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Kurtz-Ersa-Interview „Als Industriekonzern wollen wir auf mehreren Beinen stehen“

Redakteur: Peter Königsreuther

Anfang des Jahres gab die Kurtz GmbH, ein Geschäftsbereich der Kurtz Holding GmbH & Co. Beteiligungs KG, ihre Neuausrichtung bekannt. Der CEO Rainer Kurtz spricht über Hintergründe und Corona-Krise...

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Rainer Kurtz ist CEO der Kurtz GmbH, die sich jüngst neu aufgestellt hat. In diesem Interview spricht er über die Beweggründe, die Auswirkung der Coronakrise und über neue Technologien zum Schäumen.
Rainer Kurtz ist CEO der Kurtz GmbH, die sich jüngst neu aufgestellt hat. In diesem Interview spricht er über die Beweggründe, die Auswirkung der Coronakrise und über neue Technologien zum Schäumen.
(Bild: Kurtz)

Die Kurtz GmbH fokussiert sich auf Moulding Machines, worunter etwa Schäumanlagen und Gießereimaschinen nebst Entgratpressen fallen. Damit bildet das Unternehmen einen von drei Geschäftsbereichen der Kurtz Holding. Die System fertigt Kurtz in Wiebelbach und Wertheim, aber auch an einem chinesischen Standort. Das funktionierte schon seit Jahrzehnten mit Erfolg. Doch jetzt kam es zur Neuausrichtung.

Über diese Entscheidung, sowie über mögliche Probleme aufgrund der herrschenden Coronakrise, wollte die Redaktion von Spotlightmetal per Interview mehr wissen.

Spotlightmetal: Herr Kurtz, Mitte Februar, also noch vor der Coronakrise, wurde die Neuausrichtung ihres Unternehmens bekanntgegeben. Gravierende Änderungen im Bereich Schäumen und Gießen wurden als Hauptgründe genannt. Was heißt das genau?

Rainer Kurtz: Mit Änderungen meinen wir massive Umsatzeinbrüche. Ein Grund dafür ist, dass einer unserer Hauptabnehmer in Sachen Kunststoffverarbeitung aufgrund eigener Planungsprobleme weggefallen ist. Trotz sich erholender Auftragslage, können wir das Volumen von einst deshalb nicht aufrechterhalten. Die Debatte rund um die Umweltbelastung durch Kunststoffverpackungen verunsichert unsere Kunden. Dort kommt es zu Überkapazitäten. Deshalb wird momentan auch nicht investiert, was uns wieder trifft. Drittens durchläuft der Automobilsektor einen technologischen Wandel im Hinblick auf die Antriebstechnik der Zukunft, weswegen auch in dieser Branche eine Überkapazität besteht. Keiner weiß, welcher Antrieb sich durchsetzen wird. Das führt zum Stop von Investitionen. Immerhin fertigen wir alle Kurtz-Ersa-Produkte in Wiebelbach und China, wodurch unsere Geschäftsbereiche Electronics Production Equipment und Kurtz Ersa Automation die Einbußen im Sektor Moulding Machines zum Teil ausgleichen können. Langfristig jedoch müssen wir die Produktion halbieren. Und das macht die besagten strukturellen Änderungen zwingend notwendig.

Können Sie uns konkreter sagen, welche Veränderungen das sein werden?

Zunächst mussten wir leider 20 Stellen abbauen. Doch auf lange Sicht reichte das nicht aus, und wir mussten weitere 40 Mitarbeiter in die wachsenden Geschäftsbereiche versetzen. Im Zuge dessen haben wir auch den gesamten Bereich der mechanischen Bearbeitung, betroffen sind Prozesse wie Sägen, Schweißen, spanende Fertigung und Beschichtung, Ende Juli an die neu gegründete IZW Innovative Zerspanungstechnik Wiebelbach GmbH veräußert. Dieser Asset-Deal war erfolgreich und alle Mitarbeiter wurden übernommen. Außerdem wollen wir einen neuen Geschäftsbereich starten, doch darüber darf ich noch nichts verraten.

Es bleibt also spannend bei Kurtz. Hat die Coronakrise denn negativen Einfluss auf die Planungen und die Umsetzung derselben gehabt?

Seit Ende Januar wurde konsequent an der Umsetzung gearbeitet, weswegen die Coronakrise keinen unmittelbaren Einfluss hatte. Doch hat die Pandemie dem gesamten Konzern signifikante Rückgänge im Geschäft beschert. Das erste Quartal 2020 lief auftragstechnisch noch ganz gut. Im zweiten Quartal gab es schon erste Enttäuschungen und für das dritte Quartal erwarten wir den Tiefpunkt in Sachen Auftragseingänge. Momentan liegen wir mit 25 bis 30 % im Minus. Manche Bereiche müssen sogar -40% verkraften. Das wird uns auch im vierten Quartal noch beschäftigen. Auch der Jahresbeginn 2021 wird wahrscheinlich nicht das Niveau erreichen, das wir ohne Corona gehabt hätten. Selbst für das zweite Quartal im nächsten Jahr haben rechnen wir noch mit einem Coronaeffekt. Wir hoffen aber auf Erholung im zweiten Halbjahr 2021. Die Krise wird uns rund 50 Mio. Euro Umsatz kosten. Dennoch blicken wir mit Zuversicht in die Zukunft, denn aus vergangenen Krisen haben wir viel gelernt, und sind bereit. Wir haben etwa einen Notfallplan entworfen, der Kurzarbeit als Sparmaßnahme vorsieht, damit kein weiterer Stellenabbau droht.

Die Kurtz GmbH beim Forum Giesserei-Industrie 2020

(Source: SPOTLIGHTMETAL)

Auf dem "Forum Gießerei-Industrie" vom 4. bis 5. November 2020 in Würzburg ermöglicht SPOTLIGHTMETAL einen exklusiven Branchendiskurs. Top-Speaker der Gießerei-Branche geben Impulse und zeigen Wege aus der Krise. Auch Lothar Hartmann, Geschäftsleitung Automotive der Kurtz GmbH, wird dabei sein und über das "Spannungsfeld Einkauf und Lieferantendasein – was sind die Entscheidungsmerkmale: Budget, billig oder preiswert?" referieren.
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Welche personellen Maßnahmen musste Kurtz wegen Corona noch einleiten?

Wir haben das Virus von Anfang an ernst genommen. Deshalb taten wir alles, um den Erreger von uns fern zu halten. Gab es Krankheitsverdacht, mussten diejenigen sofort in Quarantäne. Viele haben sich zur Sicherheit auch für das Homeoffice entschieden. Zum Glück haben wir 2019 ein weiteres Rechenzentrum gebaut, das mit dem ersten verbunden ist. So war es auch Konstrukteuren möglich von zu Hause aus zu arbeiten. Auch haben wir an allen Eingängen Fieber gemessen und Desinfektionsmöglichkeiten aufgestellt. Eine offene Informationspolitik half bei allem. Schon Anfang März begannen wir mit einer täglichen Telefonkonferenz, bei der das Management, der Betriebsrat und sogar der Katastrophenschutz beteitligt waren. Daraus gingen klare Regelungen zum Umgang mit dem Virus hervor. Unsere Mitarbeiter wurden stets auf dem Laufenden gehalten. Auch rieten wir zur Nutzung der Corona-Warnapp.

Übrigens nicht verpassen: Forum Gießerei-Industrie 2020

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