Wenn es um den Karrierebereich auf der eigenen Webseite geht, sind die Maschinen- und Anlagenbauer schon sehr gut. Umso wichtiger ist es für einzelne Unternehmen, sich jetzt nicht von der eigenen Branche abhängen zu lassen.
Im Rahmen seiner Employer Kampagne 2022 hat Ness Wärmetechnik Mitarbeitervideos gedreht.
(Bild: Ness Wärmetechnik)
Wenn es darum geht, passende Fachkräfte zu gewinnen, scheut der Maschinen- und Anlagenbau keine Mühen. Kein Wunder also, dass ausgerechnet die Karrierebereiche der Unternehmenswebseiten besonders positiv auffallen. So zuletzt in einer Analyse der Kommunikationsagentur „anders und sehr“, deren Ergebnisse MM Maschinenmarkt vorliegen.
Die Digitalexperten untersuchten verschiedene Webseitenbereiche von insgesamt 165 Unternehmen aus dem Maschinen- und Anlagenbau. Dabei erreichte der Karrierebereich mit Abstand den höchsten Reifegrad (83 von möglichen 100 Punkten).
91 Prozent der Websites waren responsive, also so optimiert, dass sie auch auf mobilen Endgeräten wie Smartphones gut dargestellt werden.
79 Prozent der Websites boten zudem eine Eingabemaske für Onlinebewerbungen an.
66 Prozent der Unternehmen präsentierten sich mithilfe von Blogs oder Mitarbeiterstorys.
42 Prozent nutzten neben Text und Bild auch Videos auf ihren Karriereseiten.
Die Bedeutung von Karriereseiten
Doch wie wichtig sind Karriereseiten heutzutage überhaupt noch? Verschiedene Befragungen zeigen, dass der erste Kontaktpunkt für Bewerber meist die Stellenanzeige bei Online-Jobportalen ist. Auch Google und Social Media gewinnen in der sogenannten „Candidate Journey“, also beim Weg eines Bewerbers, bis er Mitarbeiter des Unternehmens wird, immer mehr an Bedeutung.
Doch auch, wenn die Karriereseiten vielleicht nicht der erste Kontaktpunkt für die Bewerber sind, sind sie trotzdem unglaublich wichtig, meint Ralf Mathiesen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalgewinnung. „Die überwiegende Anzahl der Menschen sucht auf der Unternehmenswebseite nach Informationen zum Arbeitgeber, bevor sie sich dort bewerben“, so der Experte. „Und wenn sie dort nichts finden, klicken sie weg – und dann kommt eben der Arbeitgeber zum Zug, der sich bei der Karriereseite besser anstellt.“
Die erfreuliche Nachricht, dass der Maschinenbau bei seinen Karrierewebseiten schon jetzt viel richtig macht, ist also gleichzeitig auch eine schlechte Nachricht. Denn sie bedeutet: Die Konkurrenz ist groß. Und sie ist engagiert. Was also können Unternehmen tun, um mitzuziehen oder sich im besten Fall sogar abzuheben?
So überzeugen Sie die Kandidaten
„Die überwiegende Anzahl der Menschen sucht auf der Unternehmenswebseite nach Informationen zum Arbeitgeber, bevor sie sich dort bewerben“, sagt Ralf Mathiesen, Geschäftsführer der Gesellschaft für Personalgewinnung.
(Bild: Ralf Mathiesen)
Informationen zu Kultur, Werten und Leitbild des Unternehmens – etwa durch Mitarbeiterporträts – gehören für Mathiesen ebenso auf die Karriereseite wie die Benefits, die das Unternehmen anbietet. Dabei bietet sich beispielsweise eine möglichst übersichtliche Darstellung mithilfe von Icons an. „Das ist schnell gemacht und vermittelt schon mal sehr viele Informationen, die sich Kandidaten wünschen“, so der Experte.
Wer sich jedoch wirklich von der Konkurrenz absetzen will, muss noch mindestens einen Schritt weitergehen. Die Angabe des Gehalts ist im englischsprachigen Raum bereits total normal. In Deutschland ist es jedoch noch immer ungewöhnlich. „Der Kandidat soll direkt seine Gehaltsvorstellungen angeben und noch vieles mehr. Das Unternehmen hält sich aber bedeckt“, kritisiert Mathiesen. „Das ist eine Vorgehensweise von vor 20, 30 Jahren.“ Er empfiehlt Unternehmen daher, sowohl das Gehalt (zum Beispiel als Range je nach Vorkenntnissen) als auch Lohnzusatzleistungen direkt auf der Webseite anzugeben.
Eine dritte Maßnahme, die sich mit vergleichsweise wenig Aufwand umsetzen lässt, gleichzeitig jedoch einen großen Nutzen stiften kann, ist die Optimierung für Google for jobs. Google spielt automatisch die Stellenanzeigen in einem speziellen Fenster aus, die Sie auf ihrer Karrierewebseite veröffentlichen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Daten entsprechend strukturiert sind. „Ein kleiner Programmieraufwand, den man in jedem Fall machen sollte“, meint Mathiesen. Besonders weit oben werden übrigens Stellenanzeigen angezeigt, die eine Gehaltsangabe enthalten. Hier transparent zu sein, kann sich also doppelt lohnen.
Diese Erfahrungen haben Unternehmen gemacht
Dass sich die Arbeit an der eigenen Karriereseite auszahlt, kann auch Ness Wärmetechnik bestätigen. Das Unternehmen aus Remshalden ist in diesem Jahr mit seiner Employer Kampagne in der Kategorie Top-Arbeitgeber für den Best of Industry Award nominiert. Teil der Kampagne sind Mitarbeiterporträts und Mitarbeitervideos, die einen Einblick in das Unternehmen und seine Kultur geben sollen. Ergebnis der Kampagne bisher: 17 Leads und – darüber freut sich das Unternehmen besonders – eine neu eingestellte Ingenieurin.
„Wir sind mitten in Baden-Württemberg und hier ist die Konkurrenz groß. Da muss man sich einfach abheben“, sagt Jan Ohrmann, Marketing Director bei Ness Wärmetechnik. Einen Vorteil, den das 97-Mitarbeiter-Unternehmen dafür nutzt, ist Authentizität. Im Gegensatz zu größeren Konkurrenten wie Daimler, Porsche und Co. gibt es laut Ohrmann keinen einengenden Corporate-Rahmen. Die Kommunikation sei dadurch authentischer, organischer und ein Stück weit menschlicher. Statt glatt geschliffener Texte lautet das Motto bei den Mitarbeiterporträts: „Schreib was du möchtest, wir veröffentlichen das.“ Oft kommen dabei bessere Inhalte heraus, als es sich jede Marketingabteilung hätte erträumen können.
Stand: 08.12.2025
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Auch Mathiesen unterstreicht, wie wichtig das Thema Authentizität ist: „Ein typischer Fehler ist, dass Marketingabteilungen oder Agenturen die Texte auf der Webseite formulieren. Wenn man Mitarbeiterzitate auf seine Webseite stellt, was ich grundsätzlich empfehle, dann sollten die aber auch authentisch sein.“ Andernfalls kann es nämlich auch schnell passieren, dass sich ein potenzieller Bewerber lieber bei Bewertungsportalen wie Kununu umsieht als auf der Karrierewebseite des Unternehmens.
Auch Erwartungsmanagement spielt eine Rolle. Denn niemandem ist geholfen, wenn man es zwar schafft, einen neuen Mitarbeiter an Bord zu holen – dieser dann jedoch nach kurzer Zeit das Unternehmen wieder verlässt. „Besser ist es, Ecken und Kanten zu zeigen und auch zu sagen: ‚Wir haben noch Themen, an denen wir arbeiten. Aber genau dafür brauchen wir dich im Unternehmen, damit wir dann gemeinsam vorankommen‘“, empfiehlt Mathiesen. „Das ist viel ehrlicher und geradliniger.“
Positive Effekte auch nach innen
Kamera ab: Ein professionelles Video lässt sich auch mit kleinerem Budget umsetzen.
(Bild: Ness Wärmetechnik)
Um sowohl interessierten Bewerbern als auch Kunden und Geschäftspartnern einen noch besseren Einblick ins Unternehmen zu geben, setzt Ness Wärmetechnik neben den Mitarbeiterporträts auch auf Videos. „Wenn ich einen Einblick in ein Unternehmen gebe und dabei auf filmisches Material verzichte, verschenke ich viel Potenzial“, ist Ohrmann überzeugt. Seiner Meinung nach ist das Vertrauen in Videos heutzutage zudem deutlich größer als in Bilder. Für die Produktion hat sich Ness Wärmetechnik externe Unterstützung ins Haus geholt. Denn: gute Qualität ist wichtig. „Ich brauche dazu aber kein riesiges Filmteam“, stellt der Marketing Director klar. „Es gibt Wege, das kosteneffizient zu machen.“
Die Mitarbeiter zu überzeugen, sowohl bei den Porträts als auch bei den Videos mitzumachen, war kein Selbstläufer. „Da muss man schon hinterher sein“, räumt Ohrmann ein. Sobald die Kampagne jedoch erst mal am Laufen war, trauten sich auch immer mehr Mitarbeiter mitzumachen. Dazu hat unter anderem auch das positive Feedback von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern beigetragen. Inzwischen lassen sich die Porträts auch ohne Probleme relativ kurzfristig organisieren. Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Dadurch, dass jeder in der Unternehmenskommunikation vorkommen kann, fühlen sich die Mitarbeiter noch stärker wertgeschätzt.
Fazit
Das Beispiel von Ness Wärmetechnik zeigt, dass auch kleinere Unternehmen ihre Karriereseiten mit vertretbarem Aufwand aufwerten können. Ob es nun Mitarbeiterzitate, Mitarbeiterporträts oder Mitarbeitervideos sind – ein authentischer Blick ins Unternehmen zieht das Interesse von potenziellen Bewerbern an. Wichtig ist dabei jedoch, immer im Hinterkopf zu behalten: Eine schöne Fassade allein reicht nicht aus. „Wenn man es ernst meint und wenn man wirklich nachhaltig Menschen fürs Unternehmen gewinnen und binden möchte, muss man sich tiefere Gedanken machen“, stellt Mathiesen klar. „Die Karrierewebseite ist der Endpunkt einer Arbeit, nicht der Startpunkt.“