Retrofit

Auch ältere Produktionsanlagen liefern runderneuert Top-Qualität

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Zustandsabhängige Wartung nach Retrofit möglich

Außer der grundlegenden Modernisierung der Fertigungszellen war ein zweiter Schwerpunkt des Projekts die Optimierung der Wartungs- und Instandhaltungsprozesse. Es war den Betreibern wichtig, von der nicht mehr zeitgemäßen, rein reaktiven Vorgehensweise im Fehlerfall wegzukommen und ein vom tatsächlichen Zustand essenzieller Maschinenkomponenten abhängiges Vorgehen zu erreichen. Der ohnehin nötige Einschnitt bot an, beides in einem zu realisieren und zum ersten Mal die so genannten EPS Network Services (Bild 3) von Siemens einzuführen und unter Praxisbedingungen intensiv unter die Lupe zu nehmen.

Die EPS Network Services sind auf derartige Aufgaben zugeschnittene Dienstleistungen, wofür Siemens zum einen die IT-Infrastruktur (Hard- und Software, Sicherheitsstrategie) bereitstellt und zum anderen alle für effizientes Condition Monitoring an der Maschine erforderlichen Software-Funktionen in die Steuerungen implementiert. Das Ganze basiert in der Regel allein auf den Bordmitteln von Steuerung und Maschine, setzt also keine zusätzliche Sensorik voraus und lässt sich somit auch nachträglich umsetzen.

Als Grundlage für individuelle Analysen und Prognosen werden relevante Betriebszustände und Prozessparameter wie Verfahrwege und -geschwindigkeiten, Motorströme oder Drehmomente erfasst und daraus die tatsächliche Nutzung und Belastung der Maschine oder Komponente abgeleitet. Die Sinumerik überträgt diese manuell kaum zu bewältigende Datenmenge im Hintergrund verschlüsselt via Internet zu einem EPS-Server bei Siemens, wo die Informationen gespeichert, aufbereitet und laufend überwacht werden. Der so erfasste Datenbestand ermöglicht jegliche Form der Verknüpfung von Parametern und damit sehr detaillierte Diagnosen, um auch Fehlerursachen schnell lokalisieren zu können.

Maschinendaten am PC, an der Steuerung oder per SMS

Klassisch turnusgemäß zu absolvierende Arbeiten, wie das Abschmieren oder kritische Zustände, lassen sich sowohl direkt an der Steuerung als auch am PC im Büro (Bild 4) der Instandhaltung visualisieren oder per SMS zu frei definierbaren Empfängern übertragen. Der Maschinenführer muss die für ihn relevanten Meldungen immer quittieren, was den Nachweis automatisiert und vereinfacht.

Autorisierte Anwender haben jederzeit Zugriff auf die gesammelten Daten und können zum Beispiel die drei Fertigungszellen vergleichen oder anhand veränderter Drehmomentverläufe notwendige Instandhaltungsarbeiten frühzeitig erkennen und vorausschauend einplanen. Ziel ist es, rechtzeitig, bevor eine Komponente das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hat, eine Meldung zu bekommen, um daraus automatisch einen Inspektions- oder Instandhaltungsauftrag zu generieren, Arbeiten zu terminieren und Ersatzteile ordern zu können.

Günter Burkhardt ist Service Engineer, Jochen Heinz Teamleiter Consulting und Walter Meier Vertriebsbeauftragter für Retrofit und additive Dienstleistungen bei der Siemens AG. #

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