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Nachhaltige Kunststoffe

Biokunststoffe boomen im Sog des European Green Deal

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Kunststoffrecycling steht hoch im Kurs

Konkret will die EU auch das Kunststoffrecycling, ein weiterer Sektor der Kreislauflösung, fördern. Deswegen sollen Kunststoffverpackungen bis 2030 recycelt respektive wiederverwertbar sein. Zur letztendlichen Strategie gibt es aber noch Klärungsbedarf. Die konkreten Aktivitäten der Biokunststoff-Industrie wurden auf der jährlichen Tagung des Branchenverbandes European Biolastic am 4. und 5. Dezember 2019 in Berlin vorgestellt, zu der sich etwa 400 leitende Angestellte aus Industrie und Forschung zum Erfahrungsaustausch trafen.

Die Wertschöpfungsketten von Biokunststoffen interessieren sowohl Marken, politische Entscheidungsträger und Hochschulen als auch Produzenten und NGOs. Ein Thema größter Brisanz ist dabei die Reduktion des sogenannten Marine-Litter (Vermüllung der Meere), also die Verringerung der Plastikrückstände in den europäischen Meeren. Hierzu gehört nicht nur der bekannte Kunststoffabfall, sondern etwa auch Zigarettenkippen wegen des Filtermaterials. Mögliche Abhilfe könnte die Entwicklung nachhaltiger Alternativen sein – wieder eine Chance für Biokunststoffe.

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Deswegen gewährt Werner Basmann von der Europäischen Kommission einen Ausblick auf die Initiativen der EU mit Blick auf eine Kreislaufwirtschaft sowie die Bioökonomie. Ihm zufolge haben Biokunststoffe einen hohen Stellenwert auf den politischen Agenden der EU, um die Kreislaufwirtschaft lückenlos zu schließen. Das heißt konkret, die Wiederverwertung, das Recycling sowie die biologische Abbaubarkeit weiterzuentwickeln. Innerhalb der Kreislaufwirtschaft soll der Wert der Materialien dabei erhalten bleiben. Doch sind noch weitere Studien nötig, die mehr Aufschluss darüber bringen, heißt es. Die EU will also Antworten. Etwa auf die Frage: Können wir durch Biokunststoffe unsere Abhängigkeit von fossilen Kunststoffen verringern? François de Bie von Total ist Chairman beim Branchenverband European Bioplastics. Der Biokunststoff-Manager kommentiert die Konferenz so: „Es ist eine entscheidende Zeit für unsere Branche, weil die Europäische Union es ernst meint.“

Hauptgewinner des Biokunststoff-Booms

Rechtzeitig zu dieser Veranstaltung veröffentlicht der Branchenverband jährlich seine Marktzahlen: Die weltweite Produktionskapazität für Biokunststoff soll von rund 2,1 Mio. t im Jahr 2019 auf 2,4 Mio. t 2024 steigen. Weltweit waren es 2019 359 Mio. t Kunststoff. Die Biokunststoffe haben somit einen Anteil von kleiner 1 % an der gesamten Kunststoffmenge. Hierzu der langjährige Geschäftsführer von European Bioplastics Hasso von Pogrell: „In einem zunehmend umweltbewussteren Kontext wird der globale Markt für Biokunststoffe in den nächsten fünf Jahren voraussichtlich um über 15 % wachsen.“ Ursächlich für den Trend sei die stetig steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten sowie die kontinuierlichen Bemühungen der Biokunststoff-Industrie, innovative Materialien mit verbesserten Eigenschaften und neuen Funktionen zu entwickeln. Der Boom wird sich laut von Pogrell fortsetzen.

Das Hauptwachstum genießen biobasiertes PP (Polypropylen) und PHAs (Polyhydroxyharz). Speziell die Produktionskapazitäten dieser Biokunststoffe könnten sich in den nächsten Jahren verdreifachen. PHAs sind übrigens biobasierte und zugleich biologisch abbaubare Kunststoffe. Sie passen deshalb gut zu den Vorstellungen des Green Deals der EU. Trotz ihrer Abbaubarkeit dürfen aber auch sie nicht im Übermaß als Abfall in unsere Umwelt gelangen, betonen die Entscheider.

Polyetyhlen (PE) lässt sich alternativ zu seinem fossilen Pendant auch aus Zucker und dem daraus erzeugbaren Alkohol produzieren. Polyethylen statt Rum also! Es zersetzt sich allerdings nur sehr langsam in der Umwelt. Das „End-of-life-Szenario“ ist daher die Verbrennung. Gelangt biobasiertes PP in die Umwelt, steigt so der Plastikmüll in der Umwelt biobasiert.

Der Löwenanteil dieser Produkte stammt aus Produktionen in Asien, gefolgt von Europa sowie Nord- und Südamerika. Ein häufig wiederkehrendes Streitthema ist der Landverbrauch durch Bioplastik. Im Jahr 2019 lag dieser bei etwa 0,016 %. Im Vergleich dazu schlagen die Biokraftstoffe bei einem Landverbrauch von 53 Mio. ha mit rund 1 % zu Buche.

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