Werkzeugmaschinen Bauteile von Werkzeugmaschinen eindeutig kennzeichnen

Autor / Redakteur: Ralf Reines und Siegmund Chmielnicki / Udo Schnell

Die DIN EN 81346 Teil 1 bis 3 regelt die Kennzeichnung der Komponenten von Maschinen und Anlagen. Weil die Norm sehr allgemein gehalten ist, können Bauteile bei Werkzeugmaschinen nicht immer detailliert zugeordnet werden. Mehr Klarheit schafft ein neues VDMA-Einheitsblatt, das ein Arbeitskreis des VDW erarbeitet hat.

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Bild 1: Zur standardisierten Bildung klassifizierter Referenzkennzeichen ist in den letzten Jahren die internationale Normenreihe DIN EN 81346 Teil 1 bis 3 entwickelt worden.
Bild 1: Zur standardisierten Bildung klassifizierter Referenzkennzeichen ist in den letzten Jahren die internationale Normenreihe DIN EN 81346 Teil 1 bis 3 entwickelt worden.
(Bild: Verfasser)

In der Einleitung der DIN EN 81346 heißt es, dass die Strukturierungsprinzipien, welche die Norm vorgibt, ein System bereitstellen, das einfach zu verwalten und in dem die Navigation simpel ist. Das System „vermittelt einen ausgezeichneten Überblick über ein technisches System“.

Aber bevor sich einem das Paradies auftut, muss man ja zumindest die Mühsal des Erdendaseins überwinden. So ist dies auch mit der Einführung von Referenzkennzeichen nach dieser Norm. Sie greift schlicht und einfach die wohleingeführten heutigen Strukturen an und zwingt zum Umdenken. Das geht natürlich nicht ohne Widerstand und Hürden. Eine erste Hürde ist es, die Norm zu verstehen und die darin enthaltene Strukturierung abzubilden. Dabei besteht Bedarf für verschiedene Festlegungen und Standardisierungen. Ein Arbeitskreis des Vereins Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V. (VDW) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Festlegungen dieser Norm zu ergänzen und sein Arbeitsergebnis öffentlich zur Verfügung zu stellen.

Zulieferer und Hersteller profitieren von Standards

Unbestritten bietet Standardisierung allen Industriesektoren und damit auch dem Werkzeugmaschinenbau in vielen Bereichen entscheidende Vorteile. Gleichermaßen profitieren Zulieferer, Hersteller und Nutzer von Maschinen und Anlagen. Dies beginnt beim Design, setzt sich bei Fertigung, Montage, Errichtung fort und zeigt beim langjährigen Betrieb sein volles Potenzial.

Heute stehen in einer Produktionsstätte typischerweise viele hundert verschiedene Maschinen, Anlagen und Systeme. In einem Automobilwerk zum Beispiel findet man neben Werkzeugmaschinen auch Roboter, zentrale Drucklufterzeuger oder die Gebäudetechnik. Diese Teil-Systeme werden naturgemäß von unterschiedlichen Unternehmen bereitgestellt und treffen in der Produktionsstätte zum ersten Mal aufeinander. Dabei ist allen eines gemeinsam: Jedes Teil-System besteht aus vielen einzelnen Teilen. So kann die gesamte Produktionsstätte in einem Gedankenexperiment in abertausend Einzelbauteile zerlegt werden.

Bei einer Sortierung dieser Einzelbauteile wird dann schnell deutlich, dass gleiche Teile in verschiedenen Systemen eingesetzt werden. Als einfaches Beispiel kann ein Motorschutzschalter herangezogen werden. Dieses Bauteil schützt den Motor des Kompressors im Drucklufterzeuger, die Antriebe des Roboters, die Spindelmotoren einer Werkzeugmaschine oder das Gebläse der Gebäudeheizung. Daher ist es sinnvoll, gleiche Bauteile auch gleich zu bezeichnen, unabhängig davon, welcher Lieferant das Teil-System liefert.

Zur standardisierten Bildung klassifizierter Referenzkennzeichen ist in den letzten Jahren die internationale Normenreihe DIN EN 81346 Teil 1 bis 3 entwickelt worden. Diese ist sehr allgemein gehalten und bezieht sich auf einen sehr weiten Bereich von Infrastrukturprojekten, Schiffbau und allgemeinen Industrieprodukten.

  • Teil 1 der Norm beschreibt die Strukturierungsprinzipien und Referenzkennzeichen.
  • Teil 2 befasst sich mit der Klassifizierung von Objekten und vergibt in Tabelle 1 Kennbuchstaben für Hauptklassen und unterteilt diese in Tabelle 2 in Unterklassen.

Eine detaillierte Zuordnung der typischen Bauteile einer Werkzeugmaschine ist anhand dieser internationalen Norm nicht umfassend möglich. Der Standard lässt also einen Spielraum für Interpretationen. Dies führt bei der Umsetzung zu unterschiedlicher Kennzeichnung von Bauteilen gleicher Funktion bei einzelnen Herstellern. Daraus erwächst die Forderung nach einer Präzisierung der internationalen Norm.

Der VDW hat ein VDMA-Einheitsblatt erarbeitet und veröffentlicht, das zusätzlich typische elektrotechnische Komponenten für Werkzeugmaschinen in den einzelnen Unterklassen aufführt. Damit können Kennbuchstaben für Unterklassen von Objekten der elektrotechnischen Ausrüstung nach einheitlichen Kriterien definiert und angewendet werden. Entsprechende praktische Beispiele aus typischen elektrotechnischen Funktionen geben dem Anwender eine zusätzliche Hilfestellung.

Einheitsblatt unterstützt praxisnahe Standardisierung

So unterstützt das Einheitsblatt eine praxisnahe Standardisierung im Bereich der Referenzkennzeichnung für Werkzeugmaschinen. Die Anwendung dieser Klassifizierung kann herstellerunabhängig anhand der Komponentenfunktionen erfolgen. Dies betrifft das Arbeiten mit verschiedenen Dokumenten wie Schaltplänen, Übersichtszeichnungen, Montage- und Bedienungsanleitungen sowie Stücklisten.

An der realen Maschine setzt sich diese Referenzierung mit der entsprechenden Bauteil-Kennzeichnung fort. Die Nutzung einheitlicher Kennbuchstaben für verschiedene Komponentenklassen auf Basis des VDMA-Einheitsblattes ermöglicht so das schnelle Auffinden oder Zuordnen von Bauteilen an den Maschinen anhand ihrer Funktion. Es werden Kennbuchstaben für mehrere hundert Bauteile, beispielsweise Lichtschranken, Schaltschrankkühler oder Regelventile aufgeführt.

Das über den Branchenverband entwickelte Einheitsblatt kann als Erweiterung/Verfeinerung der Normenreihe DIN EN 81346 Teil 1 bis 3 gesehen werden. Es ist beim Beuth Verlag (www.beuth.de) unter dem Titel „Kennbuchstaben für Unterklassen von Objekten zur Anwendung für die Referenzkennzeichnung an Werkzeugmaschinen“ mit der Nummer VDMA-Einheitsblatt 34191 erhältlich und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Prozessoptimierung und Qualitätsverbesserung entlang der Kette „Planung-Errichtung-Betrieb“ einer Maschine/Anlage. MM

* Ralf Reines arbeitet beim Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken e.V, Forschung und Technik, r.reines@vdw.de; Dr. Siegmund Chmielnicki ist bei der MAG IAS GmbH beschäftigt, siegmund.chmielnicki@mag-ias.com

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