Studie

Betriebe ohne Betriebsrat – Wer vertritt dort wen und was?

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Die Bereitschaft zu Gremienarbeit sei dagegen gering. Lücking nennt zwei Gründe: Die Beschäftigten sind stark auf die eigene Arbeit fixiert. Und in der IT-Branche verändert sich das spezifische Wissen stetig, eine Auszeit für Gremienarbeit würden viele als Karriererisiko wahrnehmen.

Personaler beriefen bei Konflikten gerne alternative Gremien. Das hat für sie den Vorteil, dass sie selbst darüber entscheiden können, wer mit am Tisch sitzen darf. Die Belegschaften zweier untersuchter Unternehmen gründeten gleichwohl einen Betriebsrat, in beiden Fällen waren betriebliche Umstrukturierungen der Anlass. Dies zeigt den Experten zufolge, dass in wissensbasierten Unternehmen das nötige Selbstbewusstsein da ist – wenn denn mal der Interessenkonflikt von Arbeitgebern und Arbeitnehmern offen zu Tage getreten ist.

Typ 4: Hochspezialisierte Industrie

Ein Sonderfall sind sehr spezialisierte Industrieunternehmen, die eine Nische am Weltmarkt haben. Oft in ländlichen Gebieten angesiedelt, haben sie kaum mehr als 100 Beschäftigte: überwiegend gut qualifizierte männliche Facharbeiter. Das Geschäftsmodell dieser Betriebe besteht darin, hohe Qualität zu entsprechenden Preisen zu liefern, und das möglichst flexibel.

Dies erkläre den Charakter der Beziehung zwischen Unternehmen und Beschäftigten, so Lücking. Es werde Anerkennung gegen Flexibilität getauscht, Vertrauen gegen Loyalität. Die Arbeitsverträge sind nicht tarifgebunden. Sie lehnen sich aber an Tarifverträge an. Auch die Beziehungen zwischen Management und Belegschaft orientieren sich an den Umgangsformen in mitbestimmten Unternehmen.

Beide Seiten würden so agieren, als gäbe es bereits einen Betriebsrat gebe. Die Arbeitgeber hegen die Befürchtung, dass ein Betriebsrat Abstimmungsprozesse verlängern würde. Deshalb sprechen sie sich nicht für die Gründung einer Interessenvertretung aus. Aber sie „versuchen nicht, einen Betriebsrat mit allen (auch unerlaubten) Mitteln zu verhindern, sondern bieten den Beschäftigten stattdessen andere, informellere Formen der Interessenvertretung an“.

Nur in solchen Unternehmen hätten gewählte Belegschaftssprecher eine ernsthafte Rolle, stellt Lücking fest. In den drei anderen Typen der Betriebe ohne Betriebsrat seien alternative Vertretungsformen hingegen ohne Bedeutung.

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