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Rezession ist Folge eines Unsicherheitsschubs
„Ich denke es ist wichtig, diese Rezession als Folge eines Unsicherheitsschubs zu begreifen“, erklärte Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank AG in seinem Vortrag. Schließlich gelte, wer die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens in Frage stelle, der warte ab. Der kaufe nicht ein und der investiere auch nicht, was letztendlich einen Einbruch der Nachfrage bedeute. Den Weg aus der Krise sieht er darin, dass die Unsicherheit wieder auf ein akzeptables Niveau zurückgeht, was seiner Einschätzung nach, allerdings noch nicht der Fall ist.
Verglichen mit den Rezessionen in der Nachkriegszeit, so Dr. Krämer, habe man es mit einer sehr viel massiveren zu tun. Das Muster aus der Vergangenheit, dass nach einer Rezession aufgrund des Investitionsstaus die Wirtschaft sehr schnell „nach oben schießt“, sieht er im aktuellen Falle nicht. „Dieses Muster sollten wir nicht erwarten.“ Warum? Nach Krämers Einschätzung dürften die Immobilienpreise in den USA weiter fallen und in der Konsequenz zu Kreditausfällen und Konsumzurückhaltung führen. Folglich sei eher mit einem „blutleeren Aufschwung“ zu rechnen.
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands bleibt hoch
Zum Thema Inflation äußerte sich der Commerzbank-Chefökonom dahingehend, dass er für die kommenden zehn Jahre mit einer im Durchschnitt höheren Inflationsrate rechne als dies in den zurückliegenden zehn Jahren. Allerdings würde dies stark vom Verhalten der Zentralbanken beeinflusst werden. Den Aktionären unter den Teilnehmern rief er zu: „Wir haben das Tief bei den Aktienmärkten noch nicht gesehen!“
Doch ganz so pessimistisch wollte Krämer seine Zuhörer nicht zurücklassen und kam zum Schluss auf die strukturellen Stärken Deutschlands in der Krise zu sprechen. Dabei verwies er auf die stabilen Immobilienpreise und die hohe Sparquote. Doch ebenso darauf, dass die Unternehmen in der Vergangenheit ihre Schuldenstände gesenkt haben, im Gegensatz zum Wettbewerb im Euro-Raum. Weitere Stärken sah er auch darin, dass Deutschlands Exporte in stark wachsende Länder gingen, was sich als zukunftsweisend herausstellen werde. Zudem sei die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands angesichts der seit 1999 gesunkenen Lohnstückkosten hoch.
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