Berufskleidung Alles aus einer Hand

Redakteur: Udo Schnell

Als Wenzel Strapinski unterwegs nach Goldach von einem Kutscher mitgenommen wurde, ahnte der arbeitslose Schneider noch nichts von den Ereignissen, die er alsbald erleben sollte, nur

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Als Wenzel Strapinski unterwegs nach Goldach von einem Kutscher mitgenommen wurde, ahnte der arbeitslose Schneider noch nichts von den Ereignissen, die er alsbald erleben sollte, nur weil er gut gekleidet einer gräflichen Kutsche entstieg, die lediglich überführt wurde. Mit seiner Novelle „Kleider machen Leute“ hat Gottfried Keller auf vergnügliche Art und Weise darauf aufmerksam gemacht, dass Kleidung im täglichen Leben eine wichtige Rolle spielen kann.

Diese Tatsache macht man sich heute ganz bewusst zunutze. So wird die Arbeitskleidung immer öfter in den ganzheitlichen Prozess einbezogen, den Fachleute „Corporate Identity“ (CI) nennen. Damit ist der einheitliche Auftritt des Unternehmens nach außen hin gemeint. Er reicht vom Firmenlogo am Eingangstor über Briefköpfe und Visitenkarten bis hin zur Arbeitskleidung in den Werkhallen.

Zahlreiche Anbieter für Mietservice

Die Versorgung, Reinigung und Ausbesserung der Arbeitskleidung wird in der Regel als textiler Mietservice von einer Vielzahl von Dienstleistungsunternehmen auf dem Markt angeboten. Das Spektrum der Branchen, die Miet-Arbeitskleidung einsetzen, ist sehr groß. Es reicht von Industrie, Handel und Handwerk über die Hotellerie und Gastronomie bis hin zum Gesundheitswesen.

Dem entsprechend groß und unübersichtlich ist der Markt für textilen Mietservice von Berufskleidung in Deutschland. Klaus Jürgen Gerdum, Geschäftsführung Kunden und Organisation der Mewa-Gruppe, Wiesbaden: „Pauschal lässt sich der Markt nur ungenau beziffern. Zwar spricht der Verband Intex von einem Umsatzvolumen von rund2,3 Mrd. Euro, doch tatsächlich lassen sich nur Kundentrends und Markttendenzen ausmachen. Tatsache ist, dass allgemein ein wachsendes Interesse an umfassenden Serviceleistungen für eine professionelle Einkleidung von Mitarbeitern mit Berufs- oder Schutzkleidung festzustellen ist.“

Marktvolumen schwer zu schätzen

Diese 2,3 Mrd. Euro stellen den Gesamtmarkt für den Textil-Service dar. Die Zahlen für Berufskleidung in der Industrie liegen deutlich tiefer. Dirk Hischemöller, Geschäftsführer Vertrieb und Marketing der Deutschen Berufskleider-Leasing GmbH (DBL) in Zirndorf: „Nach unseren Berechnungen, die auf Zahlen der Dresdner Bank, des DTV, des Intex (Industrieverband Textilservice), von McKinsey und eigenen Recherchen beruhen, umfasst der Markt für textiles Leasing von Berufskleidung in Deutschland derzeit etwa 743 Mio. Euro.“

Dieser Markt für Berufs- und Schutzkleidung befindet sich – trotz wirtschaftlich nur langsam erholter Marktlage – in einer kontinuierlichen Aufwärtsentwicklung. Gerdum: „Unserer Erfahrung nach sind Kunden bereit, für gute Qualität, Service und auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Leistungspakete auch angemessene Preise zu zahlen. Außerdem nehmen die gesetzlichen Auflagen beispielsweise im Bereich Arbeitsschutz zu. Das heißt, dass der Arbeitgeber für eine entsprechende Ausstattung seiner Mitarbeiter Sorge zu tragen hat.“

Dieser Trend bewirkt eine verstärkte Nachfrage nach dem Service und vor allem dem Beratungs-Know-how von Textildienstleistern. Das bedeutet darüber hinaus, dass die Kunden auch, was Schutzkleidung angeht, zunehmend anspruchsvoller werden. „Gemeinsam mit Konfektionären“, so Gerdum, „und Forschungsinstituten werden unsere Produkte daher laufend optimiert. Das betrifft die Textilzusammensetzung, Schnittgestaltung und Verarbeitung ebenso wie Tragekomfort und Funktionalität.“

Produktionsstätten werden ins Ausland verlagert

Doch bekanntlich ist jeder Markt dynamischen Entwicklungen unterworfen, die lokalen und globalen Entwicklungen unterliegen. Einer dieser Trends ist die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland. Hischemöller: „Selbstverständlich beobachten wir diese Situation ebenfalls mit Sorge. Doch wir haben als Lieferant von Mietberufskleidung keinen direkten Einfluss auf die unternehmenspolitischen Entscheidungen dieser Firmen. Daher müssen wir versuchen, wegbrechende Märkte durch verstärkte Akquisition in anderen Bereichen aufzufangen. Dank des personell größten Außendienstes in unserer Branche, der hohen Beratungsqualität und unseres sehr individuellen Service ist uns dies in den letzten Jahren immer wieder gelungen. Denn gerade die am Standort Deutschland verbleibenden Industrieunternehmen – meist Anbieter hochwertiger Produkte und Dienstleistungen – setzen aus Gründen der Kostenoptimierung, der Einhaltung gesetzlicher Normen, der Produktqualität und aus Imagegründen zunehmend auf Mietberufskleidung.“

Einzelne Vertragswerke der DBL seien zwar im Ausland vertreten – Österreich, Schweiz, Frankreich, Polen – doch die DBL als Verbund rechtlich selbstständiger mittelständischer textiler Dienstleister werde sich auch in Zukunft auf den Standort Deutschland mit seinen hohen Anforderungen an die Berufskleidung konzentrieren.“

Textile Dienstleister folgen ihren Kunden

Einige textile Dienstleister werden versuchen, in osteuropäischen Ländern Fuß zu fassen. Denn gerade bei Großkunden wie der Automobilindustrie ist zu beobachten, dass auch die Dienstleister mit den Kunden mitgehen und sie direkt vor Ort weiter betreuen. „Bereits vor über dreißig Jahren“, so Gerdum, „hat Mewa begonnen, sich auch in anderen Ländern einen Namen zu machen. Inzwischen sind wir an insgesamt 35 Standorten in elf europäischen Ländern aktiv. Bestätigt durch die Erfolgsbilanz in den westlichen Nachbarstaaten Österreich, Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien und Spanien, sehen wir unseren Aktivitäten in Tschechien, der Slowakei, Polen und Ungarn ähnlich zuversichtlich entgegen. Dem Kunden selbst ist es allerdings egal, ob Mewa auch in anderen Ländern tätig ist, es sei denn, der Kunde ist ebenfalls an anderen Mewa-Standorten aktiv. Denn letztlich zählt für ihn vor allem die regionale Nähe.“

Der Kostendruck nimmt zu

Derzeit prägen drei große Tendenzen den Markt für Mietberufskleidung. Zum einen ist dies der wachsende Kostendruck, dem gerade die deutschen Industrieunternehmen unterworfen sind, wie Hischemöller betont: „Gefragt sind von uns als Anbieter hier standardisierte Lösungen, bei denen der Kostenfaktor an erster Stelle steht. Ganz anders die Unternehmen, deren Image auf ihrer hohen Produktqualität beruht. Hier – etwa in der Lebensmittelproduktion – bildet die Berufskleidung einen wichtigen Part innerhalb des betrieblichen Qualitätsmanagements. Dazu müssen wir entsprechend normgerechte Lösungen und Verfahren vorhalten.“

Ergänzt werden diese beiden Kundengruppen durch die Unternehmen, bei denen die Corporate Identity im Vordergrund steht. „Sie verlangen eine sehr individuell geprägte Berufskleidung“, weiß Hirschemöller, „bei der wir von der Beratung über die Entwicklung bis hin zur Pflege mit eingebunden sind. Wir haben uns auf diese verschiedenen Ansprüche der Kunden in den letzten Jahren eingestellt. Mit preiswürdigen Standardkollektionen, mit normgerechten Spezialkollektionen und mit der Möglichkeit, gemeinsam mit namhaften Konfektionären attraktive Individualkollektionen zu entwickeln. Dies immer im Zusammenspiel mit einem höchst flexiblen, individuellen Service für unsere Kunden, der dabei alle Vorteile der regionalen Nähe der DBL-Vertragswerke zum Kunden nutzt.“

Dienstleister wollen neue Marktsegmente erschließen

Um Umsatzrückgänge durch abwandernde Unternehmen auszugleichen, haben die textilen Dienstleister neue Marktsegmente ins Auge gefasst, mit denen sie verlorenes Terrain zurückerobern wollen. Gerdum: „Längst hat Mewa erkannt, dass Berufskleidung zunehmend zum Marketinginstrument wird. CI-Kleidung, noch vor wenigen Jahren nur für große Konzerne und Handelsketten interessant, ist inzwischen auch für den Mittelstand als strategischer Erfolgsfaktor nicht mehr wegzudenken. Entsprechend vielfältig ist das Angebot an Imagekleidung bei Mewa. Je nach Branche, Firmengröße, Einsatzbereich, Firmenfarben und Logo konzipieren wir Vorschläge, so dass ein spezifisches, zum Unternehmen passendes Design entsteht. Das reicht vom einfachen Firmenemblem bis zur eigens für ein Unternehmen kreierten Produktlinie.“

Das scheint ein guter Weg zu sein, wie DBL-Manager Hischemöller bestätigt: „Das Segment der Corporate Fashion entwickelt sich aus unserer Sicht sehr positiv. Sie bietet den Unternehmen die Chance, sich in einem immer unübersichtlicher werdenden Markt durch einen individuellen Auftritt positiv vom Wettbewerb abzusetzen.“

Nachfrage wird nur leicht steigen

So gesehen blickt die Branche doch optimistisch in die Zukunft. Hischemöller: „Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nur noch leicht ansteigen wird. Die andauernde Verlagerung der industriellen Produktion in Billiglohnländer verringert die Zahl der Marktteilnehmer – und damit der in Berufskleidung arbeitenden Menschen – in Deutschland.“

Auf der anderen Seite erkennen jedoch immer mehr Industrieunternehmen am Standort Deutschland die Vorteile der Mietberufskleidung, wie entfallende Kapitalkosten für die Berufskleidung, Übernahme der kompletten Organisation durch den Leasinganbieter, positives Erscheinungsbild, normgerechter Schutz und hohe Motivation der Mitarbeiter. „Diese Faktoren wirken sich positiv auf die Nachfrage aus“, weiß Hischemöller. Auch die momentan zu beobachtende leichte Erholung auf dem Arbeitsmarkt schafft aus seiner Sicht zunehmenden Bedarf an Berufskleidung. Sein Fazit: „Wir schauen vorsichtig optimistisch in die Zukunft.“

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