VDMA Baden-Württemberg ist stärkste Maschinenbauregion in Europa

Redakteur: Stéphane Itasse

Frankfurt (si) - Der Maschinenbau zählt in der Europäischen Union zu den größten Industriezweigen und ist neben der Ernährungsbranche der bedeutendste industrielle Arbeitgeber. Gut ein Zehntel trägt er zur Wertschöpfung der gesamten EU-Industrie bei, heißt es in einer Mitteilung des VDMA vom Donnerstag.

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“In der EU sind im Maschinenbau rund 24.500 Unternehmen tätig, die insgesamt 2,6 Mio. Arbeitnehmer beschäftigen und im Jahr 2005 Maschinen und Anlagen im Wert von 420 Mrd. Euro produzierten”, sagte Dr. Hannes Hesse, Hauptgeschäftsführer des VDMA, im Vorfeld der 50-Jahr-Feiern der Römischen Verträge am Samstag. “Innerhalb des Weltmaschinenbaus ist die Europäische Union das führende Fertigungszentrum.”

Baden-Württemberg mit den meisten Maschinenbau-Beschäftigten pro Einwohner

Als ausgesprochen stärkste Maschinenbau-Region in der EU erweist sich Baden-Württemberg. “Hier arbeiten 25 von Tausend Einwohnern im Maschinenbau”, erklärte Hesse. Auch für Emilia-Romagna in Norditalien errechnet sich ein solch hoher Wert. Dahinter folgen in Schweden die Regionen Smaland med Öarna und Östra Mellansverige, Stredni Morava, Jihovýchod, Severovýchod und Jihozápad in Tschechien und Nord Est, Nord Ovest und Lomardei in Oberitalien sowie Bayern.

Das höchste Konzentrationsmaß in der EU auf Länderebene weist die Tschechische Republik aus. Hier arbeiten 15 von Tausend Einwohnern im Maschinenbau. Es folgen Schweden (13,2), Slowenien (12,4). Dänemark (11,6), Deutschland (11,5), Finnland (11,2) sowie Italien und Österreich (jeweils 9,8). Mit diesen Raten liegen die Länder weit über dem Durchschnitt der EU25, der bei 7,2 steht.

Maschinenbauer in Osteuropa holen auf

Bereits vor dem EU-Beitritt Tschechiens haben vor allem deutsche, aber auch österreichische Unternehmen arbeitsintensive Produktionsbereiche in das östliche Nachbarland verlagert. Dadurch sind im tschechischen Maschinenbau verglichen mit dem Produktionsausstoß immer noch überdurchschnittlich viele Menschen beschäftigt.

Vergleicht man die Ergebnisse mit den Daten früherer Jahre fällt auf, dass vor allem in Schweden und Slowenien die Bedeutung des Maschinenbaus zugenommen hat. In Schweden ist die Kennzahl von 11,7 (2000) auf jetzt 13,2 gestiegen. Dort wuchs infolge des kräftigen Umsatzzuwachses auch die Zahl der Maschinenbaubeschäftigten.

In Dänemark hat die Kennzahl deutlich abgenommen: von 13,2 (2000) auf jetzt 11.6. In Deutschland hingegen nur leicht abgenommen, von 11,9 (2000) auf jetzt 11,5. In beiden Fällen dürfte neben der Verlagerung von Produktion ins Ausland, der Nachfrageflaute in den Jahren 2002 und 2003 auch der Beschäftigungsabbau zur Erhöhung der Arbeitsproduktivität am jeweiligen Standort eine Rolle spielen. Deutlich abgenommen hat die Bedeutung des Maschinenbaus im Ursprungsland der industriellen Revolution, in Großbritannien, von 8,6 (2000) auf jetzt 5,0. Technisch hat der britische Maschinenbau bereits seit mehr als einem Jahrzehnt den Anschluss verloren und international Bedeutung eingebüßt.

EU im Weltmaschinenhandel die Nummer eins

Rund zwei Drittel der Maschinenproduktion verbleibt innerhalb der EU-Länder. Ein Drittel der EU-Maschinenproduktion wird in Länder außerhalb der Gemeinschaft verkauft. Mit diesem Liefervolumen, das 2005 rund 146 Mrd. Euro betrug, hat die EU im Weltmaschinen-handel eine eindeutige Dominanz, vor den USA (70 Mrd. EUR) und Japan (69 Mrd. EUR). “Aufgrund der Investitionslethargie bis Ende 2005 in den Ländern der EU war das florierende Exportgeschäft außerhalb der Europäischen Union für den Maschinenbau von besonderer Bedeutung”, erläutert Hesse.

Deutschland ist mit einem Produktionsanteil von 39% der führende Standort im EU-Maschinenbau, gefolgt von Italien (16%), Frankreich (11%) und Großbritannien (9%). Alle vier großen EU-Mitgliedsstaaten zusammengenommen erbringen fast vier Fünftel der EU-Produktion. Das Ranking, das für die Branche insgesamt gilt, finden wir in fast allen Sektoren wieder, nach denen wir den Maschinenbau EU-weit differenziert betrachten können.

Fördertechnik mit Abstand die größte Maschinenbausparte

Die Fördertechnik hat sich Anfang der neunziger Jahre zur größten Maschinensparte in der EU entwickelt. “Da verstärkte Rationalisierungs- und Flexibilisierungsbemühungen in den meisten Industriebranchen seit über einem Jahrzehnt an oberster Stelle der Agenda stehen, konnten sich die Hersteller von Fördertechnik den sonst für den Maschinenbau typischen zyklischen Nachfrageschwankungen fast vollständig entziehen”, erklärte der VDMA Hauptgeschäftsführer. Das EU-Produktionsvolumen erreichte 2005 in diesem Sektor 50 Mrd. Euro.

Erst mit großem Abstand folgen auf den nächsten Plätzen die Bereiche Gewerbliche kälte- und klimatechnische Geräte (37,3 Mrd. Euro) sowie Werkzeug- und Holzbearbeitungsmaschinen (36,8 Mrd. Euro). Die letzte Gruppe war bis 1990 das wichtigste Standbein des EU-Maschinenbaus.

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