Porträt

Der Tüftler und der Stratege

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Zurzeit arbeiten sie mit acht festen und sieben studentischen Mitarbeitern an Projekten für 60 große Firmen. Dabei machen sie alles selbst, sogar die Platinenbestückung geschieht noch per Hand. Alles heißt auch alles um den Sensor herum: Software und Elektronik, Datenübertragung und Analyse. Doch das entstand mehr aus der Not heraus. „Das CM-System unserer Kunden konnte die Datenmenge unserer Sensoren nicht stemmen. Auch die Algorithmen zur Analyse dieser Daten kennen viele Systeme nicht“, so Launer.

Sich nicht von anderen beirren lassen

Das Verhältnis von Projekten zu Mitarbeitern mag nach einer irrsinnigen Planung klingen, doch steckt praktische Absicherung dahinter. „Letztes Jahr wurden Projekte eingestellt, weil Firmen plötzlich einen Sparkurs fuhren. Das hätte uns fast das Genick gebrochen“, erklärt Launer die Situation. „Aber dadurch, dass wir so breit aufgestellt sind, können wir solche Probleme auch abfangen.“ Sich breit aufstellen. Davon rieten ihnen am Anfang fast alle ab. Aber Launer und Petricevic dachten sich: Entweder wir nutzen die gesamte Breite unserer Plattformtechnik oder wir lassen es. „Hätten wir uns auf ein oder zwei Kunden fokussiert, gäbe es uns heute nicht“, ist Launer überzeugt.

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Da ihre Sensoren in die Matrix der Faserverbundwerkstoffe hineingearbeitet werden können – sie sind also intralaminar –, werden sie zu einem zerstörungsfreien Element des Bauteils. Das ist gerade für Anwendungen vorteilhaft, an denen so wenig wie möglich gewartet werden sollte, wie bei Rotorblättern für Windkraftanlagen. Auch für den Maschinenbau ist die Technik interessant, macht sie doch Komponenten und Prozesse intelligent. Walzen beispielsweise können damit selbst fühlen, ob sie in Schräglage sind, durchhängen oder ob der Druck in jeder Walze gleich verteilt ist. Auch zur Prozessüberwachung bei Spritzgussverfahren sind die Indtact-Sensoren denkbar. Maschinen könnten selbst entscheiden, mit welchen Parametern sie die Prozessqualität steigern oder die Komponente möglichst geringem Verschleiß aussetzen. Der Sensor würde zum Beispiel auch hören, wenn ein Sägeblatt stumpf wird.

Zum Schluss lerne ich den technischen Geschäftsführer und Vater der Indtact-Sensoren kennen: Raino Petricevic. In Flipflops und leicht zerzaust steht er mir gegenüber. Wir haben ihn aus seinen Gedanken gerissen, er steckt mitten in einem Projekt. Aber für das kleine Fotoshooting zieht er noch extra ein Firmen-T-Shirt an.

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung