissenschaftler und andere Intellektuelle in seinen Salon ein; so konnten diese seine neuesten Erfindungen ausprobieren. Babbage war von Lovelace' mathematischem Verständnis sehr beeindruckt und zwischen den beiden entwickelte sich im Lauf der Jahre ein reger Briefwechsel. 1841 lud er sie ein, an den Berechnungen für eine universelle Rechenmaschine mitzuarbeiten. Babbage hatte die „Analytical Engine“ zwar nur auf dem Papier entworfen, aber Lovelace war von der Idee sofort begeistert.

Im Jahr darauf stieß sie auf einen italienischen Artikel über die Analytical Engine. Geschrieben hatte ihn der italienische Mathematiker und Ingenieur Federico Menabrea, als Babbage in Turin einen Vortrag hielt. Um die Bekanntheit der Erfindung zu steigern, übersetzt Lovelace den Artikel ins Englische. In Absprache mit Babbage fügt sie auch noch einige eigene Kommentare und Notizen hinzu – letztendlich wurden ihre Kommentare sogar dreimal länger als der ursprüngliche Artikel. 1843, also vor genau 175 Jahren, wurde der übersetzte Artikel zusammen mit Lovelaces Kommentaren veröffentlicht. Die Mathematikerin stellt in ihren Kommentaren einige Überlegungen an, für was man die Rechenmaschine alles Einsetzen könnte. Sie ist der Meinung, dass die Maschine nicht nur Zahlen miteinander verrechnen kann, sondern auch Buchstaben oder andere Symbole. Die Rechenmaschine könne somit auch komplexe Informationen verarbeiten, wie Sprache oder Musik. Ebendies markiert einen Meilenstein in der Informationstechnologie: die Entwicklung von der bloßen Zahlenverarbeitung hin zur Berechnung komplexer Formeln mithilfe von Symbolen.

Notiz G: Dieses Diagramm von Lovelace gilt als das erste Computerprogramm.
Notiz G: Dieses Diagramm von Lovelace gilt als das erste Computerprogramm.
(Bild: gemeinfrei (By Ada Lovelace - http://www.sophiararebooks.com/pictures/3544a.jpg, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37285970) / CC0)

Ein Beispiel für eine solche Berechnung liefert Lovelace in ihren Kommentaren gleich mit – sie möchte nachweisen, dass die Analytical Engine die Bernoulli-Zahlenfolge berechnen kann. In ihren Kommentaren schreibt sie den Algorithmus zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen und fügt auch ein Diagramm und eine dazugehörige Tabelle hinzu. Diese Tabelle gilt als das erste Computerprogramm und ist der Grund dafür, dass Ada Lovelace heutzutage als die „Erfinderin der Software“ bezeichnet wird.

Zur Mathematikerin erzogen

Der Ursprung für Lovelace' mathematisches Interesse war zweifellos ihre Mutter. Ada Lovelace wurde als Augusta Ada Byron am 10. Dezember 1815 geboren. Sie war die Tochter des Dichters George Gordon Byron (bekannt als Lord Byron) und seiner Frau Anne (geborene Milbanke), Baroness Wentworth. Lovelace Mutter hatte durch verschiedene Hauslehrer eine umfassende Bildung erhalten – sowohl in geisteswissenschaftlichen als auch naturwissenschaftlichen Fächern. Wegen ihrer großen Leidenschaft für die Mathematik nannte ihr Ehemann sie auch scherzhaft „Princess of Parallelograms“. Die Ehe der beiden wurde allerdings bereits wenige Wochen nach Adas Geburt geschieden. Zur damaligen Zeit war das ein riesiger Skandal. Mutter und Tochter zogen daraufhin zu den Großeltern und Ada Lovelace lernte ihren Vater bis zu ihrem Tod nie persönlich kennen. Ihre Mutter verbot ihr sogar, die Gedichte ihres Vaters zu lesen. Sie hatte Angst, dass ihre Tochter die „poetisch-romantische Ader“ ihres Vaters geerbt haben könnte.

Stattdessen bekam Ada bis zum Erwachsenenalter eine strenge mathematisch-naturwissenschaftliche Erziehung: Sechs Tage die Woche wurde sie von sechs Uhr morgens bis zum Abendessen von ihrer Mutter und verschiedenen Hauslehrern unterrichtet. Bereits mit vier Jahren bekam sie Mathematikunterricht. Später kamen noch Geographie und Astronomie hinzu sowie verschiedene Sprachen und Musik. Vom Erwachsenenalter bis zu ihrem Tod spielte Lovelace täglich mehrere Stunden Harfe.

Mit 19 Jahren heiratete sie den zehn Jahre älteren William King, den späteren Earl of Lovelace. Durch die Ehe in ihrer Arbeit unterbrochen, nahm Lovelace nach der Geburt ihres dritten Kindes ihr mathematisches Studium wieder auf. Ihr Ehemann unterstützte dabei ihre Ambitionen als Wissenschaftlerin. Er ließ sich in die Royal Society aufnehmen, eine Gelehrtengesellschaft für Naturwissenschaftler, die bis heute existiert, und schrieb für seine Frau einige deren Bücher und Schriftstücke minutiös ab. Da Frauen zu dieser Zeit nicht zu Universitätsvorlesungen zugelassen waren, erweiterte Lovelace ihr Wissen vor allem durch die Korrespondenz mit anderen Wissenschaftlern, wie Charles Babbage.

Nachdem Lovelace zusammen mit Babbage an den Berechnungen der Analytical Engine gearbeitet hatte – die Babbage im Übrigen nie gebaut hat –, lebte Ada Lovelace nur noch wenige Jahre. Sie litt häufig unter Krankheiten, konsumierte deswegen regelmäßig Opium (zu dieser Zeit ein gängiges Medikament) und wurde davon abhängig. Lovelace starb 1852, im Alter von 36 Jahren, an Gebärmutterhalskrebs. In ihren letzten Lebensjahren hatte sie noch vergeblich versucht, ein mathematisches Wettsystem zu entwickeln, da sie regelmäßig beim Wetten auf Pferderennen größere Summen verlor. Lovelace' kurzes Leben war bestimmt von ihrem Durst nach Wissen und ihrer Leidenschaft für die Mathematik.

So lag das Thema Programmierung und Computer auf Eis. 1953 wurden die Notizen von Lovelace zur Analytical Engine wieder aufgelegt. Und der Wissenschaft gelang es erst Ende des 20. Jahrhunderts, ihre fortschrittliche Vision von einer programmierbaren, universellen Rechenmaschine zu verwirklichen.

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