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Chance Flüchtlinge „Ausbildung ist die beste Form der Integration“

| Autor / Redakteur: Fabian Haas und Barbara Schalk / Robert Horn

Über das Pilotprojekt von Rittal berichteten wir bereits im Auftakt unserer Serie über Flüchtlinge als Chance. Im Interview spricht der dortige Ausbildungsleiter Matthias Hecker jetzt über Barrieren, Hände-und-Füße-Kommunikation sowie Zukunftspläne.

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Matthias Hecker ist Ausbildungsleiter beim Schaltschranktechnik-Spezialisten Rittal.
Matthias Hecker ist Ausbildungsleiter beim Schaltschranktechnik-Spezialisten Rittal.
(Bild: Rittal)

Wie kam das Pilotprojekt zustande?

Die Initiative kam von unserem Inhaber, Friedhelm Loh. Wir von der Ausbildungswerkstatt waren von Anfang an mit im Boot, genauso wie die Rittal-Foundation. Wir haben das dann gemeinsam im Sommer 2015 umgesetzt.

Wie haben Sie die Praktikanten ausgewählt?

Als Unternehmen können wir selbst nicht einfach auf Flüchtlinge zugehen, deshalb haben wir den Lahn-Dill-Kreis angesprochen. Der Kreis hat 20 potenzielle Teilnehmer ausgesucht, mit denen wir eine Potenzialanalyse durchgeführt haben. Denn es müssen schon Sprachkenntnisse da sein, sonst macht das keinen Sinn. Letztendlich sind wir mit 14 Teilnehmern gestartet, acht haben ein dreimonatiges Praktikum gemacht und zwei sind jetzt sogar in der Ausbildung bei Rittal.

Stichwort Sprache, hat sich das als große Barriere herausgestellt?

Bei den Einstufungspraktika haben wir noch mit Händen und Füßen kommuniziert. In der Technik ist das aber allgemein etwas einfacher, wir konnten den Flüchtlingen etwas zeigen und sie konnten es nachmachen. Man muss natürlich die Ruhe und die Geduld haben, aber sie haben das sehr gut verstanden.

Wie sind Sie persönlich an Ihre neue Aufgabe herangegangen?

Ich bin sehr gerne an diese Aufgabe herangegangen. Ohne Integration geht es nicht, man muss den Flüchtlingen helfen. Ich denke, gerade Arbeit ist die beste Form der Integration. Mir und meinen Ausbildern hat das Projekt große Freude bereitet. Wir haben uns alle dafür eingesetzt und ich würde das jederzeit wieder machen.

Hat Sie das Projekt Schlaf gekostet?

Ach wissen Sie, ich schlafe immer sehr, sehr gut (lacht). Da hatte ich keine Probleme. Man hat zwar immer daran gedacht, wie das Projekt wohl laufen wird, aber es ist wirklich sehr positiv gelaufen. Es hat uns Spaß gemacht und es war keine Belastung für uns. Sicherlich ist es intensiv, wenn man einem Praktikanten etwas erklären muss, der einen nicht richtig versteht, aber wenn man sich darauf einlässt, sind tolle Erfolge möglich.

Gibt es bei Ihrem Pilotprojekt Bedenken von anderen Unternehmen oder Kunden?

Von Kunden überhaupt nicht. Bedenkenträger gibt es überall, aber ich habe schon in verschiedenen Kreisen über unser Projekt informiert. Ich muss auch sagen, wir sind kein kleines Unternehmen und haben da die Manpower, um auf helfende Hände zurückzugreifen. Ich denke, in kleineren Betrieben wäre es schwieriger, in dieser Form etwas zu tun. Diese haben dann nicht ausreichend Ausbilder und auch nicht so viele andere Auszubildende, die die Flüchtlinge zusätzlich unterstützen können.

Wie ist das Projekt bei den anderen Mitarbeitern und Auszubildenden angekommen?

Sie waren alle an dem Projekt beteiligt. Wir, die Ausbildungsleitung und die Ausbilder, haben gesagt, dass wir das nicht alleine machen. Wir wollen unsere Auszubildenden aktiv mit einbeziehen, denn das sind die, die später mit den Flüchtlingen zusammenarbeiten. Sie haben sich freiwillig in einer Patenschaft ganz toll um die Flüchtlinge gekümmert.

Haben Sie noch viel Kontakt mit den Flüchtlingen?

Wenn ich den Azubis begegne, grüße ich sie. Wir sprechen auch über die Schule. Als Ausbildungsleiter mache ich zwar auch noch andere Sachen, aber ich habe weiterhin Kontakt zu ihnen und muss darauf achten wie ihre Noten sind, wie die interne Beurteilung der Leute ist. Ich habe also noch viel mit ihnen zu tun, keine Frage. Bei den beiden Auszubildenden schaue ich natürlich genauer hin. Ich muss dann auch gucken, ob wir zusätzliche Fördermaßnahmen einleiten müssen. Es gibt sogenannte ausbildungsbegleitende Hilfen, die von der Agentur für Arbeit angeboten werden.

Gibt es Probleme mit der Handelskammer?

Das einzige Problem war die Sprache. Wir hatten sonst kaum bürokratische Hindernisse. Für die schriftlichen Angelegenheiten hatte uns beziehungsweise den Flüchtlingen der Lahn-Dill-Kreis einen Sozialpädagogen zur Seite gestellt. Wir wurden somit nicht belastet.

Haben Sie schon Pläne für die Zukunft des Projekts?

Wir sind weiterhin offen. Ab Mai wollen wir wieder Praktika anbieten. Wann wir genau starten, wollen wir mit der Rittal-Foundation prüfen.

* Fabian Haas und Barbara Schalk studieren Technikjournalismus an der TH Nürnberg arbeiten gemeinsam mit MM MaschinenMarkt am Projekt „Chance Flüchtlinge“

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