Energiescouts Den Energieverschwendern unermüdlich auf der Spur
Wer Druckluft hat, hat auch Leckagen – und die können teuer werden: Schon ein 1 mm großes Loch kann mehrere Hundert Euro im Jahr an Kosten verursachen. Bei EBM-Papst hält eine Gruppe von Auszubildenden dagegen. Als Energiescouts arbeiten sie gegen die Leckagen und andere Energieverschwender im Unternehmen an.
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Konzentriert setzt Dominik Burkert seine großen Kopfhörer auf und streift mit einer Art dickem Stift die Pneumatikleitungen der Maschine entlang: Das Leckagesuchgerät erlaubt es dem Auszubildenden zum Industriemechaniker zu hören, durch welche Löcher unbeabsichtigt Druckluft strömt, auch wenn die Umgebung nicht gerade leise ist:
Rund um ihn herum klappern Maschinen im Takt, die Produktion beim Hersteller von Ventilatoren und Elektromotoren EBM-Papst in Mulfingen läuft. „Ohne das Gerät würde man nicht hören, wie die Druckluft durch die Löcher pfeift“, erläutert er. Das kann durchaus ein Grund sein, warum Leckagen oft von den Mitarbeitern unbemerkt bleiben. Zusammen mit den drei anderen derzeit aktiven Energiescouts, Laura Schneider, angehende Kauffrau für Bürokommunikation, Jessica Käser, Auszubildende als technische Zeichnerin, und Michael Hofmann, der ebenfalls Industriemechaniker lernt, hat Dominik Burkert seit Winter 2011 etwa 100 Leckagen in den Druckluftsystemen entdeckt.
Energiekosten von 100.000 Euro im ersten Jahr eingespart
Das Jahr ist für die vier noch nicht vorbei und so bleibt ihnen noch etwas Zeit, die Bestmarke zu übertreffen, die die Energiescouts der ersten Generation aufgestellt haben: Bis zum Winter 2011 fanden und reparierten sie innerhalb eines Jahres 150 Leckagen; EBM-Papst konnte dadurch schätzungsweise 100.000 Euro einsparen. Auch im Werk St. Georgen sind seit November vergangenen Jahres Auszubildende als Energiescouts unterwegs.
„Am Anfang standen für uns die Fragen: Wo entstehen die Verluste? Und welche Geräte sind sinnvoll?“, sagt Laura Schneider. Die vier Energiescouts entschieden sich außer für das Druckluftleckage-Messgerät noch für eine Wärmebildkamera und ein Infrarot-Thermometer, um zu heiß laufende, Energie verschwendende Elektromotoren aufzuspüren, sowie für ein Energiekostenmessgerät und ein Arbeitsplatzanalysen-Messgerät. Ein Werkstattwagen mit den wichtigsten Werkzeugen und Ersatzteilen ergänzt die Ausstattung – Kupplungen und Ventile haben die Energiescouts stets mit dabei. „Wir haben mehr als 10.000 Euro für die Geräte ausgegeben“, berichtet Lisa Bahr, die bei der ersten Generation der Energiescouts mitgemacht hat und nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation die derzeit aktiven Energiescouts betreut. „Immerhin wurden die Investitionen bis 10.000 Euro zu 50 % vom Klimaschutzfonds der Modellregion Hohenlohe finanziert“, sagt Burkert.
Energiescouts reparieren Druckluftleckagen meist selbst
Nachdem sie anfangs jeden Montag durch die Mulfinger Werkshallen zogen, haben die Energiescouts sich nun entschieden, in Blöcken von drei bis vier Wochen dieser Aufgabe nachzugehen. „Das hat den Vorteil, dass man die gefundenen Lecks beispielsweise in der Schichtpause reparieren kann“, sagt Hofmann – schließlich können die Energiescouts die Maschinen nicht einfach anhalten, wenn es ein Loch zu stopfen gibt. „Wir müssen warten, bis das Band steht, um reparieren zu können, das kann auch schon mal ein bis zwei Wochen dauern und man muss sich mit dem Meister absprechen“, erläutert Bahr. Immerhin können die Energiescouts 90 bis 95 % der gefundenen Leckagen gleich selbst abdichten, den Rest übernimmt die Fachabteilung. Sofern sie eine Leckage nicht sofort beheben können, gilt es, sie genau zu dokumentieren, um sie auch wieder zu finden.
Manchmal kann es aber auch knifflig sein, die Druckluftlecks zu entdecken. „In Werk 3 haben wir mal während der Inventur, als die Produktion stillstand, eine richtig große Leckage in der Hauptleitung gefunden, die hat man aus 10 bis 20 m Entfernung gehört. Der zuständige Schlosser wollte es uns erst gar nicht glauben, bis wir mit einer Hebebühne hochgefahren sind. Anschließend haben wir das an einen externen Schlosser zur Reparatur gegeben“, sagt Burkert. Die Umgebung hat es den Mitarbeitern allerdings auch schwer gemacht, die Leckage im normalen Arbeitsalltag zu entdecken – diese Produktionseinrichtung ist bei EBM-Papst über der Dreherei, und dort ist es besonders laut. „In einer lauten Umgebung muss man auch Glück haben, um eine Leckage zu finden“, berichtet Burkert.
Fachabteilung beim Austausch heißer Elektromotoren gefragt
Etwas mehr Abstimmung ist hingegen bei den zu heißen Elektromotoren gefordert: Hier entscheiden nicht die Energiescouts selbst, welcher Motor ausgetauscht wird, sondern die Fachabteilung. „Man muss im Einzelfall genau abwägen, welcher Austausch sinnvoll ist“, sagt Bahr. Doch mit dem Austausch von Energie verschwendenden Elektromotoren lässt sich ihrer Auskunft nach sogar mehrfach sparen: „Wenn die Motoren im Sommer zu viel Wärme abgeben, muss man zusätzlich kühlen, das kostet doppelt Energie.“
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