Kurtz-Ersa-Interview

„Als Industriekonzern wollen wir auf mehreren Beinen stehen“

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Mit langfristiger Strategie und Future Business zum langfristigen Erfolg

Wir wir uns erinnern, hat sich der Kurtz-Ersa-Konzern schon 2018 von der Eisengießerei in Hasloch getrennt. War das schon eine Aktion zur Neuausrichtung?

Die Eisengießerei und der Bereich Lohnarbeit gehörten zum einstigen Geschäftsbereich Metal Components. Drei Gießereien gehörten dazu, sowie eine Blechverarbeitung in Wertheim und eine in Baiersdorf bei Nürnberg. Dieses Geschäft macht 2007 das größte Feld im Konzern aus. Im August nun, haben wir das komplett eliminiert, sind aber dennoch gewachsen. Somit befinden wir uns schon seit 13 Jahren in einer Transformation, durch die wir uns von der Gießerei, der Blechverarbeitung und jüngst von der Vorfertigung getrennt haben. Schon damals war uns klar, dass wir zu komplex aufgestellt sind. Wir wollten mit einer langfristigen Strategie wieder eine klare Linie verfolgen. Wir wollen ein Industriekonzern sein, der auf mehreren Beinen steht. Das ist uns gelungen, denn wir haben immer noch drei Geschäftsfelder. Wir sind nun ein reiner Engineering-Konzern mit einigen Standardprodukten und der Fähigkeit zur Systemintegration.

Kurtz will sich nun auf Automotive und Protective Solutions konzentrieren, heißt es auch. Wie erklärt sich das trotz eines Auftragsrückgangs beim Gießen seitens der Automobilbauer?

Unsere Kunden aus der Automobilbranche sind keine Metall- sondern Kunststoffexperten. Deshalb haben wir unsere Aktivitäten im Bereich Protective Solutions konzentriert. Nun stellen wir Maschinen her, die für die Stoßfängerfertigung oder zur Herstellung von Seitenaufprall-Schutzsystemen dienen. Die Polsterfertigung im Armaturenbrettbereich und Werkzeugträger für die Schaumteileherstellung gehören auch dazu. Dazu gibt es auch etwas ganz Neues, denn man entwickelt momentan innovative Anwendungsmöglichkeiten für Hart- und Weichschaum im Karosseriesektor. Auch der Metallbereich wird mit Neuigkeiten aufwarten, doch auch dazu darf ich noch nichts Konkretes sagen.

Für die strategische Zukunftsentwicklung soll ja auch das Kompetenzcenter Future Business entscheidend sein, in dem neue Technologien analysiert und entwickelt werden. Dort hat man bereits die Radiofrequency Technologie geschaffen. Wie funktioniert das, und was verspricht man sich davon?

Nun, zum Schäumen von Kunststoffen braucht es Wasserdampf. Wer also eine Kurtz-Maschine kauft, um Partikelschaumteile zu fertigen, braucht auch ein System zur Wasserdampferzeugung. Letzter kostet aber zwischen 1 und 2 Mio. Euro – das ist nichts für eine einzige Schäumanlage. Da müssen schon 10 und noch mehr Schäumanlagen angeschlossen sein, damit sich die Investition lohnt. Dennoch wünschen sich viele Anwender, dass sie einzelne Produkte selber schäumen können. Deshalb haben wir schon lange daran gearbeitet, wie das Partikelschäumen auch ohne Wasserdampf funktionieren könnte. Und das klappt jetzt mit der Radiofrequency Technology.Statt Wasserdampf sorgt die Energie von elektromagnetischen Wellen, deren elektrisches Feld schnell wechselt, für das Aufschäumen der Kunststoffpartikel – ähnlich wie bei einer Mikrowelle bezüglich der Wassermoleküle. Ein Riesenvorteil: Die Energie wird nur vom Kunststoff aufgenommen, weswegen alle anderen Systembereiche kühl bleiben! Das spart dem Anwender Energie und Zeit.Diese Alternative zum Schäumen war auf der letzten K-Messe in Düsseldorf eine Weltneuheit mit viel Zuspruch. Das ist ein gutes Beispiel, was wir von Kurtz mit Future Business meinen, um stets einen Vorsprung zu haben.

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