Kraftwerksrückbau Beim Rückbau ist nur das Beste gut genug

Autor / Redakteur: Christa Friedl / Udo Schnell

Für die Demontage von Kernkraftwerken ist der Werkzeugkasten gut gefüllt. Viele Verfahren und Maschinen müssen allerdings adaptiert und optimiert werden. Außerdem steht die wichtige Standardisierung von Methoden und Konzepten erst am Anfang.

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Wird ein KKW demontiert, kommen überall da, wo keine Kontamination vorliegt, herkömmliche Trennverfahren zum Einsatz.
Wird ein KKW demontiert, kommen überall da, wo keine Kontamination vorliegt, herkömmliche Trennverfahren zum Einsatz.
(Bild: Nukem)

Beim Abbau eines Kernkraftwerks kann der Maschinen-, Werkzeug- und Anlagenbau zeigen, was er drauf hat. Denn es gibt fast nichts, was beim Rückbau nicht gebraucht wird: Trennschleifer, Seilsägen, Hydraulikscheren, Betonfräsen und Meißel, Kran, Industriesauger, Wasserstrahl-, Laser- und Lichtbogenverfahren. Benötigt werden Methoden für Unter-Wasser- und An-Luft-Zerlegung, Werkzeuge für kleine und große Räume, für dicke und dünne Wände, für tonnenschwere Großkomponenten oder komplexe Sonderbauteile.

Bislang gibt es keine Industrie, die auf den Rückbau von kerntechnischen Anlagen spezialisiert ist. Ganz neue Verfahren zu entwickeln, lohnt sich meist nicht, denn dafür ist der Markt zu klein, zu national und schwer prognostizierbar. „Dennoch ist unser Werkzeugkoffer voll gefüllt“, sagt Erwin Prechtl von der bundeseigenen WAK Rückbau- und Entsorgungs-GmbH. Mechanische, thermische oder chemische Verfahren für Zerlegung, Dekontamination oder Konditionierung sind ausreichend vorhanden.

Doch vieles muss für den Rückbau adaptiert werden. Das beginnt schon bei Standardarbeiten. Die Firma Herrenknecht hat ein Anbaugerät für einen kleinen Mobilbagger entwickelt, das hochbewehrte Stahlbetonstrukturen in einem Arbeitsgang durchtrennt. Die Unternehmen Siempelkamp und Hilti untersuchen, wie sich Edelstahlkonsolen möglichst effizient zerschneiden lassen. Für alle Zerlegeverfahren sind Präzision, hohe Verfügbarkeit und geringer Wartungsaufwand unbedingte Voraussetzung.

Im Kontrollbereich mit seiner nuklearen Last müssen Werkzeuge vor allem zuverlässig und sicher fernhantierbar sein. Die Verfahren sollen außerdem so wenig Sekundärabfall erzeugen wie möglich, Kontaminationen nicht verschleppen und für unterschiedliche Materialien einsetzbar sein. Auch die Geräte und Maschinen selbst müssen nach Gebrauch leicht auseinandergebaut und dekontaminiert werden können. Alles zusammengenommen ist das eine echte Herausforderung. „Daher sind bei jeglichen Entwicklungen Industriepartner unverzichtbar, um sicherzustellen, dass die Produkte auch praxistauglich sind“, betont Prof. Sascha Gentes, Rückbauexperte am Karlsruher Institut für Technologie (KIT).

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