Werkzeuge Akku-Schrauber lösen Druckluftgeräte in der Fahrzeug-Endmontage ab

Autor / Redakteur: Wolfgang Gerecht / Rüdiger Kroh

Die gute Handlichkeit ist das wichtigste Argument für Akkuschrauber. Weil weder Druckluftschläuche noch Kabel den Werker in seiner Bewegung einengen, führt das ergonomische Arbeiten zu kürzeren Taktzeiten.

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In der industriellen Produktion ersetzen zunehmend Akku-Abschaltschrauber die bisher gängigen Druckluft-Abschaltschrauber. Besonders wenn es auf gute Handlichkeit der Schrauber ankommt, beispielsweise in der Fahrzeug-Endmontage, sind Akku-Werkzeuge eindeutig im Vorteil. Für ihre rasche Verbreitung sind mehrere Gründe verantwortlich:

  • Akku-Abschaltschrauber erfüllen die industriellen Anforderungen hinsichtlich Lebensdauer, Abschaltgenauigkeit sowie Drehmoment- und Drehzahlwerten mindestens genauso gut wie vergleichbare Druckluft-Abschaltschrauber.
  • Im Vergleich der Lebenszykluskosten schneiden Akku-Abschaltschrauber wesentlich besser ab als die Druckluft-Variante. So sind die Energiekosten der Akkugeräte aufgrund des höheren Wirkungsgrads wesentlich niedriger als bei Druckluft-Abschaltschraubern, sie können weniger als ein Zehntel betragen.
  • Nicht vorhandene Druckluftschläuche oder Kabel erlauben ergonomisches Arbeiten und führen zu kürzeren Taktzeiten.

Weiterentwickelte Akkus forcierten Schraubereinsatz

Der Siegeszug von Akku-Abschaltschraubern in der Industrie begann erst vor wenigen Jahren. Grundlage dazu war und ist die Weiterentwicklung der Akkutechnik auf einen industriereifen Stand. Im einzelnen sind vier Akku-Eigenschaften wichtig: Das optimale Verhältnis von Akkukapazität oder gespeicherter Energie zum Gewicht, die für industrielle Schraubprozesse typische Leistungskennlinie und schließlich eine akzeptabel lange Lebensdauer sowie mechanische Robustheit.

Für sinnvolle Verschraubungszahlen ist eine Akku-Kapazität von 1,4 bis 2,4 Ah nötig. Höhere Kapazitäten bieten keinen nennenswerten Vorteil, weil aus Anwendersicht ein bis zwei Akkuwechsel pro Schicht akzeptabel sind.

Das an den Kapazitätsbereich 1,4 bis 2,4 Ah gebundene Akkugewicht bietet besonders bei Mittelgriffschraubern die Grundlage der gewünschten Balance des Schraubers. Sie reduziert das Rückdrehmoment im Abschaltpunkt.

Akkuschrauber benötigen viel Energie

Je weicher ein Schraubfall, desto mehr Energie wird dem Schrauber abgefordert. Weil die Schrauber aus Ergonomie- und Genauigkeitsgründen meist im oberen Leistungsbereich eingesetzt werden, können Spitzenleistungen bis 1000 W auftreten – und dies bei kurzen Zykluszeiten.

Die Stromaufnahme des Motors liegt dann bei den etablierten Akku-Spannungen von 9,6, 12 oder 14,4 V bei 70 bis 100 A. Ströme dieser Stärke muss der Akku zur Verfügung stellen können. Dies wirft die Frage nach der optimalen Akkuzellen-Technik auf.

Verschiedene Varianten stehen zur Auswahl, wobei NiCd, NiMH und Lithium-Ionen die wichtigsten sind. Für den industriellen Einsatz mit allen seinen Anforderungen sind aus heutiger Sicht nur NiCd-Akkus zu empfehlen. So hat sich auch der Bereich Industriewerkzeuge von Bosch auf der Grundlage langjähriger Erfahrungen und mit Rückendeckung seiner industriellen Kunden für die NiCd-Technik entschieden.

NiCd-Akkus bieten lange Lebensdauer

NiCd-Akkus bieten die erforderliche Spitzenstromfestigkeit und lange Lebensdauer. Sie schaffen bis zu 3000 Ladevorgänge ohne Qualitätsverluste. Sowohl NiMH- als auch Lithium-Ionen-Akkus weisen bei den in der Industrie vorkommenden Belastungen erheblich niedrigere Lebensdauern auf. Zudem erfordern Lithium-Ionen-Akkus eine andere, aufwendigere Ladetechnik als NiCd- oder NiMH-Akkus. Bei bestehenden Installationen würde der Einsatz von Lithium-Ionen-Akkus erhebliche Zusatz-Investitionen für die Ladetechnik erfordern.

Dass NiCd-Akkus einen Memory-Effekt zeigen können, ist im industriellen Einsatz kein Nachteil. Der Werker arbeitet den Akku grundsätzlich leer und der Akku behält dann seine ursprüngliche Kapazität bei. Dies ist im Handwerker- und noch stärker im Heimwerkerbereich anders. Dort ist der nicht vorhandene Memory-Effekt und die kaum wahrnehmbare Selbstentladung von Lithium-Ionen-Akkus ein großer Vorteil.

Der Gewichtsvorteil von Lithium-Ionen-Akkus ist allerdings auch für den industriellen Einsatz ein Thema. Bosch forscht intensiv auf diesem Gebiet.

Wolfgang Gerecht ist Leiter des Produktmanagements im Bereich Industriewerkzeuge der Robert Bosch GmbH, 70745 Leinfelden-Echterdingen.

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